DAYS OF SORROW im Interview (1/2)

Photo: Dominique Schmitt

Days of Sorrow wurden 1981 gegründet, lösten sich Ende des Jahrzehnts auf und formierten sich vor einigen Jahren neu. Wie das gekommen ist und mehr über „Raptures“ – bereits das zweite Album ihrer „neuen Ära“, wie sie es selbst bezeichnen –  erfährst Du in unserem zweiteiligen Interview.

Orkus: Fangen wir doch am Anfang an. Du bist ja „damals“ von England nach Dortmund gezogen. Wie kam es dazu?
William Lennox: Da hatte ich keinen Einfluss drauf. Meine Eltern waren viel unterwegs mit mir. Sie haben sich letztendlich entschieden, in Deutschland zu bleiben, damit ich hier meine Schulausbildung machen konnte. Eine sehr pragmatische und nüchterne Entscheidung.

O: Wo und wie kam es dann zur Geburtsstunde von Days of Sorrow?
WL: Ja, da kommt die Schule wieder ins Spiel. Es gab ein paar Leute dort, die genau wie ich von dem, was in dem Punk- und Wave-Musikbereich so alles passierte, fasziniert waren. Kurzerhand besorgten wir uns einen Raum, wo wir uns ausprobieren konnten. Mehr oder wenig sehr spartanisch ausgerüstet, begannen wir dann, unseren Weg zu finden.

O: Wie kam es dazu, dass die Band lange pausierte und nun seit ein paar Jahren wieder aktiv ist?
WL: Nach der Trennung ging jeder erst einmal seinen eigenen Weg. (Studium, Ausbildung, Job, whatever happens …) Auch geografisch, wir zerstreuten uns in alle Himmelsrichtungen. Ich beschäftigte mich jedoch weiter mit Musik und nach Umwegen über London (mit Bands) und Berlin (eigene Musikproduktion) kam ich schließlich wieder in Dortmund an, traf mich mit André Schreiber – dem Bassisten – auf ein Bier und es klickte genau wie damals. Unser damaliger Gitarrist war leider beruflich ziemlich eingebunden und so fragte ich meinen alten Freund Frank Junge, ob er nicht die Keyboards übernehmen wollte. In meinem kleinen Studio ging es dann los mit ersten neuen Songs. Nach dem Ausscheiden von André (private Gründe) stoßen jetzt Jojo Brandt (Gitarre) und Kati von Schlotterstein (Keyboards) zu uns.

O: Natürlich wollen wir vor allem über „Raptures“ sprechen. Ihr selbst bezeichnet es als „Unser zweites Album der neuen Ära über unsere Reise, Musik und Gefühle. Ein persönliches Abenteuer.“ Wie fühlt sich diese Ära für dich persönlich an?
WL: In erster Linie spannend. Wir haben ja da weitergemacht, wo wir Ende der Achtziger aufgehört hatten, wir wollten uns gar nicht groß verändern, sondern mit dem Sound weitermachen. „Raptures“ ist aber auch ein etwas reiferes Album geworden. In den früheren Jahren haben wir mehr Fragen gestellt, waren neugierig und gespannt was passiert, siehe „Wild World…whatever happens“). Heute können wir mehr reflektieren.

O: Ehrliche Musik hat ja auch oftmals etwas mit Lebensgefühl und Zeitgeist zu tun. Gibt es für dich Ähnlichkeiten betreffend Lebensgefühl und Zeitgeist (auch in der Welt des Post-Punk/Dark Wave) zwischen den Achtzigern und heute?
WL: Ich finde es toll, dass es immer noch so viele Menschen gibt, die sich durch die Musik so ausdrücken wollen und können. Ja klar, es ist alles viel diverser und durchgemischter geworden, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Im Gegenteil, gerade in der Musik verschmelzen da viele Stile unter dem Oberbegriff „Dark“. Das gab es in den Anfängen nicht. Die Unterteilung in verschiedene Musikstile und Zeitgeister war da schon ausgeprägter. Und dennoch, wie schon erwähnt wollten wir uns gar nicht neu erfinden, sondern einfach an früher anknüpfen.

O: An welche drei Dinge oder Erlebnisse aus den Achtzigern blickst du gerne zurück?
WL: Gut, wir waren jung und euphorisch in den Achtzigern und die schönen Dinge bleiben natürlich eher hängen. Ich erinnere mich gern an den ersten großen Gig in der Zeche Bochum. Für uns war das sehr aufregend, denn dort standen damals ja auch unsere großen Vorbilder auf der Bühne. Musikalisch fand ich es irre, dass man jetzt analog und digital arbeiten konnte, TR 808 Drum Computer, Juno 60, Poly Six und DX7, das war unser Werkzeug und ist es immer noch, ich liebe einfach diese Sounds. Und, in diesen Jahren kam unsere Connection nach Spanien, mit Interviews bei Radiostationen in Barcelona, etc.

O: Was sind im Gegensatz dazu die Vorteile der heutigen Zeit?
WL: Aus Musikersicht ist es produktionstechnisch schon viel einfacher Demos und letztendlich auch Alben zu produzieren ohne ein Label zu haben und ein Studio buchen zu müssen. Auch für eine bestimmte Zielgruppe international sichtbar zu sein ist heute auch möglich ohne nur von Fanzines und Magazinen abhängig zu sein.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
William Lennox – Gesang, Programmierung
Katharina von Schlotterstein – Keyboards, Hintergrundgesang
Jojo Brandt – Gitarren
Frank Junge – Keyboard, Synthesizer

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