DUST OF APOLLON im Interview (1/2)

Photo: Finn Buchwald

Dust of Apollon ist das Soloprojekt von Bruno Dienhardt – und auf „Chapters Left Unread“ klingt er wie jemand, der sich selbst beim Denken zuhört. Dieses Album ist kein Statement, kein kalkulierter Wurf in Richtung Szene-Relevanz. Es ist etwas viel Intimeres: Der Versuch, sich selbst zu verstehen, während man längst mitten im Prozess steckt. Schon beim ersten Durchlauf wird klar: Hier schreibt keiner Songs, hier werden Zustände festgehalten. Fragmente von Gedanken, Gefühle, die sich nicht sortieren lassen. Es ist Musik, die weniger Antworten liefert als Fragen stellt – und genau darin ihre Kraft entfaltet. Sie wirkt wie ein Raum, in dem man sich verirren darf, ohne sofort einen Ausgang zu brauchen. Wir sprechen mit Bruno.

Der Moment, in dem alles kippte

Dass Musik für ihn mehr sein kann als bloße Unterhaltung, begreift er früh. „Das erste Mal, dass ich Musik nicht nur gehört habe, sondern mich gefragt habe, was da eigentlich passiert, war mit Skrillex“, erzählt er. Diese Faszination für Klang als etwas Unfassbares, etwas, das sich nicht sofort greifen lässt, wird zum Ausgangspunkt. „Ich wollte wissen, was das ist, was ich da höre, was dahintersteckt.“ Was folgt, ist kein geradliniger Weg. Eher ein Umweg über Kontrollverlust. Gaming-Sucht, sechs Stunden täglich, ein Leben im Loop. Dass ausgerechnet ein Launchpad – zunächst eher Staubfänger als Instrument – der Einstieg wird, wirkt fast beiläufig. „Ich habe das gar nicht wirklich beschlossen, sondern wurde mehr oder weniger dazu gezwungen“, sagt er und lacht. Exakt in dieser erzwungenen Routine liegt der Wendepunkt. Aus zehn Minuten pro Woche wird irgendwann ein Raum, der mehr bietet als jedes Spiel: Bedeutung. „Ich habe gemerkt, dass Musik das ist, was mich wirklich erfüllt.“

Die Risse, aus denen Kunst entsteht

„Chapters Left Unread“ lebt von Brüchen. Von Momenten, in denen nichts mehr stabil wirkt. Und das hat Gründe. Der Tod seines Opas und seines Katers im selben Sommer – Ereignisse, die seine Wahrnehmung von Sicherheit erschüttern. „Das hat meine Welt ein wenig auf den Kopf gestellt“, sagt er. Noch prägender: der Umgang mit Emotionen. Oder besser: das Fehlen davon. „Ich habe in meiner Jugend Männer extrem selten weinen sehen. Es ist für mich bis heute teilweise sehr schwer, einen Zugang zu meinen eigenen Emotionen zu finden.“ Dazu kommt eine andere Erfahrung, die tiefer sitzt, als man es zunächst vermutet: Mobbing. Nicht von Fremden, sondern aus dem engsten Umfeld. „Das waren die Menschen, die mir diese Sachen an den Kopf geworfen haben.“ Worte, die sich festsetzen. Die bleiben. Und die sich irgendwann in Selbstbilder verwandeln, gegen die man erst Jahre später arbeitet. Es sind diese Risse, aus denen das Album seine Intensität zieht. Man hört keine abgeschlossene Verarbeitung, man ist in mitten des Prozesses, der noch läuft – und gerade deshalb so nah geht.

Ein Tagebuch ohne Plan

Interessant ist, dass das Konzept des Albums erst spät greifbar wird. „Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht wirklich weiß, worum es in meinem Album eigentlich geht“, sagt er rückblickend. Das Ergebnis ist kein sauber konstruiertes Werk, es ist ein organisch gewachsener Kosmos. Einer, der sich erst beim Hören vollständig erschließt – und der seine stärksten Momente genau dann hat, wenn er sich nicht erklären will, sondern einfach passiert.

Zwischen Nähe und Kontrollverlust

Thematisch kreist vieles um ein Spannungsfeld: Nähe und Angst. Kontrolle und das Wissen, dass sie eine Illusion ist. „Ich habe große Angst, Menschen zu verlieren“, sagt er. Ein Satz, der sich wie ein Echo durch das gesamte Album zieht. Der Versuch, Dinge festzuhalten, die sich nicht festhalten lassen. Besonders deutlich wird das in den Texten über Beziehungen. Liebe erscheint hier nicht als Ideal, „Liebe ist Schmerz, Liebe ist Hoffnung. Liebe ist Sicherheit und Liebe ist Angst.“ Diese Ambivalenz durchzieht alles. Auch die Erkenntnis, sich selbst dabei zu verlieren. „In diesem Fall war es leider eine unbewusste Selbstaufgabe“, sagt er über eine zentrale Zeile. Kurz darauf: Trennung. Es sind diese ungefilterten Momente, die das Album tragen. Kein Pathos, keine Überhöhung – nur das ehrliche Eingeständnis, dass man nicht immer weiß, wo man steht.

Demnächst setzen wir das Interview fort. Mehr erfährst Du auch in unserer Mai/Juni-Ausgabe.

Jan Schütz (Meersein)

Dust of Apollon – Tourdates:
30. April 2026 DE-Köln, Helios 37
01. Mai 2026 DE-Stuttgart, Im Wizemann
02. Mai 2026 DE-München, Backstage
03. Mai 2026 DE-Saabrücken, Kleiner Klub/Garage
08. Mai 2026 DE-Leipzig, Moritzbastei
09. Mai 2026 DE-Berlin, Badehaus
13. Mai 2026 DE-Wuppertal, Live Club Barmen
14. Mai 2026 DE-Frankfurt, Nachtleben
15. Mai 2026 DE-Hannover, Subkultur
16. Mai 2026 DE-Hamburg, Logo

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