FREAKANGEL im Interview

Die aus Estland stammende Industrial-Metal-Band Freakangel meldet sich mit einer tiefpersönlichen EP zurück. Mit uns sprechen sie über die Hintergrundgeschichte von „Control EP“ und was das WGT so besonders macht.
Zügel loslassen?
„Die Geschichte hinter ‚Control EP‘ ist so zutiefst persönlich, weil sie zu einer Zeit entstand, in der ich vieles hinterfragte, das ich zuvor als Wahrheit akzeptiert hatte“, erzählt Kopf der Band Dmitry Darling. Er führt die Hintergründe weiter aus: „Es geht nicht um ein spezifisches Event. Es geht um einen Zyklus, den vermutlich viele Menschen durchmachen, aber wohl nur selten offen darüber sprechen – das Bedürfnis zu kontrollieren. Die Angst, die Kontrolle zu verlieren und letztendlich die Erkenntnis, dass manche Dinge sterben müssen, damit wir uns weiterentwickeln können.“ Er erklärt, die einzelnen Geschichten, in denen es um Manipulation ginge – von anderen sowie sich selbst –, aber auch Wandel und das Ausbrechen aus Mustern, die einem selbst schaden. „Ich finde, die Gesellschaft ermutigt Menschen viel zu sehr an allem festzuhalten: Beziehungen, Identitäten, Glauben, auch wenn diese Dinge ganz offensichtlich ihr Mindeshaltbarkeitsdatum überschritten haben. Ich fand die gegenteilige Idee interessant, dass Wachstum manchmal ein Begräbnis benötigt.“ Und bei Beerdigungen geht es ja häufig sehr dunkel zu, auch dafür hat der schwertätowierte Frontmann einen Vergleich: „Die Menschen denken oft, Dunkelheit in Musik dreht sich immer nur um Verzweiflung, mir ging es dabei immer um Ehrlichkeit. Die dunkelsten Momente in unseren Leben sind häufig die, die am ehesten enthüllen, wer wir wirklich sind.“
Endlich normale Leute
Die anstehende Veröffentlichung brachte die Esten auch auf das legendäre Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Die Frage, was das WGT jedes Jahr zu etwas so besonderem macht, beantwortet Darling so: „Das WGT ist einer von diesen seltenen Orten, an denen die Leute aufhören so zu tun als wären sie normal. Für ein paar Tage werden die Außenseiter die Mehrheit und der Rest der Welt wirkt komisch. Wir haben schon viele Festivals gespielt, aber das WGT hat seine ganz eigene Atmosphäre. Es fühlt sich weniger wie ein Event an und mehr wie eine vorübergehende Stadt, gebaut um eine geteilte Obsession mit Musik, Kunst und wunderschöner Dunkelheit. Wir hatten eine fantastische Zeit und haben genau das bekommen, was sich jede Band wünscht – eine echte Verbindung, anstatt passivem Konsum.
Michael Schille
Line-up:
Dmitry Darling – Gesang, Keyboards
Art – Gitarre
Tanel Könd – Bass
Stanislav Lint – Schlagzeug
Sieh Dir das Video zu „Death Bloom“ an:
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