ANTIAGE im Interview (2/2)

Photo: QASOT

Wir sprechen mit ANTIAGE in unserem zweiteiligen Interview über die jüngste Single „Zenith of Decay“ und diesen gewissen optischen Touch. Du hast Teil 1 verpasst? Kein Problem, Du kannst ihn hier nachlesen.

Orkus: Wie würdet ihr die Frage nach dem Höhepunkt des Verfalls, den das lyrische Ich ja kaum erwarten kann, beantworten?
ANTIAGE: Das ist tatsächlich eine Frage, die wir nur ungern abschließend beantworten. Natürlich entstehen unsere Texte nie zufällig und hinter ihnen steckt immer eine konkrete Intention. Gleichzeitig finden wir aber, dass ein Song in dem Moment, in dem er veröffentlicht wird, nicht mehr allein uns gehört. Ein großer Teil der Faszination von Musik liegt für uns darin, dass verschiedene Menschen dieselben Zeilen hören und darin völlig unterschiedliche Dinge entdecken. Manchmal entstehen dabei Interpretationen, die wir selbst nie beabsichtigt haben und genau das finden wir spannend. Deshalb würden wir nur ungern festlegen, was der Höhepunkt des Verfalls in diesem Song ganz konkret bedeutet. Wir glauben, dass Musik ihren Zauber teilweise verliert, wenn man jede Zeile bis ins Detail erklärt. Uns gefällt der Gedanke besser, dass jeder Hörer diese Frage für sich selbst beantwortet.

O: Das Video dazu ist im „Handyformat“ gedreht worden, was natürlich besonders auffällt. Was war die Idee dahinter?
ANTIAGE: Natürlich spielt dabei auch eine pragmatische Überlegung eine Rolle. Die digitale Welt findet heute zu einem großen Teil im 9:16-Format statt und dem kann man sich als Band kaum komplett entziehen. Spannend fanden wir aber vor allem den Widerspruch dahinter. „Zenith of Decay“ beschäftigt sich unter anderem mit Themen wie Reizüberflutung, Eskalation und der ständigen Suche nach dem nächsten stärkeren Impuls. Gleichzeitig ist das Hochformat heute das Format von Reels, Shorts und TikToks, also genau jener digitalen Welt, die solche Mechanismen permanent befeuert. Diesen Widerspruch fanden wir reizvoll. Deshalb wollten wir kein klassisches Hochglanz-Musikvideo drehen, sondern etwas Rohes, Direktes und Unmittelbares. Gefilmt mit dem Handy, mit verwackelten Bildern, einem leicht nostalgischen Look und trotzdem ganz im visuellen Zeitgeist des Jahres 2026.

O: Der Drehort war ein Badezimmer? Erzählt doch bitte mal.
ANTIAGE: Da gab es tatsächlich mehrere Gründe. Zum einen wollten wir bewusst ein No-Budget-Video drehen. Kein teures Equipment, keine spektakuläre Location und kein Hochglanz-Look. Das Video sollte roh, direkt und ein bisschen seltsam wirken. Zum anderen fanden wir den Gedanken lustig, ein Konzept völlig zu überspitzen. Früher gehörten Kloselfies auf Partys irgendwie zum guten Ton. Wir haben uns dann gedacht: Warum dort aufhören? Wenn man schon Kloselfies machen kann, warum dann nicht gleich ein komplettes Musikvideo im Badezimmer drehen? Irgendwo zwischen Clubtoilette, Fliesenzimmer und Reizüberflutung entstand daraus dann eine Ästhetik, die erstaunlich gut zu „Zenith of Decay“ gepasst hat.

O: Auch live habt ihr euch stets weiterentwickelt, mit ganz eigenem optischen Touch. Habt ihr eure eigenen Kunstfiguren erschaffen?
ANTIAGE: Das Konzept war von Anfang an Teil der Band. Uns war schon bei der Gründung klar, dass ANTIAGE nicht nur über Musik funktionieren soll, sondern immer auch eine visuelle Ebene haben wird. Deshalb gehörten Bühnenoutfits, Showelemente und verschiedene Kunstfiguren von Beginn an zum Gesamtbild. Natürlich entwickelt sich das mit der Zeit weiter. Neue Ideen kommen hinzu, bestehende Konzepte werden verfeinert und manches lässt sich heute umsetzen, wovon wir anfangs nur eine grobe Vorstellung hatten. Wir verstehen ANTIAGE als Gesamtkunstwerk. Ein Konzert soll nicht nur musikalisch funktionieren, sondern auch visuell und atmosphärisch. In gewisser Weise ist jede Show deshalb auch ein kleines Stück Theater. Dieser Gedanke begleitet uns seit dem ersten Tag und entwickelt sich mit jeder Veröffentlichung und jeder Show weiter.

O: Ist „Zenith of Decay“ auch schon ein Vorbote auf das kommende Studioalbum? Was könnt und dürft ihr darüber bereits verraten?
ANTIAGE: Wer unser Debütalbum „Aphrodisiac Odyssey“ kennt, weiß, dass wir uns stilistisch nie allzu enge Grenzen gesetzt haben. Dort finden sich sehr unterschiedliche Einflüsse und Stimmungen und genau diese Offenheit wird auch das zweite Album prägen. „Zenith of Decay“ ist deshalb durchaus ein Vorbote, aber eben nur einer von mehreren. Die nächste Single wird wahrscheinlich einen ganz anderen Charakter haben. Wir finden es spannend, wenn ein neuer ANTIAGE-Song nicht einfach das wiederholt, was man bereits kennt. Deshalb lohnt es sich immer, neugierig zu bleiben, weil man nie genau weiß, was einen als Nächstes erwartet. Ansonsten werden wir in den kommenden Monaten Schritt für Schritt weitere Songs veröffentlichen und damit nach und nach den Weg zum zweiten Album ebnen.

O: Wie sehen die weiteren nahen Zukunftspläne von ANTIAGE aus?
ANTIAGE: Im Mittelpunkt stehen aktuell ganz klar neue Songs und natürlich das kommende Album. In den nächsten Monaten werden wir nach und nach weitere Stücke veröffentlichen und damit den Weg zum zweiten Album ebnen. Darüber hinaus hoffen wir natürlich, die neuen Songs auch möglichst bald wieder auf die Bühne bringen zu können. Ansonsten sind wir gespannt, welche Türen sich auf dem Weg noch öffnen werden. Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass die interessantesten Entwicklungen oft die sind, mit denen man vorher gar nicht gerechnet hat.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Kaa Soleil – Gesang, Lyrics
Finton Connedy – Gitarre, Klavier, Hintergrundgesang
VetoLestard – Keyboard, Hintergrundgesang
Jodian Danage – Schlagzeug

Sieh Dir das Video zu „Zenith of Decay“ an:

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