CUMULO NIMBUS im Interview (2/2)

Seit 25 Jahren verbinden Cumulo Nimbus historische Klänge mit kraftvollem Rock. Nach einer längeren Pause meldet sich die Band mit „Eruption“ voller Energie zurück – und zeigt dabei einmal mehr, dass Renaissance und Achtzigerjahre-Metal durchaus zusammenpassen. In unserem zweiteiligen Interview geht es um Gewitterwolken, Aufbruchsstimmung, einen Antikriegssong und die besondere Bedeutung der Renaissance für den eigenen Sound. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.

Orkus: Mit „No Holding Back“ findet sich auch ein englischsprachiger Song auf dem Album. Wie ist das „passiert“ und wonach entscheidet ihr, in welcher Sprache getextet wird?
Doro: Jede Sprache fühlt sich ja anders an und kann unterschiedliche Inhalte verschieden gut transportieren. „No Holding Back“ spielt auf einer heckenbewachsenen Wiese, vielleicht im englischen Cornwall, nahe der Küste, vielleicht an einem Flusstal, Steinmauern, Stoppelfeld… Liebesromantik pur. Ernstere Themen hingegen werden eher in Deutsch verfasst (z. B. „Vogelscheuche“). Die meisten Texte schreibt Mathis. Je nachdem welche Muse ihn küsst, wird es eben Deutsch oder Englisch. 
Die Gräfin: Zu der Stimmung und dem Inhalt passte englisch einfach deutlich besser. Grundsätzlich schreiben wir aber mehr auf Deutsch. 

O: Ein sehr starker Song ist „Pfau“. Gibt es eine Geschichte dahinter?
Die Gräfin: Ich bin ein großer Pfauenfan, hatte auch einige Jahre welche als Haustiere. Später kam dann ein großes Pfauentattoo dazu. Als wir nach der Pause wieder anfingen, fand der Pfau schnell seinen Weg in unser neues Konzept, sowohl im Banner, als auch in meinen Outfits. Da war nur logisch, dass auch ein Song das Thema aufgreifen sollte. Ich habe das wunderschöne Gedicht von Gottfried Keller „Der Pfau“ aufgegriffen und weiterentwickelt. Die Idee den Pfau als Zeitenwächter zu betrachten, der durch das Schlagen seines Rades Tag und Nacht bestimmt, fand ich sehr spannend.

O: Besonders bewegend ist „Engel“. Wie ist dieses Stück entstanden? 
Die Gräfin: „Engel“ entstand, nachdem ich das Buch „Schutzengel“ von Paulo Coelho gelesen hatte. Es handelt von einem Paar, das sich auf eine spirituelle Reise begibt, um ihren Schutzengeln zu begegnen. Die Idee hat mich total fasziniert und beschäftigt. Daraus entwickelte sich die Songidee.

O: Eure Musik wird häufig als Renaissance Metal oder Renaissance Rock bezeichnet. Ihr selbst betont aber, dass eure Wurzeln stärker in der Renaissance als im klassischen Mittelalter liegen. Was bedeutet „Renaissance“ für euch musikalisch – und was wird dabei häufig falsch verstanden?
Mathis: In der Renaissance wurde Mehrstimmigkeit und damit die Musik, wie wir sie heute kennen, erst populär. Drei- bis vierstimmige Gesangssätze und der „Broken-Consort“ mit vielen unterschiedlichen Instrumenten und eigener Stimmführung kamen hier erst in Mode. Es herrschte überall Aufbruchsstimmung und eine lebensbejahende Attitüde. Außerdem wurde nun der weltlichen Musik viel mehr Aufmerksamkeit beigemessen und überliefert. Bei Cumulo Nimbus hat bei uns der Begriff „Renaissance“ eine mehrfache Bedeutung: Wie damals in der Renaissance eine Rückbesinnung auf die Blüte und den Fortschritt der römischen und v. a. der griechischen Antike stattfand und ein schon einem fast aufklärerischen und fortschrittlichen Weltbild nachgeeifert wurde, besinnen wir uns auf die ausgeklügelte kontrapunktische Musik der Renaissance zurück in Verbindung mit der Wiederbelebung des Achtzigerjahre Heavy-Metals! Mit unseren historischen Instrumenten werden wir da natürlich in die musikalische Schublade „Mittelalterrock“ gesteckt. Streng genommen ein Fehler, aber wir hoffen, man versteht uns richtig. (zwinkert)

Claudia Zinn-Zinnenburg

Wir setzen in Kürze unser Interview fort. Mehr über Cumulo Nimbus erfährst Du in unserer Oktober/November-Ausgabe.

Orkus! 0926

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