DROWNING LIGHT im Interview (1/2)

Die Regensburger Dark-Rock-Band Drowning Light begeistert nach der selbstbetitelten EP (2023) mit weiteren Singleveröffentlichungen. Hier erfahrt ihr etwa, was bei der Single „Crimson Stains“ eigentlich nicht so ganz der Plan war …
Orkus: Die Drowning-Light-Single „Crimson Stains“ schlägt nach stimmungsvoller Einleitung auch kantigere Töne an, die Vorgängersingle „Fear of the Deep“ geht mit unentrinnbarer Dynamik ins Ohr (sowie Mark und Bein): Was war eure Herangehensweise beim Gestalten dieser intensiven Arrangements?
Marius: Wie meistens entstand zuerst die Musik, was bei „Crimson Stains“ mit dem verzerrten Mainriff begonnen hat. Schnell kam für mich der restliche Ablauf des Songs dazu, wobei erstmals auch Basti in den Songwritingprozess mit eingegriffen hat, indem er jenes Mainriff erweitert und die ruhigere Akkordfolge im Intro erfunden hat. „Fear of the Deep“ hingegen baute von Anfang an auf der außergewöhnlichen Harmonik eines sogenannten „chromatic mediants“ auf, der in allen Teilen bis auf den Chorus in verschiedenen Weisen vorkommt. Nachdem ich also den grundlegenden Song mit Akkorden und Ablauf geschrieben hatte, konnte jedes Bandmitglied seinen jeweils eigenen Teil ausarbeiten und arrangieren. Die Texte kommen bei mir immer ganz zum Schluss und orientieren sich an der Stimmung des entsprechenden Songs, so verlangte „Fear of the Deep“ einen eher düster-atmosphärischen Text, während „Crimson Stains“ nach etwas offensiverem, fast schon politischem Lyric-Material klang.
O: Du hast es schon angesprochen: Während das fantastische „Fear of the Deep“ Inspiration aus „The Shadow over Innsmouth” von H. P. Lovecraft zog, liegt „Crimson Stains“ der Realität näher und lässt auch an historische und zeitgenössische Begebenheiten denken. Auch dessen literarische Bezugspunkte, „The Handmaid’s Tale“ (Margaret Atwood) und „1984“ (George Orwell), scheinen aktueller denn je. Worin liegen die Wurzeln dieser Auseinandersetzung? Hat Musik als Kunstform das Potenzial, die Aufgabe oder den netten Nebeneffekt etc., einem „head down not a word“, wie es im Text zu „Crimson Stains“ vorkommt, entgegenzuwirken?
Marius: Obwohl wir mit Drowning Light den Hörern eher einen gewissen Eskapismus aus dem Alltag und der Realität liefern möchten, gehen die aktuellen sozialen und politischen Geschehnisse natürlich nicht spurlos an uns vorbei. Deswegen war es für mich unausweichlich, einiges davon im Text von „Crimson Stains“ zu verarbeiten. Allerdings wollte ich die Themen anhand einer eigenen kleinen Horrorstory sowie durch Metaphern und Referenzen von „The Handmaid’s Tale“ und „1984“ erzählen und somit alles vergleichsweise subtil verpacken und nicht einen zu offensichtlichen „Fuck-this-person-Song“ schreiben. Also ja, Musik hat durchaus die Aufgabe, auf Missstände hinzuweisen, jedoch auch eine Fluchtmöglichkeit für diejenigen, die es brauchen, zu erschaffen.
O: Gab es während des Schreibprozesses je einen Moment, der sich etwas „cursed“, aber unentrinnbar anfühlte, etwa wie, wenn es im Text zu „Fear of the Deep“ neben dem „cursed blood“ heißt: „I have this fatal craving for swimming out to sea“?
Marius: Etwas „cursed“ war für mich anfangs, dass der Text von „Crimson Stains“ für unsere Verhältnisse ziemlich politisch wurde, was eigentlich nicht der Plan war. Doch alles andere erschien mir nicht so richtig passend für diesen Song, was letztendlich zu einer super Gelegenheit wurde, andere literarische Einflüsse einzubringen, die nicht dem Horror-Genre zuzuordnen sind.
Nachdem hier bereits von Eskapismus und Flucht die Rede war, finden im zweiten Teil auch Ausbruch und Ausblick in die Zukunft Erwähnung. Rot wird zu einem Hauptakteur, es gibt blutige Spuren und wir erfahren, was früher oder später einfach geschehen musste …
Martina Wutscher
Line-up:
Marius Häberlein – Gesang, Gitarre
Stefan „Steve“ Knorr – Gitarre
Bastian „Basti“ Nagl – Bass, Hintergrundgesang
Cindy Gnann – Schlagzeug
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