ANTIAGE im Interview (1/2)

Photo: QASOT

Wir sprechen mit ANTIAGE in unserem zweiteiligen Interview über die jüngste Single „Zenith of Decay“ und Musik als Jungbrunnen.

Orkus: Fangen wir doch am Anfang an. Wie (und wann) kam es zur Gründung von ANTIAGE?
ANTIAGE: Wir drei Gründungsmitglieder, Finton, Veto und Kaa, waren bereits seit vielen Jahren auf unterschiedliche Weise musikalisch aktiv. Ende 2019 standen wir allerdings alle an einem ähnlichen Punkt: Entweder haben wir gerade kein aktives Bandprojekt oder waren mit dem, was wir machten, nicht mehr wirklich zufrieden. Die Idee, irgendwann einmal gemeinsam Musik zu machen, schwebte schon länger im Raum. Im Dezember 2019 haben wir uns dann einfach zusammengesetzt und geschaut, was passiert. Aus einem lockeren Versuch wurde sehr schnell echte Begeisterung. Schon nach den ersten gemeinsamen Sessions hatten wir das Gefühl, dass hier etwas entsteht, das anders ist als alles, was wir zuvor gemacht haben.

O: Was hat es mit dem Namen auf sich? Steckt dahinter schon ein Statement?
ANTIAGE: Irgendwie schon. Auf der einen Seite steht ANTIAGE für die Rolle, die Musik für uns spielt. Musik ist für uns ein Jungbrunnen, unabhängig vom tatsächlichen Alter. Sie hält neugierig, kreativ und in Bewegung. Auf der anderen Seite passt der Name auch deshalb gut zu uns, weil wir musikalisch in ganz unterschiedlichen Jahrzehnten sozialisiert wurden. Jeder bringt andere Einflüsse, Referenzen und Perspektiven mit. Vielleicht ist gerade diese Mischung ein wichtiger Teil dessen, was ANTIAGE ausmacht. Insofern steckt im Namen durchaus auch ein kleines Statement.

O: Seit eurem Debütalbum „Aphrodisiac Odyssey“ ist viel passiert, v. a. nachdem ihr den Newcomer-Contest beim M’era Luna gewonnen habt, habt ihr bereits auf diversen Festivals von eurer Musik überzeugen können. Wie würdet ihr die letzten drei Jahre kurz Revue passieren lassen? Was waren ganz besondere Highlights?
ANTIAGE: Es ist in den letzten drei Jahren tatsächlich so viel passiert, dass es manchmal noch immer etwas surreal wirkt. Die größten Highlights waren ohne Frage die Shows auf den großen Festivalbühnen. An erster Stelle steht natürlich unser Auftritt auf der Main Stage des M’era-Luna-Festivals. Ein weiterer Meilenstein war unsere erste Auslandsshow beim Summerside Festival in der Schweiz. Solche Momente vergisst man nicht so schnell. Wenn man plötzlich den eigenen Bandnamen auf einem Festivalplakat neben Künstlern wie Billy Idol oder Ville Valo liest, fühlt sich das immer noch ein wenig unwirklich an. Generell sind wir sehr dankbar für die vielen Erfahrungen, die wir in dieser vergleichsweise kurzen Zeit sammeln durften. Wenn wir auf die letzten drei Jahre zurückblicken, sehen wir vor allem, dass sich Beharrlichkeit, Eigenständigkeit und viel Arbeit am Ende auszahlen können.

O: Stillstand ist für ANTIAGE nie eine Option gewesen. Während euer erstes Album mehr in Richtung Synthpop ging, orientiert sich die jüngste Single „Zenith of Decay“ musikalisch eher in Richtung Synth-Rock mit einem Hauch Avantgarde. Wie ist das „passiert“?
ANTIAGE: Das eine schließt das andere bei uns nicht aus. Auf unserem Debütalbum gab es zwar einige sehr synthpoplastige Songs, gleichzeitig aber auch deutlich gitarrenorientierte Stücke, die musikalisch gar nicht so weit von „Zenith of Decay“ entfernt sind. Insofern ist diese Entwicklung für uns kein Bruch, sondern eher eine konsequente Fortsetzung dessen, was von Anfang an Teil von ANTIAGE war. Dass „Zenith of Decay“ etwas organischer und unmittelbarer klingt, hat sicherlich mehrere Gründe. Ein wichtiger Faktor ist der Einstieg unseres Drummers Jodian Danage, der neue Impulse eingebracht hat. Gleichzeitig haben wir dieses Mal mit einem Produzenten im Studio gearbeitet, was den Songs noch einmal eine andere Dynamik und Tiefe verliehen hat. Grundsätzlich haben wir aber nie das Bedürfnis verspürt, uns auf einen bestimmten Stil festzulegen. Wenn uns ein Song überzeugt, dann darf er Synthpop, Rock, Avantgarde oder etwas dazwischen sein. Diese Offenheit war schon auf dem ersten Album da und wird auch die zukünftigen Veröffentlichungen prägen.

O: Wie können wir uns überhaupt die Entstehung von „Zenith of Decay“ vorstellen?
ANTIAGE: Die Initialzündung für einen ANTIAGE-Song kann ganz unterschiedlich aussehen. Im Fall von „Zenith of Decay“ war es die Idee, einmal einen Song mit einem treibenden Beat à la DAF zu schreiben, ohne dabei einen DAF-Song schreiben zu wollen. Das war der Ausgangspunkt. Von dort aus entwickelt sich bei uns aber vieles sehr organisch. Oft geht man mit einer konkreten Vorstellung in einen Song hinein und landet am Ende an einem ganz anderen Ort. Als dann die Basslinie dazu kam, begann der Song langsam eine eigene Identität zu entwickeln. Plötzlich war klar, dass daraus keine bloße musikalische Fingerübung wird, sondern etwas Eigenständiges. Genau das mögen wir am Songwriting. Man setzt einen ersten Impuls und irgendwann übernimmt der Song selbst die Regie. „Zenith of Decay“ ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel.

O: Wie kam es zu der Thematik, dem Höhepunkt des Verfalls?
ANTIAGE: Die Thematik entstand eigentlich recht früh während des Schreibprozesses. Durch den treibenden Charakter des Songs entstand schnell das Bild einer Person, die immer weiter nach dem nächsten Kick sucht. Mehr Intensität, mehr Exzess, mehr Reiz. Nicht unbedingt, weil sie etwas Bestimmtes erreichen will, sondern weil Stillstand gar keine Option mehr ist. Uns faszinierte dabei die Vorstellung, dass man irgendwann einen Punkt erreichen könnte, an dem die Steigerung selbst zum Selbstzweck wird. Man weiß vielleicht längst, dass man sich auf einen Abgrund zubewegt, geht aber trotzdem weiter. Genau aus diesem Gedanken heraus entstand der Titel „Zenith of Decay“. Der Höhepunkt wird erreicht, aber gleichzeitig beginnt oder vollendet sich der Verfall. Wir mögen solche Widersprüche. Einerseits wirkt der Titel fast triumphierend, andererseits beschreibt er etwas, das eigentlich nichts Feierliches an sich hat. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Song.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Kaa Soleil – Gesang, Lyrics
Finton Connedy – Gitarre, Klavier, Hintergrundgesang
VetoLestard – Keyboard, Hintergrundgesang
Jodian Danage – Schlagzeug

Wir setzen unser Interview demnächst fort.

Sieh Dir das Video zu „Zenith of Decay“ an:

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