So war es bei ASP

Hamburg, Friedrich-Ebert-Halle am 22. Mai 2025
ASP – „Dunkelromantische Mainächte“
„Wer singt, der schenkt etwas von sich her. Beim Singen kann man nicht lügen. Beim Singen ist man ganz für sich – und für die anderen.“ – Asp
Das Flüstern der Nacht
Wenn ein Flüstern durch die Schatten weht und schwarze Herzen im Einklang schlagen, dann weißt Du: ASP haben gerufen. Und wenn ASP rufen, antwortet die Dunkelheit. Asp ist der Meister des Düsteren: Seine Lieder sind epische Erzählungen, seine Texte dichterisch und immer bildgewaltig mit mitreißenden Melodien, ohne sich zu scheuen, einmal alle Erwartungen umzudrehen. Er weiß, was die Fans wollen – und serviert düstere tiefsinnige Poesie und die Fähigkeit, das Unaussprechliche in klingende Zeilen zu fassen. Seine Werke sind Geschichten, seine Auftritte Erzählungen in Klang und Körper. Gerade dieser Kontrast zwischen dunklem Pathos und augenzwinkernder Lebensfreude machten ASP so einzigartig. Ein leuchtendes Zeichen für alle, die sich nie so ganz in den Rahmen des Mainstreams pressen lassen wollten – oder konnten.
Dunkelromantische Mainächte
Es gibt Konzerte, die man besucht – und es gibt Abende wie diesen, die einen besuchen. Am 22. Mai 2025 wurde die Hamburger Friedrich-Ebert-Halle zum Herzstück der schwarzen Szene. ASP lud ein zu den Dunkelromantischen Mainächten, und wer dort war, weiß: Es war weit mehr als nur ein Konzert. Es war ein schwarzes Bekenntnis. Ein Ritual. Eine Einladung, sich für einen Abend aus dem grellen Lärm der Welt zurückzuziehen – hinein in den Sog aus Tiefe, Dichtung und Dunkelheit.
Aber was genau steckt hinter den „Dunkelromantischen Mainächten“? Im Grunde sind sie eine Liebeserklärung an die intime Seite der Dark-Romantik. Asp hat sich für diese Konzertreihe bewusst für ein reduziertes, fast schon kammermusikalisches Konzept entschieden. Alles ist „unplugged“ gehalten – keine pompösen Lasershows, sondern Lichtkegel und Schatten, sanfte Akustikgitarren, klassische Instrumente und manchmal nur Flüstern statt lautes Stimmaufbegehren. Sie sind intimer als Festivalauftritte, dramatischer als Clubshows und doch voller Nähe. Jedes Lied bekommt so die Chance, intim auf das Publikum einzuwirken.
Zwischen Schatten, Saiten und Seelenfeuer
Gleich bei der ersten Note von „Beschwörung“ wurde der erste Schleier gelüftet – düster, langsam, eindringlich. Mit dieser Eröffnung hätte selbst die dunkelste Seele Freude empfunden. Asp, der wie immer charismatische Frontmann, begrüßte das Publikum mit einem schelmischen Lächeln – ein letztes Versprechen, dass heute noch einige Überraschungen folgen würden. Spätestens mit dem nachfolgenden „20.000 Meilen“ war klar: Die Reise geht tief. Und weit. Von dort aus folgte ein wilder, wunderschöner Ritt durch eine düster-romantische Diskografie, wie sie nur ASP zustande bringen. „Bernsteinmeerengel“, „Abertausend Fragen“, das melancholisch-glänzende „Schwarzer Schmetterling“ – jedes Lied ein Kapitel im kollektiven Tagebuch der schwarzen Szene.
Und doch war der Abend nicht nur musikalisch bemerkenswert – Asp selbst war in Bestform. Charmant, selbstironisch, wortgewandt wie eh und je, durchbrach er regelmäßig die Bühnenvorderwand, um mit seinem Publikum auf Augenhöhe zu kommunizieren. Mit einem Augenzwinkern erklärte er bereits früh: „Zwischen den Songs muss ich euch ein bisschen hören, denn es ist so andächtig hier, so dass ich denke, hoffentlich mögen die das!“ (Begeisterter Jubel folgte) Oder sein legendäres Tattoo-Geständnis: „Bei der letzten Tour gab es ein Spiel. Wenn das Publikum bei einem Lied richtig mitmacht, bekommt ein gewisser älterer Herr – also ich – sein allererstes Tattoo. Ich habe lange überlegt, ob mir nicht ein Sportwagen lieber gewesen wäre … aber da ich keinen Führerschein habe, wurde es das Tattoo.“ (Rufe aus dem Publikum: „Zeigen!“) – „Wette gewonnen! Ich wusste, das wird der erste Zwischenruf. Und jetzt – nein, es ist kein Arschgeweih. Auch kein Einhorn. Sondern ein Unendlich-Zeichen mit dem Schriftzug ‚Fremd‘.“ Die Menge tobte. Auch, als er süffisant hinzufügte: „Ihr seid wirklich die einzigen Menschen, weswegen wir uns nochmal auf ein Schulgelände trauen.“ (Die Friedrich-Ebert-Halle befindet sich auf einem Schulgelände)
Wenn Musik Flammen fängt – Premieren und Gänsehautmomente
Insgesamt wurden 20 Stücke gespielt – ein fein kuratiertes Set zwischen tiefen Wurzeln und neuen Flügeln. Besonders bemerkenswert: die Live-Premieren. „Alles, nur das nicht“, zum allerersten Mal auf der Bühne, entfesselte eine Mischung aus Verwunderung, Faszination und schierer Hingabe. Dunkel pulsierend, direkt und dennoch voller Zwischenzeilen – ein Highlight des Abends. Auch die zweite Premiere ließ die schwarzen Herzen höherschlagen: Als letzte Zugabe wurde „Höllenfahrt“ erstmals vor Publikum vorgetragen. Ein Song, der weniger ein Track, als vielmehr ein dramatisches Manifest ist. Düster, wuchtig, schneidend – und von Asp mit einem Blick präsentiert, der einem noch lange im Gedächtnis bleibt.
Natürlich fehlten auch die Klassiker nicht: Das wütend-schöne „Ich, der Teufel und du“, das poetische „Tintakel“, das geheimnisvolle „Sandmann GmbH & Compagnie“, das atmosphärische „Stille der Nacht“ und das bildgewaltige „Krabat“. In der Zugabe dann der Gänsehaut-Garant schlechthin: „Ich will brennen“, diesmal in einer Ensemble-Fassung – eindringlicher, wuchtiger, emotionaler als je zuvor. Ein musikalischer Flammensturm.
Pause mit Bedeutung – und eine Szene, die miteinander atmet
Nach der ersten Hälfte gab es eine 25-minütige Pause – selten war sie so verdient. Und selten fühlte sich eine Unterbrechung so an, als hätte man gemeinsam einen Roman gelesen und müsste kurz durchatmen, bevor das Finale beginnt. Hier zeigte sich, was die schwarze Szene ausmacht: Gespräche auf Augenhöhe, Begegnungen ohne Masken, Lachen im Schatten. Die „Dunkelromantischen Mainächte“ sind nicht nur ASPs Bühne – sie sind ein Treffpunkt, ein Zuhause.
Ein Abend wie ein dunkles Gedicht
Was bleibt von diesem Abend? Gänsehaut. Dankbarkeit. Und dieses leise, zarte Gefühl, dass man gesehen wurde – nicht nur als Konzertbesucher, sondern als Mensch, mit all seinen Facetten. ASP liefern keine flüchtige Unterhaltung. Sie schenken Tiefe. Sie schenken Geschichten, Räume, Zwischenwelten. Denn in einer Welt, die oft zu grell ist, braucht es Orte wie diese, an denen wir gemeinsam die Schatten feiern dürfen. Die „Dunkelromantischen Mainächte“ mögen nur ein Kapitel sein – aber was sie entzündet haben, bleibt.
Setlist:
„Beschwörung“ • „20.000 Meilen“ • „Bernsteinmeerengel“ • „Abertausend Fragen“ • „Schwarzer Schmetterling“ • „Duett (Minnelied der Incubi)“ • „Me“ • „Tintakel“ • „Alles, nur das nicht“ • „Ich, der Teufel und du“ (Pause 25 Min.) • „Carpe Noctem“ • „Sandmann GmbH & Compagnie“ • „Stille der Nacht“ • „Krabat“ • „Wechselbalg“ • „Seerosenblüten von einst“ • „Werben“ • „Unverwandt“ ••• „Ich will brennen“ • „Höllenfahrt“
Text & Photos: Thomas Friedel Fuhrmann
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