ATHAMAY im Interview (1/2)

Wir sprechen mit Athamay in unserem zweiteiligen Interview über ihr viertes Album „Necropolis“, in dem es um viel mehr geht als nur den Tod.

Jenseits & einst

Als kraftvolle Metapher beziehe sich der Titel nicht nur auf Tod, „sondern eine ganze ‚Zivilisation toter Dinge‘ – Erinnerungen, Beziehungen, Ideale, oder sogar ein innerer emotionaler Zustand.“ Marlen spricht dazu über Immigration: Nach ein paar Jahren beginne man sich zu fühlen, als gehöre man nirgendwo mehr wirklich hin. „Du kehrst nach Hause zurück, nur um zu realisieren, dass sich alles geändert hat. Der Ort, an dem du aufgewachsen bist, fühlt sich nicht mehr vertraut an, fast als ob er nur als Erinnerung existiert.“ An diese Empfindung erinnert sie „Necropolis“: „nicht nur Tod, sondern die heimsuchenden Überreste eines vergangenen Lebens; eine Heimat, die physisch noch existiert, sich dennoch emotional unerreichbar anfühlt, wie eine Stadt von Geistern innerhalb deiner eigenen Erinnerung.“

Lebendig

Sean erzählt auch davon, wie manche Inspirationsquellen ein eigenes Leben entwickeln: „Auf manche Weisen kontrolliert mich der Song, wenn er sich entwickelt, als ob er bereits weiß, wie er am Ende sein wird.“ Neben den Eigenkompositionen gibt es zwei Cover. Dabei stand weniger im Vordergrund, den Originalen möglichst nahe zu kommen, sondern sie zu Athamay-Tracks zu machen, „zu versuchen, dass sie zu dem ‚Fetish-/Dance-Floor-Feel‘ passen.“ Beim Original von „Master and Servant“ wurden Depeche Mode gerüchteweise durchaus kreativ beim Gestalten der Sounds. Bei Athamay nutzt man u. a. die „übliche Industrial-Herangehensweise“, viele Samples metallischer Objekte, die geschlagen werden. „Wir verwendeten auch Samples von Peitschen und Ketten in manchen Songs.“ Einzigartig ist, dass man zu Beginn von „Children of the Dead Gods“ die Stimme von Marlens Tochter hört.

Bedeutend

Als Marlen ihre Tochter fragte, ob sie ein paar Schreie für den Track beitragen könnte, stimmte sie gerne zu. Marlen redet auch über den Kontrast zur dunklen Atmosphäre des Stücks. Die Lyrics gehen auf ein ursprünglich auf Griechisch verfasstes Gedicht zurück. Sie reflektiert den Gedanken, dass wir alle „Kinder toter Götter“ sind – „Leute suchen nach Sinn, während sie langsam aus dem Blick verlieren, was im Leben wirklich Bedeutung hat. Wir machen Pläne, jagen Ambitionen nach und leben so, als ob wir von Dauer wären, jedoch passieren wir diese Welt in Wirklichkeit nur. Gleichzeitig spricht das Gedicht darüber, wie leicht wir vergessen, flüchtige Momente zu schätzen, wie wir Liebe vernachlässigen und wie wir in unseren eigenen Gedanken gefangen werden. Metaphorisch ist es, wie in einem endlosen Ozean verloren zu sein, der uns langsam fortschwemmt, gegen die Felsen schmettert, wieder und wieder, bis wir uns selbst nicht mehr erkennen.“

Martina Wutscher

Line-up:
Sean Athamay – Komposition, Synthesizer, Gitarre, Programming
Marlen Moysidou – Gesang

Höre den Teaser zu „Echoes in Necropolis“ hier:

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