BEAT NOIR DELUXE im Interview (2/2)

Mit „Tempus Fugit“ veröffentlichen Beat Noir Deluxe ihr drittes Album. Wir sprechen mit Sascha Giacomuzzi in unserem zweiteiligen Interview über das Spiel mit Kontrasten, einem Dämon namens Einsamkeit und Luftschlösser. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, Du kannst ihn hier nachlesen.
Orkus: Wie persönlich sind deine Lyrics? Fällt es dir schwer, dich auf diese Art und Weise zu offenbaren? Oder ist das Gegenteil der Fall? Hilft es dir?
Sascha Giacomuzzi: Das ist sehr unterschiedlich. Manche Songs sind sehr persönlich und spiegeln eigene Erfahrungen wider. Andere basieren eher auf Konzepten und Themen, die mich beschäftigen oder faszinieren. Dann gibt es auch Tracks, die stärker aus einer Stimmung heraus entstehen – aus dem Zusammenspiel von Musik und Emotion, ohne dass von Anfang an ein klares Thema feststeht. Letztlich ist für mich entscheidend, dass der Text für mich Sinn ergibt und sich organisch in die Musik einfügt. Genau diese Verbindung ist für mich der Schlüsselpunkt.
O: In „The Sound of Loneliness“ kommen die Dämonen zurück nach Hause. Mit welchen Dämonen kämpfst du in der Einsamkeit?
SG: Einsamkeit ist oft der Moment, in dem Dinge hochkommen, die im Alltag keinen Platz haben. Zweifel, Ängste, alte Gedankenmuster. Darum geht es in dem Song. Ich glaube, jeder hat seine eigenen „Dämonen“ – für mich sind es vor allem diese inneren Stimmen, die einen hinterfragen oder blockieren können.
O: Es gibt ja verschiedene Arten von Einsamkeit. Durchaus eine erholsame, angenehme – aber dann eben auch die Art, bei der man darunter leidet. Wie ist deine Einstellung zur Einsamkeit?
SG: Einsamkeit hat für mich zwei Seiten. Es gibt die bewusste, positive Form – Rückzug, Ruhe, Raum für Kreativität. Und dann gibt es die belastende Einsamkeit, in der man sich abgeschnitten fühlt. Entscheidend ist, ob man sie selbst wählt oder ob sie sich aufdrängt.
O: Bewegend ist auch „What Can I Do“, womit sich auch sicher viele Menschen identifizieren können. Wie entstand dieser Song?
SG: Der Song ist aus einem sehr persönlichen Gefühl der Hilflosigkeit heraus entstanden – aus Momenten, in denen man das Gefühl hat, keinen Einfluss mehr zu haben. Genau deshalb können sich viele Menschen damit identifizieren.
O: Eine weitere Facette von Beat Noir Deluxe zeigst du in „Pretty Privilege“, indem du den Zeitgeist aufgreifst. Hast du die Erfahrung gemacht, dass es dieses „Pretty Privilege“ tatsächlich gibt? Und was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
SG: Die Idee entstand nach einer Dokumentation zu diesem Thema. „Pretty Privilege“ beschreibt den Effekt, dass attraktiv wahrgenommene Menschen im Alltag oft unbewusst bevorzugt werden – sei es durch Aufmerksamkeit, Sympathie oder bessere Chancen. Gleichzeitig zeigt es sehr deutlich, wie stark unser Denken von äußeren Faktoren beeinflusst ist – oft ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen.
O: Das Album endet verträumt mit „Castles in the Sky“. Warum war es dir wichtig, einen doch positiven Abschluss ins Album zu bringen?
SG: Ich war mir lange unsicher, ob der Song überhaupt auf das Album sollte. Mit etwas Abstand wirkt er sogar fast zu verträumt oder – um ehrlich zu sein – beinahe zu „schmalzig“. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, ihn aufzunehmen, gerade weil er einen Kontrast bildet. Die Stimme stammt noch von Annika Borsetto und gibt dem Album am Ende eine andere, bewusst ruhigere Note.
O: Gab es bestimmte Herausforderungen, denen du dich während der Arbeiten an „Tempus Fugit“ stellen musstest? Wie hast du sie überwunden?
SG: Die größte Herausforderung war tatsächlich die Zeit. Ich bin Unternehmer und habe drei Kinder – dadurch ist das Album über einen Zeitraum von vier Jahren entstanden, oft in kleinen, fragmentierten Arbeitsphasen. Hinzu kam die grundlegende Frage, ob ich die Songs als einzelne Singles veröffentlichen oder als geschlossenes Album konzipieren möchte. Letztlich habe ich mich vom Label getrennt und bewusst entschieden, künftig eigenständig und ausschließlich digital zu veröffentlichen. Beim zweiten Album war ich im Nachhinein betrachtet zu schnell – diesmal wollte ich mir bewusst mehr Zeit nehmen und tiefer in die Songs eintauchen. Auch die Produktion und das Abmischen waren ein Entwicklungsprozess: Zu Beginn habe ich mit Krischan Wesenberg (bekannt durch Rotersand) gearbeitet, später mit Pacoussa, einem jungen Produzenten aus Berlin, der unter anderem für Symba produziert hat. Im Laufe der Zeit habe ich angefangen, selbst zu mastern und auch eigene Produktionen umzusetzen. Diese Entwicklung hin zu mehr Eigenständigkeit ist für mich einer der wichtigsten Schritte – und darauf bin ich besonders stolz.
O: Wie sehen die Zukunftspläne von Beat Noir Deluxe aus?
SG: Ich möchte verstärkt live spielen und verfolge aktuell das Ziel, auf größeren Festivals aufzutreten. Ein Auftritt beim Wave Gotik Treffen wäre natürlich ein Highlight – ich stehe schon länger mit ihnen in Kontakt und hoffe, dass es nächstes Jahr funktioniert.
Claudia Zinn-Zinnenburg
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