So war es bei COVENANT

04. Februar 2026, Hamburger Markthalle
Support: Isaac Howlett
Covenant – 40 Jahre Frequenz, 40 Jahre Zukunft
Manche Bands begleiten eine Szene. Andere formen sie. Covenant gehören zu genau jener seltenen Kategorie, die elektronische Dunkelheit nicht nur spielen, sondern ihr Bedeutung geben. Seit Mitte der Achtziger schreiben sie an diesem kalten, klaren Sound, der Herz und Maschine gleichzeitig kennt. Elektronisch, aber nie leer. Dunkel, aber nie ohne Hoffnung. Vier Jahrzehnte später wirkt nichts daran müde. Kühle Ästhetik, philosophische Tiefe, clubtaugliche Energie – ein Spannungsfeld, das Generationen verbindet und nach vierzig Jahren nichts von seiner Kraft verloren hat.
Zwei Stunden, zweiundzwanzig Minuten und kein Atemzug zu viel
Am 4. Februar 2026 wird die Hamburger Markthalle zum Resonanzraum dieser Geschichte. Hamburg, Februar, kalte Luft vor der Tür. Drinnen Nebel, dicht wie Erinnerung. Und irgendwo zwischen Lichtkegeln steht eine Wahrheit, die man in dieser Szene nicht erklären muss: Covenant sind kein Rückblick. Covenant sind Gegenwart. Die Markthalle ist voll, trotz Winter draußen. Schwarze Stoffe, ruhige Gesichter, dieses wortlose Einverständnis unter Menschen, die wissen, warum sie hier sind und die mehr erwarten als eine bloße Rückschau. Das Konzept des Abends wirkt dabei fast programmatisch: Mindestens zwei Songs aus jedem Album, gespielt in knapp zweieinhalb Stunden – ein kompletter Weg durch Zeit, Klang und Erinnerung.
Ein leiser Beginn mit offener Seele
Bevor der Druck kommt, gehört Isaac Howlett die Bühne. Als Stimme von Empathy Test längst vertraut, zeigt er sich solo verletzlicher, unmittelbarer, näher am Publikum. Ohne Pathos, ohne Schutz, nur Stimme und Gefühl. „Eggshell“ und das unveröffentlichte „Something Changed“ öffnen den Abend behutsam, getragen von klarer Stimme und stiller Intensität. Später verleiht seine Version von „Save Myself“ der bekannten Vorlage eine fast schwebende Melancholie, bevor „Ghost of the Tsunami“, „Spiralling“ und „House of Cards“ den Raum langsam wärmen. Kein lauter Anheizer – eher ein leuchtender Auftakt, der Atmosphäre schafft, statt sie zu erzwingen. Ein stilles Vorbereiten auf das, was gleich passiert.
Geschwindigkeit, Druck, kollektiver Puls
Dann Dunkelheit. Mehr Nebel. Ein kaum hörbares Raunen und ein kurzer Moment ohne Zeit. Mit „Theremin“ und „Speed“ beginnen Covenant ohne Umweg – kühl, präzise, sofort präsent. Der Bass ist nicht nur hörbar, sondern spürbar in Rippen und Boden und der Raum weiß wieder, wie sich Vorwärts anfühlt. Plötzlich öffnet „Stalker“ den Raum zur Tanzfläche, gefolgt von „Feedback“ und „Go Film“, die Rhythmus in Bewegung verwandeln. Nicht wild – sondern kontrolliert, wie ein Herzschlag, der genau weiß, warum er schlägt. „I Am“ wirkt wie ein inneres Statement, bevor „Der Leiermann“ seine düstere Eleganz entfaltet und direkt in das funkelnde „Dead Stars“ übergeht – ein Moment kollektiver Erinnerung. Bei „Bullet“ stoppt mittendrin kurz die Technik, doch der Neustart macht den Song nur intensiver, lebendiger, menschlicher. Fehler gehören zum Leben.
Frequenz wird Körper
Später treiben „Call the Ships to Port“ und „Happy Man“ die Energie weiter nach vorn, ehe „20 Hz“ den Raum körperlich spürbar vibrieren lässt. „The Men“ und „The Beauty and the Grace“ schlagen danach ruhigere, nachdenklichere Töne an, nehmen Tempo raus, aber nicht Tiefe, während „Judge of My Domain“, „Last Dance“ und „Morning Star“ Atmosphäre verdichten, statt Lautstärke zu erhöhen und eher schweben, als dass sie laufen. Mit „I Close My Eyes“ scheint die Zeit kurz stillzustehen – ein leiser Höhepunkt zwischen Nähe und Erinnerung.
Zugaben wie Kapitel eines langen Weges
Doch dieser Abend denkt nicht ans Ende. „Babel“, „Figurehead“ und „Tour de Force“ öffnen die erste Zugabe kraftvoll, bevor „Ritual Noise“ die Markthalle endgültig in Bewegung versetzt. Diese Songs tragen noch immer. Vielleicht anders als früher. Aber tiefer. Dann noch einmal Dunkelheit. Ein Atemzug Stille. Ein zweiter Atemzug Dunkel. Und schließlich: „We Stand Alone“ – eine Hymne. Alle singen. Für einen Moment gibt es kein Außen mehr. Nur dieses Wir im Alleinsein, Zeit verliert Bedeutung. Und für einmal steht niemand allein – obwohl genau davon gesungen wird.
Nach dem letzten Ton
Als das Licht angeht, wirkt der Raum gleichzeitig erschöpft und erfüllt. Vierzig Jahre Bandgeschichte liegen nicht hinter diesem Abend, sondern in ihm – lebendig, spürbar, gegenwärtig. Covenant zeigen in Hamburg keine Nostalgieschau. Sie zeigen Kontinuität, nichts daran klingt vergangen. Und vielleicht ist genau das ihre größte Stärke: Musik zu schaffen, die Vergangenheit kennt, aber immer nach vorn klingt. Sie erinnern nicht. Sie sind.
Und irgendwo auf dem Weg nach Hause schlummert dieser eine Gedanke, leise, aber sicher: Wir stehen allein. Aber nie wirklich allein.
Setlist Isaac Howlett:
„Eggshell“ • „Something Changed“ • „Save Myself” (Aesthetic-Perfection-Cover) • „Ghost of the Tsunami“ • „Spiralling“ • „House of Cards“
Setlist Covenant:
„Theremin“ • „Speed“ • „Stalker“ • „Feedback“ • „Go Film“ • „I Am“ • „Der Leiermann“ • „Dead Stars“ • „Bullet“ • „Call the Ships to Port“ • „Happy Man“ • „20 Hz“ • „The Men“ • „The Beauty and the Grace“ • „Judge of my Domain“ • „Last Dance“ • „Morning Star“ • „I Close My Eyes” ••• „Babel“ • „Figurehead“ • „Tour de Force“ • „Ritual Noise“ ••• „We Stand Alone“
Text & Photos: Thomas Friedel Fuhrmann
Höre Covenant in unserer „Gothic-Electro-Industrial“-Playlist:
Wähle Deine Wunsch-CD als Abo-Prämie:






























