DUST OF APOLLON im Interview (2/2)

Dust of Apollon ist das Soloprojekt von Bruno Dienhardt – und auf „Chapters Left Unread“ klingt er wie jemand, der sich selbst beim Denken zuhört. Dieses Album ist kein Statement, kein kalkulierter Wurf in Richtung Szene-Relevanz. Es ist etwas viel Intimeres: Der Versuch, sich selbst zu verstehen, während man längst mitten im Prozess steckt. Schon beim ersten Durchlauf wird klar: Hier schreibt keiner Songs, hier werden Zustände festgehalten. Fragmente von Gedanken, Gefühle, die sich nicht sortieren lassen. Es ist Musik, die weniger Antworten liefert als Fragen stellt – und genau darin ihre Kraft entfaltet. Sie wirkt wie ein Raum, in dem man sich verirren darf, ohne sofort einen Ausgang zu brauchen. Wir sprechen mit Bruno im zweiten Interview-Teil. Du hast den ersten verpasst? Kein Problem, hier kannst Du ihn nachlesen.
Wenn Musik Dinge sagt, die man nicht aussprechen kann
Einer der eindringlichsten Momente des Albums ist dort, wo es um mentale Gesundheit geht. Nicht als Schlagwort, als Erfahrung. „Es war leichter, das zu singen, als es jemandem direkt zu sagen“, erzählt er. Musik wird hier zum Übersetzer eines inneren Zustands, für den Worte im Alltag fehlen. Erst durch den Song entsteht ein Gespräch. Erst durch das Hören keimt ein Moment echter Offenheit. „Ich habe meine Musik für sich sprechen lassen.“ Das ist vielleicht der Kern dieses Albums: Es sagt Dinge, die sonst unausgesprochen bleiben würden. Und es schafft einen Raum, in dem diese Dinge existieren dürfen, ohne sofort bewertet zu werden.
Berlin, Beton und Brennholz
Dass diese Musik aus Berlin kommt, überrascht nicht. Die Stadt ist kein bloßer Hintergrund, sondern Resonanzraum. „Berlin ist für mich ein riesiger Ort der Inspiration und gleichzeitig auch ein kleines Warnschild.“ Zwischen Reizüberflutung und Rückzug entsteht ein Spannungsfeld, das sich auch im Sound widerspiegelt. Drei Orte nennt er, die bleiben müssen: Treptower Park, die Alte Försterei, der Konsum um die Ecke. Es sind keine glamourösen Orte. Aber genau darum geht es: Verankerung. Orte, die bleiben, wenn sich alles andere verschiebt. Orte, an denen man sich selbst wieder einholen kann, wenn das Außen zu laut wird.
Ein Sound, der sich nicht festlegen lässt
Was „Chapters Left Unread“ besonders macht, ist die Art, wie hier Klang gedacht wird. Nicht als Genre, sondern als Ausdruck. „Warum tue ich bei meiner Musik so, als wäre die elektronische Seite mein gesamtes Ich?“, fragt er sich irgendwann. Die Antwort: gar nicht mehr. Stattdessen entsteht ein Sound, der Gegensätze zulässt. Analoge Wärme trifft auf digitale Präzision. „Diese beiden Seiten zu vereinen … ist mein absoluter Unique Selling Point.“ Man hört das. Vor allem spürt man es. Weil diese Musik nicht versucht, Erwartungen zu erfüllen, sie weicht ihnen aus, woraus sie ihre eigene Form findet
Der Anfang von etwas Größerem
„Chapters Left Unread“ ist kein abgeschlossener Gedanke. Es ist der erste Teil einer Trilogie. Ein Einstieg in etwas, das noch lange nicht erzählt ist. „Da ist noch so viel, was in mir schlummert“, sagt er. Und genau das macht dieses Album so stark: Es tut nicht so, als wäre es fertig. Es bleibt offen. Unruhig. Suchend. „Ich bin auf jeden Fall noch suchend“, sagt er zum Schluss. „Aber ich bin endlich bereit, hinzugucken.“ Vielleicht ist das die eigentliche Bewegung dieses Albums: nicht das Ankommen, eher der Mut, sich selbst nicht mehr auszuweichen – und die eigenen Geschichten für Außen nicht länger ungelesen zu lassen.
Jan Schütz (Meersein)
Mehr erfährst Du auch in unserer Mai/Juni-Ausgabe.
Sieh Dir das Video zu “Hall of Mirrors” an:
Dust of Apollon – Tourdates:
30. April 2026 DE-Köln, Helios 37
01. Mai 2026 DE-Stuttgart, Im Wizemann
02. Mai 2026 DE-München, Backstage
03. Mai 2026 DE-Saabrücken, Kleiner Klub/Garage
08. Mai 2026 DE-Leipzig, Moritzbastei
09. Mai 2026 DE-Berlin, Badehaus
13. Mai 2026 DE-Wuppertal, Live Club Barmen
14. Mai 2026 DE-Frankfurt, Nachtleben
15. Mai 2026 DE-Hannover, Subkultur
16. Mai 2026 DE-Hamburg, Logo
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