EINHERJER im Interview (2/2)

Die norwegischen Viking-Metal-Ikonen Einherjer melden sich mit ihrem neuen Album „Lifeblood“ eindrucksvoll zurück. Gründungsmitglied Gerhard Storesund spricht mit uns in unserem zweiten Teil über die Motivation, nach 33 Jahren immer noch ungebremst weiterzumachen. Du hast den ersten Teil des Interviews verpasst? Kein Problem, Du kannst ihn hier nachlesen.
Weg, aber nicht Vergessen
Eine ganz besondere Bedeutung für Storesund hat das Lied „Gone“. Entstanden ist es aus dem Schmerz über den vor kurzem verlorenen Vater. Im Vergleich zu anderen Texten, die etwas kryptischer und schwerer einem einzelnen Gefühl zuzuordnen sind, ist „Gone“ direkter. „Wie ich sagte, alles ist nur dieser kleine Augenblick. Aber diesen kleinen Augenblick füllen wir mit ganzen Universen voller Gefühle und Dinge, die uns alles bedeuten, und dann sind wir wieder weg.“ Er spricht weiter, mit einem emotionalen Appell und einer Lehre, die aus der gefühlten Leere gezogen werden kann: „Irgendwann kommt die Zeit, in der wir diese Verluste selbst spüren. Ich bin jetzt 52 und habe meinen Vater verloren. Das ist so ein Moment, in dem die Welt ein bisschen zusammenbricht. Das war etwas sehr Merkwürdiges für mich, meine kleine Ecke der Welt ändert sich so drastisch und der Rest der Welt macht einfach weiter, als wäre nichts. Als würden wir nicht existieren. Aber das soll gar nicht so traurig klingen, es geht eher um diese Perspektive, dass wir unsere kleine Ecke mit Bedeutung füllen sollten, denn unsere Zeit ist begrenzt.“
Gegen den Strom
Um diesen Strudel der Verzweiflung, den solche Gedanken hervorrufen können, dreht es sich im passend betitelten „Maelstrom“, dessen Text ebenfalls Gerhard geschrieben hat. Der Maelstrom ist eine Gezeitenströmung vor der Küste Nord-Norwegens, die schon so manchem Seefahrer zum Verhängnis wurde. Storesund nutzt diesen Begriff als Metapher und Sinnbild, um sich diesen Gedanken nicht hinzugeben: „Wir denken an die Vergangenheit, wir denken an all die Dinge, die in der Zukunft schiefgehen könnten. Es ist so viel unentrinnbares Leid, das wir selbst mental konstruieren. Der Gedanke des Songs ist es, durch die negativen Phasen mit Würde zu gehen, denn wir haben ja auch die Macht, unsere Gedanken in diese Richtung zu kontrollieren. Das ist der Segen dieses menschlichen Bewusstseins.“
Michael Schille
Line-up:
Frode Glesnes – Gitarre, Bass & Gesang
Gerhard Storesund – Schlagzeug
Ole Sønstabø – Gitarre
Tom Enge – Gitarre
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