ENTGEIST im Interview (1/2)

Mit „Welk“ widmet sich die Black-Metal-Band Entgeist intensiv den Themen Vergänglichkeit, Leben und Tod – und verbindet dabei atmosphärische Klangwelten mit der Kälte des klassischen Black Metal. Im Gespräch erzählen Sergej, Tim und Randy von der Entstehung des Albums, persönlichen Emotionen hinter den deutschen Texten und der aktuellen Situation der Metal-Szene.
Orkus: Wie kamt ihr denn auf den Bandnamen Entgeist?
Sergej: Als wir die Band damals als Teenager gegründet haben, waren wir lange auf der Suche nach einem passenden Namen. Wir haben Listen mit potenziellen Namen erstellt und Abstimmungen gemacht, jedoch war nichts dabei, das uns überzeugt hat. Aus dem Nichts hat unser ehemaliger Schlagzeuger Michi „Entgeist“ vorgeschlagen. Wir fanden ihn gut, da er individuell ist, aber auch gut ins Genre des Metals passt. Was unseren damaligen Schlagzeuger zu dem Namen inspiriert hat, wissen wir bis heute nicht. Er selbst sagt, er habe es vom Wort „entgeistert“ abgeleitet, kann sich aber auch nicht mehr wirklich daran erinnern.
O: Das neue Album trägt den Titel „Welk“. Was bedeutet der Titel für euch?
Tim: Für mich bedeutet „Welk“ Vergänglichkeit. Dinge, die vielleicht mal schön waren, von denen aber nicht mehr viel übrig geblieben ist als ein verzerrtes Bild, eine blasse Erinnerung. Tatsächlich stand der Titel schon früh fest, noch vor dem Song „Verwelkt“. Ich hatte die Idee, einen Text zu schreiben, der sich klarer mit diesem Motiv auseinandersetzt. Aus dieser Idee entstand zuerst der Albumtitel und erst danach der Songtext.
Sergej: Ich kann Tim hier nur zustimmen. Der Grund, wieso ich den Titel damals vorgeschlagen habe, war, dass sich letztlich nichts dem Verwelken entziehen kann, was das Motiv allgegenwärtig macht. Man kann das Verwelken nur hinauszögern, jedoch nicht verhindern, und genau dieses deterministische Element macht den Titel interessant. Diesen Gedanken haben wir durch die floralen Bezüge auf dem Cover versucht, auch visuell zu verdeutlichen.
O: Standen die Themen Leben, Tod und Vergänglichkeit von Anfang an fest oder hat sich das erst während des Schreibprozesses entwickelt?
Tim: Ich glaube, die grundsätzliche Richtung stand von Beginn an fest. Auch wenn man unseren früheren Veröffentlichungen lauscht, begegnen einem die Themen Leben und Tod. Vergänglichkeit kam neu dazu. Ich denke, das hat mit mir und meinem Leben zu tun. Alles, was lyrisch auf „Welk“ passiert, hat auf irgendeine Art mit mir zu tun. Das sind Dinge, die mir in meinem Umfeld begegnen oder Prozesse, die in mir stattfinden. Oft wird mir erst so richtig klar, was genau mich da eigentlich gerade beschäftigt, wenn ich den fertigen Text vor mir habe und nochmal in Ruhe nachlese und nachspüre.
O: Musikalisch bewegt ihr euch seit jeher zwischen atmosphärischem und klassischem Black Metal. Was fasziniert euch an dieser Verbindung?
Sergej: Grundsätzlich bildet Black Metal in all seinen Facetten eine gewisse Basis unserer Musik, wobei wir auch versuchen nicht nur an diesem Genre festzuhalten, sondern durchaus etwas wildere Kombinationen wagen. Klassischer Black Metal ist hierbei insofern wichtig, da dieser die Kälte liefert, die zu Teilen in unserer Musik hör- und spürbar ist. Meiner Meinung nach kann kein anderes Metal-Genre diese Kälte so kreieren. Der atmosphärische Teil verstärkt diese Kälte in gewissen Teilen, liefert gleichzeitig aber eine Harmonie, die als Gegensatz dazu fungiert. Genau das ist auch das faszinierende daran, weshalb wir diese Richtungen gerne kombinieren.
O: Wie empfindet ihr die Metal- oder Black-Metal-Szene in Deutschland? Ist sie gut aufgestellt oder ausbaufähig?
Randy: Leider sind bei uns in der Region in den letzten Jahren viele Clubs, die ein Zuhause für die Szene waren, verschwunden. Das führt natürlich zwangsläufig auch dazu, dass der Nachwuchs weniger wird und die Szene immer älter wird.
Tim: Ich sehe es ähnlich wie Randy. Vielleicht liegt es daran, dass wir älter werden. Ich habe den Eindruck, dass zumindest hier in der Region der Nachwuchs fehlt. Ich kann mich an Zeiten erinnern an – so mit 15, 16 Jahren –, zu denen jeden Samstag irgendeine kleine Show irgendeiner kleinen lokalen Metal-Band stattgefunden hat. Gleichzeitig sehe ich auch, dass es immer noch Menschen gibt, die unglaublich viel in die Szene investieren. Die Konzerte organisieren, sich vernetzen, Locations zur Verfügung stellen und sich damit auch immer finanziell weit aus dem Fenster lehnen. Ich sehe auch immer wieder junge Menschen auf den Konzerten. Beides schenkt mir zumindest etwas Hoffnung.
In Kürze setzen wir das Interview fort.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Höre „Verwelkt“:
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