EWINIAR im Interview

Ewiniar

Die Anfänge von Ewiniar liegen im Jahr 2017 begründet. So richtig Gestalt nahm das Projekt aber erst während der Corona-Pandemie an. Marin resümiert: „Zu Beginn hatten wir keine feste Vorstellung davon, wie das Endergebnis klingen würde – abgesehen von einer klaren Neigung zu dunkleren, melancholischeren Atmosphären. Während des gesamten Prozesses haben wir verschiedene Richtungen ausprobiert, aber unsere Absicht war es immer, die Musik ehrlich und minimalistisch zu halten, im Rahmen unserer musikalischen Möglichkeiten und persönlichen Empfindungen.“ Wir sprechen mit dem Duo über die neue Single „Fractured Harmony“, Inspiration und die Gothic-Szene in ihrem Heimatland Kroatien.

Wind und Donner

Orkus: Wie kamt ihr auf den Bandnamen Ewiniar?
Marin Tramontana: Der Name kam aus einer Quelle, die sich sowohl symbolisch als auch intuitiv anfühlte. Wir stießen auf Ewiniar, was angeblich der Name eines Donnergottes in der mikronesischen Mythologie ist, und es gibt auch einen Taifun mit dem gleichen Namen. Das hat uns sofort angesprochen. Unser Nachname Tramontana bezieht sich auf einen Nordwind, daher passte die Verbindung zu Naturkräften – Wind, Donner, Bewegung – sehr gut. Uns gefiel auch, dass der Name kurz und direkt ist und nicht auf ein bestimmtes Genre hinweist. Das gibt uns völlige Freiheit, den Sound zu gestalten und die Musik die Bedeutung des Namens definieren zu lassen, anstatt umgekehrt.

Alles zum Trotz

O: Ihr seid ein Paar, oder? Ist es schwierig für euch, euer Privatleben und die Musik unter einen Hut zu bringen, oder verschmilzt alles miteinander?
Katarina Tramontana: Ja, wir sind ein Paar. Wir sind seit 2015 zusammen und seit 2019 verheiratet. Es ist nicht immer einfach, unser Privatleben und die Musik unter einen Hut zu bringen, besonders in den letzten zwei Jahren, da wir beide Vollzeit arbeiten und ein Kleinkind großziehen. Dennoch ist die Motivation nie verschwunden – wenn überhaupt, ist sie sogar noch stärker geworden. Wir machen Musik, wann immer wir können, trotz der Umstände, und genau deshalb sind wir so stolz auf die kommende Single und das Album. Sie existieren, weil wir wirklich wollten, dass sie es tun.

Soundtrack des Lebens?

O: Welche Bands haben euch besonders beeinflusst?
KT: Meine Beziehung zur Musik ist sehr breit gefächert und zutiefst intuitiv. Ich bin, solange ich mich erinnern kann, in sie eingetaucht und erlebe sie in erster Linie durch Emotionen und Bilder und weniger durch Genregrenzen. Ich bin unendlich neugierig, daher fällt es mir nie leicht, meine Einflüsse auf nur wenige Namen zu beschränken. Wenn ich mich jedoch auf die Künstler konzentriere, die ich seit meiner Teenagerzeit höre, sticht eine Band besonders hervor: Paradise Lost. Für mich stehen sie für Emotionen und Authentizität – manchmal sage ich gerne, dass ihre Musik sich wie der offizielle Soundtrack meiner inneren Welt anfühlt. Ich fühle mich so stark mit ihr verbunden, dass sich die Musik für mich in lebendigen, filmischen Bildern entfaltet. Darüber hinaus haben Künstler wie Dead Can Dance, Depeche Mode, Type O Negative, Morphine und Nick Cave einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. In meinen Playlists finden sich auch David Sylvian, The Sisters of Mercy, Fields of the Nephilim, Death in Vegas und viele andere. Kürzlich habe ich mir das Album der mazedonischen Ethno-Band Anastasia noch einmal angehört, was mich daran erinnert hat, wie wichtig es ist, zu der Musik zurückzukehren, die ich vor langer Zeit entdeckt habe. Letztendlich muss ich zugeben, dass alles, was ich höre, mich auf irgendeine Weise beeinflusst – bewusst oder unbewusst – und dass dieser fortwährende Dialog mit der Musik ein wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit ist.

Zusammengehörende Gegensätze

O: Die neue Single heißt „Fractured Harmony”. Musikalisch ist der Song alles andere als eine „zerbrochene Harmonie“. Worum geht es in dem Song?
KT: Bei „Fractured Harmony” geht es weniger um musikalische Dissonanzen als vielmehr um einen inneren Zustand. Textlich handelt der Song von Gegensätzen, die nebeneinander existieren, anstatt sich gegenseitig aufzuheben: Zerbrechlichkeit und Stärke, Nähe und Distanz, Ordnung und emotionale Unruhe.

Kohärenz im Kontrast

O: Gibt es eine Geschichte hinter der Entstehung des Songs?
MT: Ja, das gibt es, aber es handelt sich weniger um eine einzelne Geschichte als vielmehr um einen Prozess. „Fractured Harmony“ entstand nach und nach, durch Experimentieren und kleine Momente der Inspiration. Wir arbeiteten fragmentarisch an der Musik und den Texten und ließen die Ideen sich mit der Zeit natürlich entwickeln. Der Song spiegelt einen Zustand der Spannung und Balance wider, den wir erforscht haben – das Gefühl, gegensätzliche Emotionen zusammenzuhalten. In diesem Sinne spiegelt die Entstehung selbst das Thema des Songs wider: Es geht darum, Kohärenz im Kontrast zu finden.

Inspiration

O: Wenn man das überhaupt verallgemeinern kann, wo findet ihr Inspiration?
MT: Inspiration kann von fast allem um uns herum kommen – von unseren eigenen Emotionen, den Emotionen anderer oder sogar von flüchtigen Momenten, die wir im täglichen Leben beobachten. Wir fühlen uns von den Feinheiten, den kleinen Spannungen und Kontrasten angezogen, die oft unbemerkt bleiben, und versuchen, diese in Musik umzusetzen. Letztendlich geht es darum, die Essenz eines Gefühls oder eines Moments einzufangen und es in etwas zu übersetzen, das über Worte hinausgeht.

Heimatklänge?

O: Ihr lebt in Kroatien. Wie ist die Gothic-Szene dort?
MT: Die Gothic-Szene in Kroatien ist heute nicht sehr groß oder besonders aktiv, aber sie hat einen engagierten Kern von leidenschaftlichen Menschen. Es gibt lokale Bands und Projekte, auch wenn einige davon nicht mehr aktiv sind. Eine der bekanntesten Bands ist Ashes You Leave, die seit 1995 aktiv ist. Früher fanden regelmäßig Gothic-Nächte in Zagreb und Split statt, aber im Laufe der Jahre hat das Interesse an der Szene nachgelassen. Ich denke, das gilt teilweise für viele Subkulturen – sie spiegeln oft den Geist einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Ortes wider. Dennoch gibt es in Kroatien immer noch unglaublich talentierte Musiker, auch wenn sie nicht streng genommen dem Gothic-Genre zuzuordnen sind. Künstler wie Jelusick, Manntra und Kryn sind hervorragende Beispiele für Kreativität und Engagement, die Anerkennung verdienen.

Zukunftsmusik

O: Was sind Ewiniars Pläne für die Zukunft? Ist die Single auch ein Vorbote eines neuen Albums?
MT: Ja, wir planen, das Album Ende 2026 zu veröffentlichen, und die Single bietet einen ersten Einblick in die Richtung, in die wir uns bewegen. Im letzten Jahr haben wir uns darauf konzentriert, unseren Sound zu verfeinern und neue Ideen zu erforschen, sodass das Album einen sehr persönlichen und sorgfältig überlegten Schritt nach vorne darstellt. Natürlich werden wir sehen, welche Möglichkeiten sich uns in Zukunft bieten – wenn die richtigen Bedingungen gegeben sind, werden wir sie nutzen.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Katarina Tramontana – Gesang, Lyrics
Marin Tramontana – Gitarren, Bass, Keyboards, Musik, Arrangements

Höre Ewiniar in unserer „Dark Rock“-Playlist auf Spotify: