KILLING KIND im Interview (2/2)

Killing Kind wurde 2021 gegründet, 2023 wurde das erste, selbstbetitelte Album veröffentlicht. In unserem ersten Interview-Teil sprachen wir mit Mastermind Björn Norberg bereits über das neue Album „Being Human“ und das damit verbundene kreative Chaos im Entstehungsprozess. Inspiriert von dem Sound britischer Post-Punk-Bands sprachen wir auch über den musikalischen Einfluss der Achtzigerjahre, und genau da schließen wir wieder an.

Gegen das Böse

Orkus: Was ist heute besser als damals in den Achtzigerjahren?
Björn Norberg: Es ist heute viel einfacher, Musik zu machen und zu veröffentlichen. Instrumente sind erschwinglich, Heimstudios sind oft von besserer Qualität als viele professionelle Studios damals und viel, viel einfacher zu bedienen! Und es wird ständig so viel gute Musik veröffentlicht, dass man selbst für sehr nischenorientierte Interessen Informationen findet und leicht mit anderen in Kontakt kommt, die sich für dieselbe Underground-Kultur begeistern. Ich bin nicht gegen Technologie oder soziale Medien an sich, sie helfen wirklich dabei, Menschen miteinander zu verbinden. Es sind die Schattenseiten, die mir Sorgen bereiten, und wie sie dem Bösen helfen, zu wachsen.

Atempause

O: Das Instrumentalstück „Warriors and Carpenters“ ist auch sehr schön geworden. Wie ist es entstanden?
BN: Wir haben über Instrumentalstücke gesprochen. Bands wie Ultravox und Depeche Mode hatten immer ein oder zwei Instrumentalstücke auf ihren Alben. Diese Stücke spielten eine wichtige Rolle auf einem Album, um eine Pause zu schaffen und den Fokus für eine Weile von den Texten und Gesängen auf die Instrumente zu verlagern. Der Song hieß die ganze Zeit über „Instrumental“, bis wir das Album mastern wollten und ich ihn in „Warriors and Carpenters“ umbenannt habe, da die Hookline ein bisschen wie der Soundtrack aus dem Film „The Warriors“ klang, den ich sehr mag, und da mich einer der Synthesizer-Sounds an einige Soundtracks von John Carpenter erinnerte. Er hat diese „Escape from New York“-Atmosphäre.

Horror fürs Hirn

O: Interessierst du dich für Horror- und Science-Fiction-Filme? Das ist zumindest der Gedanke, der mir beim Anhören in den Sinn kommt.
BN: Ja, da liegst du genau richtig. Ich schaue viele Horrorfilme und lese viel Science-Fiction. Das hilft mir, das Böse und die Grausamkeit zu verdauen und zu verstehen, und die Filme, die mir am besten gefallen, sind diejenigen, die auf einer eher psychologischen Ebene wirken und nicht nur mit Schreckmomenten oder Blut und Gewalt arbeiten. Sie sagen etwas über die Menschheit aus, aber ich denke, es geht auch um Kunst. Kunst kann schmutzig, grausam und gewalttätig sein und dennoch sowohl dein Gehirn als auch deine Seele ansprechen. Sie ist nicht nur etwas Schönes.

Ferne Welt?

O: Das Album endet sehr harmonisch mit „Distant World“. Was war Inspiration?
BN: Es könnte einer der ersten Songs sein, die für das Album geschrieben wurden. Er befand sich wahrscheinlich schon in der Demo-Phase, als wir das erste Album aufgenommen haben. Der Text ist aus der Perspektive von jemandem geschrieben, der in einer Großstadt lebt und nie außerhalb davon reist. Ich selbst lebe auf dem Land in einem sehr kleinen Dorf, also habe ich versucht, die Landschaft mit den Feldern, Wäldern und Flüssen aus der Perspektive einer anderen Person zu sehen. Das Leben in einem kleinen Dorf muss für die meisten Menschen, die in Städten leben, sehr fremd und ungewohnt sein. Ich wollte, dass es filmisch wirkt und eine Art Science-Fiction-Atmosphäre hat, aber gleichzeitig wollte ich, dass es in etwas sehr Realem verwurzelt ist.

Verzweifelt Festhalten?

O: Das Video zu „Desperately Holding On“ regt ebenfalls sehr zum Nachdenken an. Wie siehst du die Zukunft der Menschheit?
BN: Jemand erzählte mir, dass Monsanto einmal eine Ausstellung in Disneyworld in Kalifornien hatte. Es war etwas namens „Haus der Zukunft“ und „Haus der Chemie“. Wie verrückt ist das denn! Ich habe versucht, ein paar kostenlose Stock-Videos davon zu finden, aber ich konnte nichts finden. Stattdessen habe ich viele Monsanto-Werbespots aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren und Werbespots aus der Ölindustrie gefunden, die ich für das Video verwendet habe. Diese Unternehmen hatten so großes Vertrauen in ihre Produkte, die Zukunft sah nie so rosig aus, aber wie wir wissen, zerstören sowohl die Chemie- als auch die Ölindustrie unseren Planeten. Ich hoffe, dass wir einen Ausweg aus dieser Situation finden, aber die Zeit scheint knapp zu sein. Wenn ich einen Film davon drehen würde, wie ich die Zukunft der Menschheit sehe, wäre es wohl ein dystopischer Science-Fiction-Film. Wenn die Menschheit überlebt, wird es eine ganz andere Welt sein, und ich bin mir nicht sicher, ob es eine angenehme Welt, in der ich leben möchte, sein wird.

Zukunftsblick

O: Wie sehen die Zukunftspläne von Killing Kind aus?
BN: Wir haben gerade angefangen, live zu spielen, bisher in kleineren Clubs, und es läuft wirklich sehr gut. Hoffentlich können wir 2026 mehr Konzerte geben. Ein Bassist ist dazugekommen, und wir haben wie eine Band geprobt und alle Songs neu arrangiert. Killing Kind ist nicht mehr nur ein Studioprojekt. Im Februar werden wir einen Remix von „Humanity“ veröffentlichen, der von The Magic Wands gemacht wurde, und ich bin sehr gespannt, wie er beim Publikum ankommen wird. Ich hoffe, dass wir damit ein breiteres Publikum erreichen können. Die Demos für das dritte Album mit 17 Songs sind bereits fertig, und wir wählen derzeit zehn davon aus, die mit Tomas Skogsberg bei Sunlight weiterentwickelt und aufgenommen werden sollen. Die Aufnahmen beginnen im Januar und sollten bis zum Sommer abgeschlossen sein. Hoffentlich verläuft der Prozess dieses Mal reibungsloser.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Björn Norberg – Gesang, Gitarre, Bass
Mats Wigerdal – Synthesizer
Mats Molund – Schlagzeug
Fredrik Carlqvist – Bass (live)

Sieh Dir das Video zu „Desperately Holding On“ an: