KRIEG-B im Interview (2/2)

Wir sprechen mit Krieg-B, das aus dem Franzosen Dominique Lallement und dem Belgier Benoît Buyse besteht, über ihr aktuelles Album „War Drums‘ Resonance“. Dabei ergründen wir die Anfänge des Projekts, deren Einflüsse, was es mit dem Namen auf sich hat und blicken auch in die Zukunft. Falls du den ersten Teil verpasst hast, kannst Du ihn hier nachlesen.

Orkus: Euer Debütalbum trägt den Titel „War Drums’ Resonance“. Wie seid ihr darauf gekommen und warum repräsentiert er das Album so gut?
Dominique Lallement: Der Titel „War Drums’ Resonance“ leitet sich direkt aus der Analogie zwischen musikalischer Perkussion und den Klängen des Krieges ab. Die Vorstellung der „Kriegstrommel“ erinnert sowohl an den Rhythmus eines Tracks als auch an den sich wiederholenden, unerbittlichen Klang von Kanonen oder Einschlägen im Kontext eines Konflikts. Im Krieg herrscht eine Art akustisches Chaos, aber manchmal auch eine sehr mechanische, fast rhythmische Struktur. Diese Dualität hat uns interessiert: ein globales Geräusch, das manchmal zu Struktur, Puls und fast schon Musik werden kann. Das Wort „Resonance“ erweitert diese Idee. Es geht nicht nur um den ersten Aufprall, sondern um das, was danach weiter schwingt – die Echos, die Spuren, die Nachwirkungen sowohl im Klang als auch in der Emotion. Das Album baut auf dieser permanenten Spannung zwischen Aufprall und Atempause auf. Sehr direkte, rhythmisch getriebene Momente, fast wie ein unerbittliches Hämmern, wechseln sich ab mit atmosphärischeren, melodischen Passagen, wie Zwischenspiele in dieser Klanglandschaft.

Letztendlich fasst der Titel diese Idee zusammen: eine Musik, die sich zwischen organisiertem Chaos, rhythmischer Maschinerie und einer menschlicheren oder introspektiven Resonanz bewegt.

O: Was fasziniert euch am Thema Krieg?
DL: Krieg fasziniert uns nicht. Im Gegenteil, er beunruhigt uns, macht uns traurig und erschreckt uns. Er ist nichts, was wir in irgendeiner Weise verherrlichen oder ästhetisieren wollen. Doch wie in vielen historischen Kontexten gibt es dieses Bild der Trommel – den Rhythmus, der den Soldaten vorgesetzt wird, um ihnen Mut zu machen und angesichts des Chaos ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aufrechtzuerhalten. Es ist vor allem diese rhythmische und symbolische Dimension, die uns interessiert: die Verbindung zwischen Klang, Puls und menschlicher Anspannung in Extremsituationen. Bei Krieg-B sprechen wir nicht über den Krieg an sich, sondern darüber, was er in Bezug auf Intensität, Rhythmus und rohe Energie hervorrufen kann – immer mit einer gewissen Distanz und ohne jegliche Form der Verherrlichung. Allgemeiner betrachtet gibt es auch eine gewisse Besorgnis über den aktuellen Zustand der Welt. Wir stammen aus einer Generation, die vom Ende des Kalten Krieges geprägt ist, mit der Vorstellung eines fragilen Gleichgewichts, und heute haben wir das Gefühl, dass sehr konkrete globale Spannungen wieder auftauchen. Das fließt unweigerlich in eine Form der Reflexion und Sensibilität ein, die sich in unserer kreativen Arbeit widerspiegelt.

O: Reden wir über die Musik! Das Album beginnt energiegeladen mit „Special Operation“. Gibt es dazu eine Hintergrundgeschichte?
DL: „Special Operation“ bezieht sich auf einen Begriff, der leider Teil der aktuellen Nachrichtenlage und der Mediensprache geworden ist. Es ist kein politisches Statement unsererseits, sondern vielmehr eine Art, mit Elementen der Realität zu arbeiten, so wie sie existieren und in der Gegenwart nachhallen. Wir verwenden in dem Track auch Fragmente öffentlicher Reden als Rohmaterial. Die Idee ist nicht, diese zu kommentieren, sondern sie in klangliche Elemente zu verwandeln, so wie man Geräusche oder Maschinensamples verwenden würde. Der Track eröffnet das Album mit dieser unmittelbaren Spannung zwischen Realität, Sprache und Rhythmus. Es ist ein sehr direkter Einstieg in die Welt von Krieg-B, in der der Klang auch Fragmente der Außenwelt aufnimmt.

O: „Napalm Girl“ sticht ebenfalls besonders hervor. Wie ist dieser Track entstanden?
DL: „Napalm Girl“ fügt sich in das Gesamtkonzept des Albums ein: die Auseinandersetzung mit Konflikten, sowohl vergangenen als auch gegenwärtigen, und dem, was sie hinterlassen. Der Vietnamkrieg ist natürlich Teil davon, und dieses spezielle Bild ist zu einem sehr starken Symbol für die Unmenschlichkeit des Krieges geworden. Es ist nicht als Provokation unsererseits gemeint, sondern als eine zutiefst bewegende historische Realität. Musikalisch ist der Track sehr direkt aufgebaut, fast punkig in seiner Energie. Er ist schnell, frontal, ohne Umwege, mit einem Fokus auf unmittelbare Wirkung statt auf Erzählung. Über den historischen Aspekt hinaus berührt es uns auch auf sehr persönliche Weise als Eltern. Bestimmte Bilder erhalten eine noch stärkere Dimension, wenn man sie aus dieser Perspektive betrachtet. Das verstärkt nur noch die Notwendigkeit, diese Realität auf rohe, ungefilterte Weise auszudrücken. Die Idee war nicht, eine Geschichte zu erzählen, sondern Spannung, Dringlichkeit und eine Form emotionalen Schocks durch Klang zu vermitteln.

O: Das Album wurde 2024 veröffentlicht. Gibt es Pläne für einen Nachfolger?
DL: Ein neues Album ist bereits in Vorbereitung. Es befindet sich derzeit in der Endphase, der Mastering-Prozess läuft. Es wird zwischen 12 und 13 neue Tracks enthalten. Was das Veröffentlichungsformat angeht, ist noch nichts endgültig entschieden. Album, CD, Vinyl, digital oder mehrere Formate parallel… das halten wir uns noch offen. In der heutigen Zeit sind diese Entscheidungen nicht mehr so einfach wie früher, und wir ziehen es vor, uns nicht zu früh festzulegen. Es wird höchstwahrscheinlich Kollaborationen und Remixe geben, je nachdem, wie sich das Projekt entwickelt und welche Begegnungen sich auf dem Weg ergeben. Parallel dazu vertreten wir Krieg-B weiterhin auf der Bühne durch unsere Live-Auftritte, die wir stets als direkte Interventionen angehen, fast wie Kommandoeinsätze, bei denen es um Wirkung und unmittelbare Energie geht.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Sieh Dir das Video zu „Get Out“ an:

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