LIGHTSHIFTERS im Interview (2/2)

Das norwegisch-deutsche Duo von Lightshifters wurde 2012 in Lübeck gegründet. Seit Ende 2024 lebt das Paar in Norwegen und veröffentlicht jetzt ihre EP „All Life’s Absurdities“, in der Dark-Wave- und Synthpop-Elemente sich sinnlich miteinander vereinen. Lies hier den zweiten Teil unseres Interviews. – Den ersten verpasst? Kein Problem, den kannst Du hier nachlesen.

Orkus: „Heroine“ hat etwas Erotisches, Gefühlvolles. Was steckt hinter dem Stück?
Marthe Borge-Lunde Pfirrmann: „Heroine“ ist eine düstere Geschichte über einen Stalker mit Wahnvorstellungen, der eine Frau verfolgt. Seine Obsessionen lassen ihn glauben, sie sende ihm mit ihren verführerischen Auftritten in einem Nachtclub geheime Botschaften. Ihre Gleichgültigkeit ihm gegenüber deutet er fälschlicherweise als Spielerei und er ist überzeugt, ein Anrecht auf sie zu haben. Als sie ihn zurückweist, schlägt sein aggressives Wesen in Gewalt um. Danach wird alles schwarz und er kann sich an nichts erinnern.

O: Besonders stark ist auch „Loved“. Wie ist dieser Song entstanden?
Michael Pfirrmann: Normalerweise arbeiten wir so, dass ich von Marthe ein Arrangement bekomme und ich die Sachen dann ausproduziere. Bei „Heroine“ und „Loved“ war das anders – da hat sie jeweils ein Instrumental-Demo von mir bekommen und ihre Gesangsmelodie darauf aufgenommen. Das hat auch ganz gut funktioniert.
Marthe: Inhaltlich geht es bei dem Song um eine toxische Partnerschaft. Jemand mit mangelndem Selbstwertgefühl versucht einen narzisstischen und manipulativen Partner zufrieden zu stellen, um von ihm etwas zurück zu bekommen, das sich wie Liebe anfühlt. Obwohl die Person realisiert, dass sie nur ausgenutzt wird, möchte sie eigentlich immer nur Liebe spüren. Sie ist emotional gefangen und kann sie sich nicht aus dieser abhängigen Beziehung befreien.

O: „Turn Back Time“ wünscht sich wohl jeder im Laufe seines Lebens. Wann geht es euch so?
Marthe: Besonders wenn man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren und sich in einer Gegenwart gefangen fühlt, die man niemals wollte, dann wünscht man sich doch die Möglichkeit, die Zeit zurückdrehen zu können. Der Song handelt also auch von der Angst, sich auf dem falschen Weg zu befinden, weil man Vergangenes nicht ungeschehen machen kann.

O: Wie kam es dazu, dass ihr (zurück) nach Norwegen gezogen seid?
Michael: Wir mussten 2019 unser Studio in Lübeck und damit unsere Selbstständigkeit aufgeben, weil der neue Eigentümer der Immobilie das Haus renovieren wollte und uns dort nicht mehr haben wollte. Wir wurden also leider Opfer der Gentrifizierung in der Innenstadt. In den Jahren danach folgten weitere Tiefschläge und Marthes Heimweh wurde verständlicherweise immer größer. Ende 2024 war es dann endlich soweit, wir hatten eine Wohnung gefunden und konnten nach Norwegen ziehen. Inzwischen sind wir hier ein zweites Mal umgezogen und nun können wir endlich wieder Musik machen, ohne irgendwelche Nachbarn zu stören.

O: Michael, was fasziniert dich besonders an Norwegen?
Michael: Ich mag besonders die skandinavische Natur. Das war schon immer so. Dass es allgemein etwas kühler ist als im Süden empfinde ich auch eher als Wohltat. Wir wohnen jetzt ziemlich ländlich, musikalisch ist das hier leider tote Hose. Aber Oslo ist zum Glück nicht allzu weit entfernt.

O: Inwiefern hat euer Leben die Musik von Lightshifters möglicherweise beeinflusst?
Marthe : Gute Frage. Es ist sicherlich vielschichtig; wir alle tragen so viele Geschichten mit uns herum, gute wie schlechte. Einer der Gründe, warum ich mich schon früh der Musik und der Kunst zugewandt habe, liegt sicher auch an meinen Erfahrungen mit Mobbing, die zu einem Gefühl der Isolation und zu Depressionen geführt haben. Die Möglichkeit, mich musikalisch und künstlerisch auszudrücken, hilft mir wirklich sehr, mit meiner Gefühlswelt klarzukommen.

O: Und abschließend: Wie sehen die Zukunftspläne von Lightshifters aus?
Michael: Nach vielen Jahren haben wir nun endlich wieder die Möglichkeit, Musik zu machen, ohne jemanden zu stören. Das wollen wir unbedingt nutzen. Es wird in Zukunft also sicher mehr von uns zu hören geben. Natürlich möchten wir die Songs irgendwann auch gerne live präsentieren, bis jetzt sind Lightshifters ja ein reines Studioprojekt. Der Umzug nach Norwegen macht dieses Unterfangen leider nicht einfacher, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Höre „All Life’s Absurdities“ auf Spotify:

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