SO WAR ES BEI MANNTRA

22. Februar 2026, Hamburg, Knust
Support: Wisborg

Folk-Rock-Metal mit Dreck unter den Fingernägeln

Der 22. Februar 2026 fühlt sich in Hamburg nicht nach Sonntag an. – Nicht im Knust und nicht mit diesem Publikum. Das Knust ist an diesem Abend ein enger Kessel. Der Raum wirkt kleiner als sonst, dichter, als würde die Bühne ein Stück näher rücken. Und das passt. Denn was heute kommt, braucht keinen Abstand. Hier wird ehrlich herausgeschrien, was Sache ist … und ja – das wird dreckig.

Wisborg – dunkle Eleganz mit Biss

Bevor Manntra das Publikum in Bewegung setzen, gehört die Bühne zunächst Wisborg. Und das Knust taucht für einen Moment in eine andere Art von Dunkelheit. Die Gothic-Rock-Formation versteht es, Atmosphäre aufzubauen, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Ihre Songs tragen diese Mischung aus Melancholie, morbider Romantik und schneidender Gitarrenkante – irgendwo zwischen klassischem Gothic Rock und moderner Härte.

Mit „I Believe in Nothing“, dem neuen Song „Kreatur der Nacht“ und „Perfume & Cigarettes“ öffnen sie das Set wie eine schwarze Tür in eine andere Welt. Düster, elegant und doch direkt genug, um das Publikum sofort einzufangen. Die Gitarren ziehen breite Linien durch den Raum, während die Stimme darüber liegt wie ein dunkler Schleier. Später treiben „An Erotic Funeral“, „Totentanz“ und „Vampyre“ die Atmosphäre weiter nach vorn. Hier zeigt sich, wie gut Wisborg Live-Dramatik beherrschen. Mit „Schmerz vereint“, „Im freien Fall“ und dem überraschend passenden „The Bitter End“ (Placebo) kippt die Stimmung endgültig in diesen dunklen Sog, der Gothic Rock so stark machen kann. Als „Spirits That I Called“ das Set beschließt, bleibt dieses Gefühl zurück, dass Wisborg hier weit mehr geliefert haben als nur ein Vorprogramm. Sie haben das, was jetzt kommt vorbereitet. Emotional und mit Atmosphäre.

Folk Metal mit Zähnen

Manntra starten mit „Titans“ und „Morana“ – und das Knust steht sofort unter Strom. „Yelena“ und „In the Shadows“ schieben nach: melodisch genug für Ohrwürmer, hart genug für Nacken und kreisende Köpfe. Später packen „Teuta“ und „The Hunter“ das Publikum am Kragen und ziehen es nach vorn. Mit „Barren King“ und „Unholy Water (Voda)“ wird der Sound noch erdiger, schwerer – als würde der Boden selbst anfangen mitzuschwingen. „The Heart of the Storm“ ist so ein Moment, in dem der Titel nicht nur Titel bleibt. Der Song wirbelt, treibt, peitscht nach vorn – und man merkt sofort: Hier will niemand Pause. Im Anschluss „So ist das Leben“. Ein Song, der wie ein dreckiges Grinsen zwischen den Zähnen sitzt, während der Refrain die Menge geschlossen einfängt. „Slave“ schlägt härter zu, als es der Name ohnehin schon verspricht. Die Riffs wirken wie Ketten, die rhythmisch zuschnappen, und das Publikum antwortet mit Faust und Kehle. „Higher“ hebt den Abend nicht in Leichtigkeit, sondern in Intensität. Melodie und Druck greifen ineinander, bis der Refrain wie eine Welle über den Raum rollt. Man spürt sofort: Das ist genau die Sorte Song, für die Bands wie Manntra gemacht sind. Bei „Skal“ kippt die Stimmung komplett in kollektiven Rausch. Das fühlt sich nicht wie Mitfeiern an – eher wie ein Ritual, das alle kennen, obwohl es gerade erst beginnt. Ein Song wie ein Ruf. – Und das Knust ruft zurück.

Mit „Ori Ori“ beginnt die Schlussphase des Abends. Der Song kommt treibend, eingängig, gnadenlos live-tauglich – und plötzlich tanzt der ganze Raum, als wäre das hier der letzte Abend vor dem Ende der Welt. So muss es sein. Manntra verlassen die Bühne nur, um wiederzukommen. Ab hier dreht der Abend in die lange Zielgerade. Und die bleibt ohne Gnade. Montag wird egal. „Invocation“ als erste Zugabe wirkt wie ein dunkles Ritual. Der Song baut sich langsam auf, steigert sich Schritt für Schritt und zieht das Publikum immer tiefer in seinen Bann. Man spürt diese besondere Live-Energie, wenn Band und Publikum plötzlich denselben Puls teilen. Mit „Heathens“ ziehen Manntra die Schraube wieder fester. „Kiša“ bringt einen Moment dunkler Melancholie in den Abend. Der Song wirkt emotionaler, fast nachdenklich – ohne dabei seine Kraft zu verlieren. Mit „Domain“ kehrt die rohe Energie zurück. „Nightmare“ kommt wie eine letzte Explosion vor dem Finale.

Düster, schwer, gleichzeitig unglaublich treibend – genau diese Mischung, die Manntra live so stark macht. Zum Abschluss folgt mit „Naranča“ eine unerwartete, aber perfekt gesetzte Zugabe. Der Song bringt eine andere Farbe ins Set, ohne den Druck zu verlieren – eher wie ein letztes Aufleuchten nach einem langen Sturm. Das Publikum singt, klatscht – und als der letzte Ton verklingt, wirkt das Knust für einen Moment seltsam still. Ein Abend zwischen Melodie und Wucht, zwischen Tanz und Metal-Riff. Und wieder zeigt sich, wie gut diese Szene funktioniert, wenn Bands nicht versuchen, perfekt zu sein – sondern einfach ehrlich laut.

Text & Photos: Thomas Friedel Fuhrmann

Setlist Manntra:
„Titans“ • „Morana“ • „Yelena“ • „In the Shadows“ • „Teuta“ • „The Hunter“ • „Barren King“ • „Unholy Water (Voda)“ • „The Heart of the Storm“ • „So ist das Leben“ • „Slave“ • „Higher“ • „Skal“ • „Ori Ori“ ••• „Invocation“ • „Heathens“ • „Kiša“ • „Domain“ • „Nightmare“ ••• „Naranča“ (Putokazi cover)

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