So war es bei MOTIONLESS IN WHITE

25. Februar 2026, Wien, Stadthalle
Support: Make Them Suffer, Dayseeker

Unsere Welt ist erfüllt von Phänomenen, unerwarteten Dynamiken und Zusammenhalt in einer Zeit der Spaltung. Und wo sonst sollte man diese finden, wenn nicht auf Konzerten. Wo die Herzen aller Zuschauer im Einklang mit dem Takt schlagen? Diese Phänomene der Massendynamik finden wir in unerwarteten Augenblicken. Wie dem Moment, in dem das Publikum in nur einem Wimpernschlag den gesamten Saal von den Tribünen bis zum Mittelpunkt in ein Meer aus kleinen Lichtern hüllt. Als seien sie Teil der Performance. Oder wenn ein russisches Tierschutzkätzchen Metalcore-Fans auf der ganzen Welt zum Verzücken bringt.

Mittwochabend und eine Generation von Metal(core)-Fans stand Schlange. Auf ihrer „The Afraid of the Dark“-Tour machten Motionless In White auch in Wien halt. Nachdem sie im vergangenen Jahr noch das Gasometer ausverkauften, resultierte der nächste Schritt in der Wiener Stadthalle. Nicht ausverkauft, aber sehr gut besucht.

MAKE THEM SUFFER

Den Abend eröffneten die Australier Make them Suffer mit energetischer Härte. Melodische Gitarrenriffs wechselten sich mit harten Breakdowns ab, Bassist Jaya Jeffery entlockte seinem 5-Saiter-Spector knackige Bassläufe, die Drums trieben die Menge an und Sänger Sean Harmanis‘ brachiale Growls wurden mit klangvollem Cleangesang seitens Keyboarderin und Co-Sängerin Alex Reade ergänzt. Während ihres 30-minütigen Sets fegten die Künstler über die Bühne und hinterließen ein euphorisches Publikum, das nach mehr lechzte.

DAYSEEKER

Mit Dayseeker wichen harte Metalcore-Sounds zugunsten emotionsgetragener Töne. Auf den drei Videowalls erschien das Motiv ihres neuen Albums „Creature in the Black Night“ in pinken Farbtönen und gefühlvolle Klänge durchdrangen den Saal. Mit Songs wie „Without Me“, dem Titelsong des neuen Werks oder „Sleeptalk“ berauschten die Kalifornier ihre Zuschauer. Was daraus resultierte, war eine Symbiose: Während Sänger Rory Rodriguez den Bühnensteg beschritt und von einer Oktave in die nächste wechselte, wurde er mit dem Publikum eins. Er lieferte den Gesang, seine Fans ein Lichtermeer. Mit „Neon Grave“ beendeten sie ihr Set und machten Platz für den Headliner.

MOTIONLESS IN WHITE

Um 21:15 Uhr erloschen die Lichter und die Videowalls leuchteten hell auf. Im Mittelpunkt der Star des Intros: Ethel, eine russische Katze, die durch ein Internet-Meme internationale Bekanntheit erreichte. Den Ursprung hatte „OIIA – The Spinning Cat“ in einem Video einer Tierschutzorganisation, zur Förderung von Haustieradoptionen. Heute geht das blinde Kätzchen aus Omsk mit Motionless In White auf Tour. Zumindest, um deren Show auf der großen Leinwand zu eröffnen.

Glockenläuten. Sirenengeheul. Unter roten Scheinwerfern und tosendem Beifall betraten die Künstler die Bühne. „I can’t fucking hear you!“, schrie Sänger Chris Cerulli, das Publikum antwortete und schon fegte die treibende Nummer „Meltdown“ durch die Halle. Mit dem ersten Breakdown schossen Feuerfontänen empor. Hinzu gesellte sich eine entflammende Bühnenshow der Performancegruppe „Cherry Bombs“. Auf „Sign of Life“ – der zweiten Nummer des 2022 erschienen „Scoring the End of the World“-Albums – folgte der gesellschaftskritische Song „A-M-E-R-I-C-A“ und die Konfettikanonen kamen zum Einsatz. Mit „Thoughts & Prayers“ schloss gleich der nächste kritische Track an. Darauf folgte der Publikumsliebling „Voices“ und die Halle grölte mit. Selbst die Neuerscheinung „Afraid of the Dark“, die erst Ende Januar erschien, wurde aus vielen Kehlen mitgesungen. Davon abgesehen war das Publikum überraschenderweise recht bewegungsarm, doch bei genauerer Betrachtung war dies nicht verwunderlich, denn jede Sekunde belebte ein anderes Element die Bühne. Von der Lichttechnik bis zu den Performance-Künstlerinnen war das gesamte Konzert durchchoreografiert. Einmal Headbangen, und man hätte etwas verpasst. Die eingängigen Lieder begleiteten  eine abwechslungsreiche Bühnenshow, stimmige Visuals und Pyroshow. Ein Kamerateam übernahm die Live-Übertragung auf die Videowalls, durchbrochen von immer wiederkehrenden Musikvideos. Wie beispielsweise bei dem melodischen Stück „Werewolf“.

Spätestens bei „Hollow Points“ kam mehr Bewegung auf und der Moshpit wurde eröffnet. Zugleich erhoben sich einige Crowdsurfer über die Häupter der Menge – und über den Moshpit – hinweg, was für reichlich Bierduschen sorgte.  Mit „One, two, three, jump!“ läutete Sänger Chris „Necessary Evil“ ein und das Publikum ging mit. Feuerfontänen zischten im Einklang mit der eingängigen Melodie in die Höhe. Während des Refrains hätte der Tontechniker das Mikrofon auch abstellen können, denn das Publikum brüllte jedes Wort mit. Für „Slaughterhouse“ holte sich die Band den „Make Them Suffer“-Sänger Sean Harmanis zur Unterstützung auf die Bühne. Es folgten Nummern wie „Rats“, „Disguise und „Nothing Ever After“. In seinen Ansagen zeigte der Sänger sich vor allem dankbar. „Seit letztem Jahr habt ihr euch verdoppelt“, stellte er überglücklich fest. Auf die Frage hin, wer im Saal nach einem ihrer Konzertbesuche an diesem Tage wiederkehrte, erhob sich die Mehrheit der Hände.

Motionless In White haben in den letzten Jahren deutliches Wachstum hingelegt. Ein Generationenphänomen? Interessant war, dass sich Musiker wie Konzertbesucher durchschnittlich im gleichen Alter befanden. Auch das machte sich in den Visuals deutlich bemerkbar. Sowohl inhaltlich als auch gesellschaftlich spiegelte die Band die Probleme, Sorgen und Interessen der Millenial-Generation wider. Mit der Frage: „Wo sind die Oldschool-Fans?“ erklang der 15 Jahre alte Song „City Lights“. Die Menge tobte und bewies ihre langjährige Treue.  Nach „Not My Type: Dead As Fuck 2“ und Cyberhex ging es ohne des Prozederes des Verschwindens und Wiederkehrens für Zugaben gefühlvoll weiter. „Another Life“ und „Eternally Yours“ bildeten den krönenden Abschluss unter Kunstschneeregen und dem Verteilen von Rosen.

Fazit: Motionless In White lieferten ein fulminantes Konzert mit grandiosem Sound, einer durchchoreographierten Live-Performance mit allem, was dazugehört und noch mehr. – Mehr als sehenswert!

Text & Photos: Gina Riot

Setlist Motionless In White:
„Meltdown“ • „Sign of Life“ •  „A-M-E-R-I-C-A“ • „Thoughts & Prayers“ • „Voices“ • „Afraid of the Dark“ • „Werewolf“ • „Hollow Points“ • „Necessary Evil“ • „Slaughterhouse“ • „Rats“ • „Disguise“ • „Nothing Ever After“ • „Scoring the End of the World“ • „City Lights“ • „Not My Type: Dead as Fuck 2“ • „Cyberhex“ • „Another Life“ • „Eternally Yours“

Schon unseren Newsletter abonniert?

Wähle Deine Wunsch-CD als Abo-Prämie: