NATURE OF WIRES + MACHINA X im Interview (2/2)

Ein Klassiker der Achtzigerjahre in neuem, dunklerem Gewand: Mit ihrer Interpretation von Icehouses „Hey Little Girl“ verleihen Gary Watts (Nature of Wires) und Annie James (Machina X) dem bekannten Song eine ganz eigene, intensive Note. Lies unser zweiteiliges Interview hier. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, hier kannst Du ihn nachlesen.
Orkus: Das Original ist geradezu typisch für die 80er! Was verbindet ihr mit diesem Jahrzehnt?
Annie James: Das ist eine gute Frage – und eigentlich ein ganzes Essay für sich! Musikalisch hatte dieses Jahrzehnt ohne Zweifel etwas ganz Besonderes. Es war, als hätte jemand einen musikalischen Wasserhahn aufgedreht – so viele Ikonen kamen in den 80ern hervor, so viele große Einflüsse, und überall sprossen neue Genres aus dem Boden, die bei mir definitiv einen Nerv getroffen haben! Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind alles an Musik aufgesogen habe, was mir über Fernsehen, Radio oder Freunde begegnete. Besonders die vielen Synthie-Künstler mit ihren starken eigenen Identitäten faszinierten mich. Für ein kleines Kind war das alles irgendwie außerirdisch, magisch – ein theatralischer Eskapismus. Diese frühen Musikvideos mögen heute vielleicht etwas kitschig wirken, aber damals waren sie alles andere als das. Diese Zeit legte den Grundstein für meine tiefe Wertschätzung vieler unterschiedlicher Musikrichtungen, in die ich auch heute noch gerne eintauche und die mich immer inspirieren werden.
Gary Watts: Die Zeit zwischen 1979 und 1985 waren meine Teenagerjahre. Mir scheint, dass die meisten Menschen an der Musik festhalten, die sie als Teenager geliebt haben – und bei mir ist das nicht anders. Es ist eine Zeit, in der sich das Gehirn und die Persönlichkeit stark verändern, und so viele Songs aus dieser Zeit wecken bei mir ganz bestimmte Erinnerungen an Schule, College, Orte und Mädchen, in die ich verliebt war.
O: Was schätzt ihr besonders aneinander?
A: Abgesehen von seinem offensichtlichen musikalischen und technischen Talent kann er unglaublich geduldig und tolerant sein, wenn wir zusammen Songs schreiben. Ich liebe es, am Aufbau der instrumentalen Seite beteiligt zu sein, und habe manchmal, ähm … interessante Ideen für die Produktion – Dinge, die in meinem Kopf funktionieren und die ich hören kann. Und Gary ist bereit, sie auszuprobieren. „Static Icons“ ist voll davon.
Er hört mir zu, schätzt meine kreativen Ideen und sorgt dafür, dass die Dinge großartig klingen. Auch live ist er ein toller Mensch – sehr bodenständig und praktisch. Für jemanden wie mich ist das ein guter Anker, besonders wenn wir auftreten. Er hat definitiv eine beruhigende Wirkung und es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten. Ich sollte jetzt besser aufhören, bevor ich anfange, noch mehr von ihm zu schwärmen, hahaha!
G: Annie ist nicht nur eine sehr gute Songwriterin, sondern hat auch ein unglaubliches Gehör – meines ist furchtbar. Ihre Liebe zum Detail ist erstaunlich. Manchmal treibt sie mich in den Wahnsinn, besonders wenn wir schon bei der zwölften Version eines Songs angekommen sind und es immer noch ein paar Konsonanten gibt, die nicht laut genug sind. Aber Annie liegt nie falsch, und die kleinen Änderungen brauchen meist nur ein paar Minuten. Ich mache zwar Witze darüber, aber ich würde es nicht anders haben wollen.
O: Was sind eure Pläne für die nähere Zukunft? Wird es noch mehr von euch beiden geben?
A: Ich würde gerne glauben, dass noch mehr von uns kommen wird. Gary war mit anderen Projekten besonders beschäftigt, außerdem haben wir beide normale Jobs. Und da wir vier Stunden voneinander entfernt wohnen, erfordert die Organisation von Konzerten zusätzliche Planung – daran arbeite ich noch! Ich würde auf jeden Fall gerne mehr live spielen, zumal wir bereits eine Setlist mit etwa acht oder neun Songs haben. Ich denke, es heißt also: abwarten und sehen!
G: Anfang dieses Jahres habe ich in eine Menge analoges Equipment von Moog investiert und plane, eine Sammlung kurzer Instrumentalstücke zu schaffen, jeweils mit unterschiedlichen Sängerinnen und Sängern – Annie eingeschlossen. Eigentlich sind wir längst überfällig damit, einen neuen Song zu schreiben. Aber da ich dieses Jahr mit Deviant und Nature of Wires – zusammen mit meinem ursprünglichen Sänger Andrew – so beschäftigt war, haben die Moogs bisher eher Staub angesetzt und das Projekt ist nicht wirklich in Gang gekommen. Meine Priorität, sobald ich wieder damit weitermache, ist es, etwas Neues für Annie zu schreiben. Dann hätten wir genug Material, um ein Album zu veröffentlichen, auf dem die bereits erschienenen Singles sowie ein oder zwei neue Songs enthalten sind.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Höre „Hey Little Girl“ auf Bandcamp.
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