OCINN im Interview (1/2)

Ocinn wurde 2007 gegründet, 2020 veröffentlichte sie ihr erstes Album. Wir sprechen mit Nico über ihr außergewöhnliches Projekt und das neue Album „Nebelgeister“.
Orkus: Wie kamst du denn überhaupt dazu, Musik zu machen?
Nico: Ehrlich gesagt kann ich gar keinen bestimmten Moment nennen. Musik war einfach schon immer ein Teil von mir. Sie begleitet meinen Alltag, macht mich glücklich und lässt mich meine Gefühle ausdrücken. Für mich ist Musik wie Luft zum Atmen – ein Leben ohne sie kann ich mir nicht vorstellen.
O: Du hast schon mit fünf Jahren Klavier spielen gelernt. Erinnerst du dich noch, wie es dazu kam bzw. wie daraus eine richtige Leidenschaft wurde?
N: Als ich klein war, fragte meine Mama mich, ob ich nicht ein Instrument ausprobieren möchte. Mit fünf Jahren weiß man natürlich noch nicht wirklich, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Sie schlug vor, dass ich einmal das Klavier ausprobieren könnte und seitdem bin ich dabei geblieben. Es war von Anfang an „mein“ Instrument.
Die Leidenschaft dafür hat sich dann sehr schnell entwickelt, besonders als ich die klassische Musik für mich entdeckt habe. Schon als Kind haben mich Stücke von Mozart, Beethoven, Chopin oder Schubert unglaublich fasziniert.
O: Spielst du noch andere Instrumente und gibt es eines, das dich darüber hinaus noch interessieren würde?
N: Ich spiele hauptsächlich Bass, vor allem Sechssaiter. Mich faszinieren besonders tiefe Töne und eher düstere Klangfarben. Ein Instrument, das mich schon lange beeindruckt, ist die Orgel. Diese Klangwelt hat mich so sehr interessiert, dass ich kürzlich begonnen habe, mich intensiv damit auseinanderzusetzen. Aktuell ist das wohl mein herausforderndstes Projekt seit langer Zeit. Sehr komplex, aber auch unglaublich spannend. Neben dem Bass spiele ich auch etwas Gitarre. Grundsätzlich bin ich aber für jedes Instrument offen und probiere gerne Neues aus. Mich reizt es, verschiedene Klangwelten kennenzulernen und musikalisch immer wieder neue Perspektiven zu entdecken.
O: Was hat es mit dem Namen auf sich? Was bedeutet Ocinn?
N: Ocinn ist eine Reflexion meiner selbst, meiner Gedanken, meiner Gefühle und meiner inneren Welt. Dieses Projekt spiegelt wider, wer ich als Mensch bin. Deshalb entstand die Idee, meinen eigenen Namen zu verwenden, ihn jedoch wie in einem Spiegel darzustellen. So wurde aus Nico „Ocinn“. Ein Spiegelbild meiner selbst, dieselbe Person, nur aus einer anderen Perspektive.
O: Mit „Nebelgeister“ veröffentlichst du bereits dein viertes Album. Wie können wir uns die Arbeit daran vorstellen? Hattest du von Anfang an ein gewisses Konzept im Kopf, einen roten Faden?
N: Wenn ich anfange zu arbeiten, lasse ich mich gerne vom kreativen Prozess treiben. Meist habe ich zwar eine ungefähre Vorstellung davon, in welche Richtung sich ein Stück entwickeln könnte, doch der eigentliche rote Faden entsteht oft erst während der Arbeit selbst. Beim Projekt „Nebelgeister“ war das Thema jedoch schon sehr früh klar, was dem Prozess von Anfang an eine gewisse Struktur gegeben hat. Schon während der Recherche beginnt bei mir meist das Songwriting. Sobald ich etwas entdecke, das mich berührt oder fasziniert, wird es zur Inspiration und der kreative Prozess setzt sich in Bewegung. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit klassischer Musik, minimalistischer Klaviermusik, aber auch mit anderen Kunstformen wie Lyrik und bildender Kunst beschäftigt. Zwischendurch gab es sogar eine Phase, in der Jazz für mich eine wichtige Inspirationsquelle war. Auch wenn das im Album nicht direkt hörbar ist, hat mir diese Zeit neue Perspektiven auf mein Instrument eröffnet. All diese Eindrücke fließen in meine Arbeit ein. Durch die Recherche sammle ich gewissermaßen Inspirationen, die meinen kreativen Prozess nähren und aus denen nach und nach die Stücke entstehen.
O: Was hat es mit dem Titel „Nebelgeister“ auf sich?
N: Ich habe sowohl deutsche als auch italienische Wurzeln. Mit dem Album „Nebelgeister“ wollte ich bewusst den Fokus auf meine deutschen Wurzeln legen. Der Hintergrund dafür ist, dass ich meine vorherige Trilogie „Songs from the Past“ meinen ladinischen Wurzeln, einer Minderheit aus Norditalien, gewidmet habe. Das Thema Nebel stand von Anfang an im Raum. Deshalb habe ich mich intensiv damit beschäftigt, wie Nebel in Mythologie, Lyrik, Poesie und auch in der bildenden Kunst dargestellt und wahrgenommen wird. Inspiration fand ich dabei unter anderem bei Hermann Hesse oder Caspar David Friedrich. Im Laufe dieser Recherche bin ich schließlich auf die Nebelgeister gestoßen. Meine eigenen Nebelgeister greifen Geschichten und Vorstellungen aus dem süddeutschen Raum auf, die ich durch meine Recherchen und meine persönliche Interpretation neu aufgegriffen habe. Nebel trägt für mich generell eine ganz besondere Atmosphäre in sich. Etwas Düsteres, Geheimnisvolles, aber gleichzeitig auch etwas Romantisches. Die Idee der Nebelgeister verstärkt und vertieft genau diese Stimmung.
Claudia Zinn-Zinnenburg
In Kürze setzen wir unser Interview mit Ocinn fort. Mehr über sie erfährst Du auch in unserer Mai/Juni-Ausgabe.

Die Mai/Juni-Ausgabe bestellen:
Höre Ocinn in unserer „Current Issue“-Playlist auf Spotify:
Schon unseren Newsletter abonniert?

Wähle Deine Wunsch-CD als Abo-Prämie: