SISTER MAY im Interview (2/2)

Intensiv ziehen Sister May mit ihrem Konzeptalbum „VII“ sofort in ihren Bann. Jeder Song soll einen unterschiedlichen Aspekt des großen Kollapses beschreiben, der uns bevorsteht – oder der vielleicht längst eingetroffen ist? – Darüber sprechen wir in unserem zweiteiligen Interview. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.
Orkus: Ihr habt ein atemberaubendes Video zu „Shadows“ gedreht. Wie kam es zu der Idee für diese nahtlosen Übergänge?
Bert Goethals: Wir wollten, dass sich das Video wie eine einzige fortlaufende Bewegung anfühlt – ohne klaren Anfang, ohne klares Ende. Die nahtlosen Übergänge spiegeln wider, wie alles auf dem Album miteinander verbunden ist. Es gibt keine isolierten Momente – alles fließt in etwas anderes über, ob man es bemerkt oder nicht. Visuell haben wir versucht, dieses Gefühl der Unausweichlichkeit widerzuspiegeln.
O: „Shattered Love“ ist ebenfalls besonders intensiv. Wie ist dieser Song entstanden?
BG: „Shattered Love“ entspringt einem Ort, an dem Verbindungen zu zerbrechen beginnen. Nicht auf dramatische Weise, sondern auf sehr subtile, fast unsichtbare Weise. Es geht um die wachsende Distanz, wo früher Nähe herrschte, und um die Frustration, diesen Prozess nicht aufhalten zu können.
O: Ihr betrachtet die verschiedenen Aspekte des Zusammenbruchs. Glaubst du, dass er bald eintreten wird – oder sind wir bereits auf dem besten Weg dahin?
BG: Ich glaube, wir stecken schon mittendrin. Nicht unbedingt ein sichtbarer Zusammenbruch, sondern etwas darunter – Systeme werden schwerfälliger, Menschen verlieren zunehmend den Kontakt zueinander. Das geschieht nicht über Nacht. Es ist ein langsamer Prozess, und genau das macht ihn so gefährlich.
O: Was können wir tun, um die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen?
BG: Das ist der schwierige Teil – es gibt keine einfache Antwort. Aber ich denke, Bewusstsein ist ein Ausgangspunkt. Die Muster erkennen, sie hinterfragen und versuchen, auf menschlicher Ebene wieder eine Verbindung herzustellen. Das klingt klein, aber vielleicht beginnt Veränderung genau dort.
O: Was sind die Zukunftspläne für Sister May?
BG: Im Moment konzentrieren wir uns darauf, „VII“ so intensiv wie möglich auf die Bühne zu bringen. Wir expandieren international, vor allem in Belgien und den Niederlanden, und arbeiten auf etwas Größeres hin. 2027 feiern Sister May ihr zehnjähriges Jubiläum, und wir wollen, dass das ein entscheidender Moment wird. Aber vor allem wollen wir einfach weiter vorankommen. Ohne Kompromisse.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Line-up:
Bert Goethals– Gesang
Carl Vangheluwe– Gitarre
Wannes Desramault – Bass
Stefaan Degryse– Schlagzeug
Höre das Album „VII“ auf Spotify:
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