END OF GREEN im Interview (2/3)

Neun Jahre nach „Void Estate“ melden sich end of green mit „Ashes & Gold“ zurück – und bringen nicht nur ihr zehntes Studioalbum, sondern auch drei Jahrzehnte Bandgeschichte mit. Zwischen Verlust und Zuversicht, Wut und Melancholie blicken sie auf eine Welt, die ihnen reichlich Stoff für neue Songs liefert. In unserem dreiteiligen Interview geht es um die Entstehung des neuen Albums, die Schatten der Vergangenheit, persönliche Verluste und die Kraft, trotz allem weiterzumachen. Teil 1 kannst Du hier nachlesen.
Orkus: 2026 markiert auch das 30-jährige Jubiläum eures ersten Albums! Fühlt es sich für dich überhaupt nach „so lange“ an?
Kirk Kerker: Der Kopf sagt „Nein“, manche Körperteile schreien laut und deutlich „Darauf kannst du Gift nehmen“.
O: Welche Erinnerungen kommen in dir hoch, wenn du auf eure Anfangszeiten zurückblickst?
KK: In unseren Anfangszeiten ist um uns herum musikalisch sehr viel passiert. Wir haben alles wie Schwämme aufgesogen und unser eigenes Süppchen daraus gekocht. Wir haben jede Gelegenheit genutzt, um aufzutreten und durften zum Glück früh die Erfahrung machen, dass wir außerhalb unserer Blase von Leuten verstanden werden. Und umgekehrt. Das hat uns viele wertvolle, unvergessliche Momente und Begegnungen beschert und uns durch alle Höhen und Tiefen getragen. Wir werden diese Zeit immer im Gepäck haben … so, wie die Folgen lebensverkürzender Maßnahmen.
O: Mit dem Song „Angry Son of an Angry Old Man“ seid ihr ganz am Puls der Zeit. Gab es eine konkrete Inspirationsquelle?
KK: „Am Puls der Zeit“ klingt nach einem Kompliment. Vielen Dank! Uns haben die 80er und 90er geprägt, als man Platten fast blind nach Labels kaufen konnte. Ich will an der Stelle zur Abwechslung mal die Plattenfirmen erwähnen, weil diese ebenfalls die Musikwelt prägen. Factory, Fiction, Sub Pop, White Jazz, Earache, Music for Nations, Alternative Tentacles, etc. – um nur ein paar zu nennen. Hier schlummern bis heute Inspirationsquellen, die immer wieder – wenn auch unbewusst – in uns hochsprudeln. Man kann also sagen: es sind die Schatten unserer Vergangenheit, welche sich zu den dunklen Ecken der Gegenwart gesellen.
O: Auch dazu gibt es ein schönes Video. Ein Live-Video. Können wir uns so die Proben bei end of green vorstellen?
KK: Kommt ungefähr hin – nur nicht ganz so sportlich, mit weniger Licht und weniger Sonnenbrillen.
O: Apropos proben … ab wann bereitet ihr euch auf die anstehende Tour vor? Und worauf freut ihr euch besonders?
KK: Die Vorbereitungen haben eigentlich schon mit den Aufnahmen begonnen. Jetzt warten wir nur noch auf das „Go“ vom Arzt. Spaß beiseite: Natürlich müssen die neuen Songs für die Bühne arrangiert werden und wir nehmen uns auch schon einen nach dem anderen vor. Wir freuen uns auf unsere Supportbands, auf die vielen bekannten Gesichter und die Eindrücke, die wir mitnehmen werden.
O: Zurück zum Album. „The Great Killing“ ist auch ein toller Song, wütend und wahr … „time to kill the stupind being, seems there is no other healing“ … Denkst du, wäre das die ultimative Lösung für unseren Planeten?
KK: Wenn ich für „unseren“ Planeten sprechen darf: Ja! Aber er wird eben nie gefragt. Zumindest hat er schon die Lösung parat und teilt sie uns sogar immer wieder mit. Zu seinem Leidwesen leider nicht per WhatsApp und ohne Selfie … wegen erhöhter Bodyshaming-Gefahr.
O: Und abgesehen vom Sterben … was könnten wir tun, um die Welt doch noch zu einem besseren Ort zu machen?
KK: Zuerst sollten wir uns vielleicht darüber klar werden, wie es NICHT geht. Wir sollten uns weniger mit unserem „Remake“ der Natur beschäftigen und endlich die natürlichen Grenzen akzeptieren. Wer mit Vollgas auf eine Schranke zurast, wird vermutlich mehr als nur Blechschaden haben. Da haben zum Beispiel Hunde den Dreh raus. Man muss nur in den Spiegel schauen, den einem das Tier vorhält. „Burn by the fire, we made“ (siehe „Painful Desire“).
Claudia Zinn-Zinnenburg
In Kürze setzen wir unser Interview fort.
Mehr über end of green erfährst Du in unserer Oktober/November-Ausgabe:

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