So war es bei DIARY OF DREAMS

13. Dezember 2025, Hamburg, Markthalle
Support: Auger

Eine feste Größe im Schatten

Seit über drei Jahrzehnten sind Diary of Dreams mehr als nur eine Band – sie sind ein Fixpunkt der schwarzen Szene. Was Anfang der Neunzigerjahre als persönliches Projekt von Adrian Hates begann, wuchs zu einem Klangkosmos heran, der Dark Wave, Electro, Gothic und emotionale Härte mühelos verbindet. Diary of Dreams stehen für Konsequenz, für Entwicklung ohne Verrat an sich selbst, für Songs, die nicht gefallen wollen, sondern begleiten. Adrian Hates schreibt keine Lieder für den Moment – er schreibt für Menschen, die Ewigkeit. Für Nächte, die sich festsetzen. Für Gefühle, die man nicht loswerden will. Am 13. Dezember 2025 führte dieser Weg in die ausverkaufte Hamburger Markthalle. Ein Ort mit Geschichte, rau und offen, perfekt für einen Abend, der nicht auf Distanz setzte. Das Publikum: dicht, aufmerksam, textsicher. Keine Kulisse – sondern Teil des Geschehens.

Wenn Nähe Gewicht bekommt

Die Markthalle war ausverkauft, aber nicht überladen. Warmes Licht schnitt klare Kanten in den Raum, Nebel lag wie ein atmender Schleier über der Bühne. Vorne kein Gedränge, sondern Erwartung. Hinten kein Rückzug, sondern Aufmerksamkeit. Ein Publikum, das wusste, warum es hier war – und blieb.

Der Raum wird geöffnet

Auger übernahmen den Auftakt und taten genau das, was ein guter Support tun sollte: den Raum vorbereiten, ohne sich aufzudrängen. Mit düsterem, modernem Dark Electro, klaren Beats und kontrollierter Härte zogen sie das Publikum früh in den Abend hinein. Keine bloße Einstimmung, sondern ein ernstzunehmender Start, der zeigte, dass diese Nacht nicht langsam beginnen würde.

Druck, Bewegung, Innenschau

Diary of Dreams öffneten den Abend mit den neuen Stücken „Kein Allein“ und „The Chemistry of Pain“ – reduziert, konzentriert, mit diesem speziellen Ziehen im Bauch, das neue Songs haben, wenn sie sofort funktionieren. Sie standen im Raum, schwer und offen zugleich. „Chemicals“ und „Mankind“ schoben danach die Elektronik nach vorn, gaben Struktur, es folgte „Reign of Chaos“, kalt und präzise gesetzt. Plötzlich wurde es körperlicher: „Viva La Bestia“ traf mit voller Wucht, tanzbar und zwingend, ohne Leichtigkeit zu versprechen. Ein Song mit Zähnen. „Schuldig!“ und „Dead to Me“ hielten den Druck hoch – letzterer erneut aus der frischen EP „Dead End Dreams (Chapter 1)“, roh, düster und direkt. „StummKult“ und „Nekrolog 43“ ließen die Halle spürbar dichter werden.

Im Anschluss öffnete sich der Raum mit „But the Wind Was Stronger“ und „King of Nowhere“, getragen, fast schwebend, bevor „Tomorrow’s Past“ die Gegenwart mit Nachdruck festnagelte. „The Secret“ und „Hurt People Hurt People“ setzten die emotionale Klammer, verletzlich und ungeschönt – wie innere Monologe, nicht erklärt, nur offengelegt. Mit „Endless Nights“, „Lebenslang“ und „She and Her Darkness“ steuerte das Set zielstrebig auf sein Ende zu – kein Abflachen, sondern Verdichtung. Keine Ermüdung. Kein Abfall, nur Konsequenz.

Tanzfläche und Stillstand

Die erste Zugabe brachte Erleichterung und Bewegung: „Butterfly:Dance!“ riss die Tanzfläche auf, ließ Körper los, „Undividable“ hielt sie fest. Danach „A Day in December“, ein kurzer Blick nach innen – passend im Titel, passend im Gefühl. Dann wurde es still. „Ikarus“, akustisch, begleitet vom Piano, nahm der Markthalle jede Schwere und ließ sie trotzdem nicht entkommen. Und schließlich „Traumtänzer“. Leise begonnen. Offen beendet. Das Publikum sang. Erst zögerlich, dann sicher, dann laut. Der Refrain wurde wiederholt, getragen, gehalten – über zwei Minuten lang. Stimmen statt Applaus. Nähe statt Lärm.

Gänsehaut. Echt. Ungeplant. Unvergesslich.

Ein Abend als kollektives Herz

Diary Of Dreams in der Hamburger Markthalle war kein Blick zurück. Es war ein Jetzt. Ein Konzert ohne Überhöhung, ohne Pathos, ohne Sicherheitsnetz. Dunkel, ja – aber lebendig. Tanzbar, aber tief. Ein Abend, der nicht erklären wollte, warum diese Band relevant ist. Man wusste es längst. Und man ging mit dem Gefühl, dass manche Musik nicht endet, wenn das Licht angeht. Sie bleibt. Still. Hartnäckig. Wahr.

Text & Photos: Thomas Friedel Fuhrmann – zwischen Nebel, Noten und dem, was bleibt

Setlist:
• „Kein Allein“ • „The Chemistry of Pain“ • „Chemicals“ • „Mankind“ • „Reign of Chaos“ • „Viva La Bestia“ • „Schuldig!“ • „Dead to Me“ • „StummKult“ • „Nekrolog 43“ • „But the Wind Was Stronger“ • „King of Nowhere“ • „Tomorrow’s Past“ • „The Secret“ • „Hurt People hurt People“ • „Endless Nights“ • „Lebenslang“ • „She and Her Darkness“ ••• „Butterfly:Dance!“ • „Undividable“ ••• „A Day in December“ ••• „Ikarus“ • „Traumtänzer“

In unserer Winterausgabe führen wir ein Interview mit Adrian Hates, in dem wir ausgiebig über das aktuelle Album sprechen.

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