CHAPTER 7 im Interview (1/2)

Photo: Sascha Kramer

Zwischen intensiven Emotionen, dunklen Klangwelten und einer ganz eigenen Sprache entstand Chapter 7s Debütalbum „Tränenmeer“ – ein Werk, das tief unter die Oberfläche geht. Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit David über die Entstehung von Chapter 7, die besondere Zusammenarbeit mit Gracia und die Geschichten hinter den Songs.

Orkus: Was hat es mit dem Bandnamen auf sich? Warum Chapter 7?
David: Wir schlagen mit Chapter 7 ein ganz neues Kapitel auf! Die Zahl 7 ist seit der Geburt meiner Tochter Janine, die am 07. März geboren wurde, meine Lieblingszahl. Dass die Kombination Chapter 7 in Amerika der Paragraf zur Privatinsolvenz ist, ist uns bewusst, konnte uns dennoch letztlich nicht davon abhalten, eben genau jenen Namen zu wählen. (lacht)

Gracia: Die Zahl 7 besetzt zudem in etlichen Kulturen und Religionen einen besonderen symbolischen / spirituellen Wert.

O: Einerseits ist es natürlich, dass man als Paar gemeinsame Interessen hat, und angesichts eurer musikalischen Talente wundert es nicht, dass auch eine solche Zusammenarbeit gut klappt. Andererseits stelle ich mir die Arbeiten auch sehr intensiv vor, und das ist vielleicht nicht unbedingt ein Vorteil für Beziehungen. Wie geht es euch damit?
Gracia: Ganz ehrlich gesagt klappt das bei uns seit jeher ziemlich gut, da Musik und ein gegenseitiger Support schon immer Basis unseres gemeinsamen Lebens waren. Sicher kann es in Zeiten, in denen das gesamte Arbeitsvolumen exorbitant groß ist und damit ebenso das Stresslevel auch einmal ein bisschen angespannter werden. Das sehen wir aber nicht als Nachteil für unsere Beziehung an. Reibungspunkte in Stresssituationen gibt es in vielen Partnerschaften. Wir schlagen jedoch in fast allen Dingen im selben Takt und wissen genau, wo wir angreifen müssen, um gerade dann auch alles am Laufen halten zu können. Immerhin wissen wir immer ganz genau wovon der andere gerade spricht und wo unsere Stärken und eben auch Schwächen liegen.

O: Erster Vorbote auf das Album „Tränenmeer“ ist „Salz“. Wie kam es zu dieser Wahl und wie entstand dieser Song?
David: Ich hatte den Song schon einige Monate vor dem Text geschrieben. Zunächst war Chapter 7 als englischsprachiges Projekt geplant. Einige Tage, bevor ich Salz geschrieben hatte, tranken Gracia und ich eine Flasche Rotwein, vielleicht waren es auch zwei oder drei. An diesem Abend konfrontierte ich sie mit der Grundidee des Textes. „Salz“ ist ja nichts anderes als die Umschreibung für manifestierten Schweiß! Die Symbiose aus einem schweren Parfüm und einem unverwechselbaren Körpergeruch, der ein gewisses Kopfkino auslöst und dich fortan jagt! Am Tag, bevor ich den Text dann schließlich geschrieben hatte, kam mir der Gedanke, das ganze Projekt auf Deutsch zu realisieren, also weckte ich Gracia um kurz vor 2:00 Uhr morgens. Im Halbschlaf checkte sie erst gar nicht, was ich von ihr wollte, aber nachdem sie und ihr Gehirn schließlich wach waren erklärte ich ihr, dass der Anspruch an die Texte, den wir schließlich beide haben, letztlich deutlich rauer, emotionaler und auch spezieller ausfallen dürfte, wenn wir dies in unserer Muttersprache tun. Sprache ist ein wesentlicher Punkt und ich glaube genau in diesem Moment haben wir eine wegweisende Entscheidung getroffen, warum Chapter 7 eben nun das ist, was es ist!

O: Dazu gab es auch bereits ein interessantes Video. Wie habt ihr den Dreh erlebt und wie lange hat das Malen der Runen gedauert?
David: „Salz“ war ja letztlich die Initialzündung für alles, was kommen sollte. Demnach hat es natürlich schon etwas länger gedauert, da uns beiden klar war, dass das, was wir jetzt tun, uns wahrscheinlich auch eine ziemlich lange Zeit begleiten wird. Folglich hat das mit den Runen auch etwas länger gedauert als heute.

O: Inwieweit ist der Einsatz von KI heutzutage eurer Meinung nach legitim? Sowohl als visuelle Unterstützung als auch aus Sicht eines Produzenten?
David: Die Welt verändert sich jeden Tag. Da wir sehr textlastig unterwegs sind, ist die KI im Storytelling tatsächlich sehr hilfreich! Dies alles real zu filmen wäre in dieser Qualität schlichtweg nicht zu finanzieren. Dennoch sind unsere Videos alles andere als einfach zu realisieren. Da stecken hunderte von Stunden Arbeit drin, da der Look letztlich ja auch zu unserer Performance passen muss. Unsere Musik und die Texte sind dagegen auf die gute alte Art erschaffen worden.
Gracia: Das kommt sicher immer darauf an, wer es wofür genau verwendet, und was genau damit gemacht wird. Als visuelle Unterstützung für z. B. ein Musikvideo finden wir es, wie man ja auch sieht, absolut in Ordnung und auch in unserem Fall fast unumgänglich. Wenn man gewisse surreale Welten erschaffen möchte oder auch eine Geschichte bildhaft darstellen möchte, bei der es vielleicht nicht unbedingt ein ethisch vertretbarer Gedanke ist, echte Protagonisten vor die Kamera zu holen. In unserem Song „Sheera“ zum Beispiel geht es um Kindesmissbrauch. Niemals hätten wir ein echtes Kind das spielen lassen, auch wenn keines der Bilder auch nur ansatzweise explizit ist.

O: Wie ging es euch beim Singen von „Sheera“?
Gracia: Schon das erste Lesen des Textes hat mir Gänsehaut bereitet und so war es auch bei den Aufnahmen. Jedes Mal wenn ich den fertigen Song höre, komme ich genau zu diesem Punkt zurück. Man möchte kämpfen und aufbegehren gegen diese feigen Bestien, die schon so viele Kinderseelen ins Unglück gerissen haben. Ein extrem wichtiges Thema, zu dem man nicht laut genug sein kann, damit mehr Menschen genauer hinsehen und helfen.
David: Ich hatte diesen Kampf bereits beim Schreiben der Zeilen. Es offenbart die schlimmsten Ängste!

Maria Vain

In Kürze setzen wir unser Interview fort.

Sieh Dir das Interview zu „Sheera“ an:

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