PUSCIFER im Interview (2/2)

Im ersten Teil sprachen wir mit Mat Mitchell bereits über die Ursprünge des neuen Albums „Normal Isn’t“, das am 06. Februar 2026 herauskommt. Wir setzen unser Gespräch fort.
Wie im Sandkasten
Auf „Normal Isn’t“ spielt die Gitarre eine für Puscifer ungewöhnlich große Rolle. Der Gitarrist erklärt: „Für mich ging es bei der Gitarre darum, Wege zu finden, sie aggressiv und präsent zu machen, aber nicht so, wie wir es vom traditionellen Metal kennen. Ich mag es, wenn Gitarrenlinien wie die von Synthesizer oder Gesang sind. Ich mag es, wenn sie weniger grundlegend sind und eher wie kleine, eigenständige Ornamente wirken. Technisch gesehen ist es ein Fuzz-Sound.“ – Also eine Art dreckige Verzerrung. Wie können wir uns die Arbeit an dem Album vorstellen? „Maynard hat musikalisch einige der Grundideen beigesteuert, wie er es auch in der Vergangenheit getan hat, aber diesmal war es eher so, dass er Ideen für den Soundtrack dieses Albums, für einen Rhythmus oder für eine kleine Gesangsmelodie einbrachte. Bei diesem Album hat er eher weiterentwickelte Ideen beigesteuert, bei denen es vielleicht einige Gesangsparts gab oder einen Drum-Rhythmus als Fundament für eine Idee zu schaffen. Aber unser typischer Prozess ist immer noch derselbe: Wir nehmen diese Ideen, bringen sie alle in unseren eigenen Sandkasten mit und spielen damit herum und schauen, wie wir dazu beitragen und was wir hinzufügen können, und dann geben wir sie zurück und schauen. Wir werfen sie sozusagen hin und her und beobachten, wie sie hierhin und dann wieder dorthin wandern.“
Musik wird lebendig
Bei „Pendulum“ hört man richtig das Schwingen des Pendels. Wir erkundigen uns nach der Entstehung des Stücks. „Das begann musikalisch als Idee. Am Anfang war ein Fairlight-Sound, das ist ein Synthesizer aus den frühen Achtzigerjahren, der seine ganz eigene Stimme und Charakter hat und dazu neigt, einem zu sagen, wohin man damit gehen soll. Maynard fand Gefallen an der Idee und schrieb den Text. Dann kam der Drumbeat und es hat sich zu einer tanzbaren Nummer entwickelt.“ Der Song wurde bereits live vor Publikum gespielt. „Als wir das Album fertiggestellt hatten, haben wir beschlossen, zwei Shows zu spielen, um den Fans einen ersten Eindruck zu vermitteln“. Im Video sind Sequenzen daraus zu sehen. Neue Stücke erstmals vor Publikum zu präsentieren, ist sicherlich aufregend. War Mat nervös? „Dinge, die als Idee anfangen, werden irgendwie lebendig. Wir denken beim Schreiben nicht darüber nach, wie wir die Songs live umsetzen. Manchmal manövrieren wir uns damit selbst in eine Sackgasse. Die Nervosität lag also eher in der Vorproduktion. Eine Woche lang haben wir in einem Raum gesessen und versucht herauszufinden, wie wir den Song für die Live-Performance dekonstruieren können. Sobald wir vor Publikum spielen, beginnt der spaßige Teil. Es war spannend, den Leuten etwas zum ersten Mal vorzuspielen und zu beobachten, wie sie es aufnahmen.“
Gezeichnet
Vor kurzem kam das erste Comicheft der Reihe „Tales from the Puscifer“ heraus. Mat nickt: „Maynard ist immer kreativ und hat ständig neue Ideen. Seit den Anfängen von Puscifer hat er diese Figuren. Er mag es, Alter Egos und andere Persönlichkeiten zu haben, durch die er Geschichten erzählen kann. Es gibt Figuren, die man nur gesehen hat, wenn man zum Beispiel ganz am Anfang bei bestimmten Shows in Las Vegas zugegen war. Es ist eine gute Möglichkeit für ihn, zurückzugehen und einige dieser Figuren auftreten zu lassen und neue Geschichten zu erzählen.“ Mat selbst mag die Kunstform der Comics und die Art und Weise, wie sie Geschichten erzählen. Als Kind konnte er sich aber keine leisten.
Gemalt
Wir lassen unseren Blick auf das Albumcover zu „Normal Isn’t“ schweifen. „Das ist ein Künstler, den Maynard sehr schätzt und er fand dieses Werk, das seiner Meinung nach gut zu dem passte, was wir musikalisch und textlich machen. Es erzählt eine Geschichte, lässt aber auch genug Raum, um sich seine eigene Version auszumalen, was mir gefällt. Ich mag es, wenn Dinge offen genug sind, dass man seine eigene Bedeutung darin finden kann. Wir haben bisher noch nie etwas mit einem Kunstwerk im Stil der bildenden Kunst gemacht. Es ist cool, das mit einzubinden und zu einem zusammenhängenden Teil dessen, woran wir gearbeitet haben, zu machen.“
Claudia Zinn-Zinnenburg
Line-up:
Maynard James Keenan – Gesang
Carina Round – Gesang, Gitarre, Percussion
Mat Mitchell – Gitarre, Bass, Programmierung, Synthesizer, Produktion