So war es bei ROCK AM RING 2026 mit IRON MAIDEN, BLACK VEIL BRIDES u.v.m. (Teil 3/3)

Sonntag: Leidenschaft kennt keine Grenzen
Teil 1 kannst Du hier nachlesen. Als wir ein letztes Mal zum Festivalgelände aufbrachen, führte uns der Weg zunächst in unsere kleine Stammbäckerei unweit des Rings. Bei einem ausgiebigen Frühstück ließen wir gemeinsam mit unseren liebsten Magazinkollegen die vergangenen beiden Festivaltage Revue passieren. Rund 45.000 Schritte und viel zu kurze Nächte hatten zwar ihre Spuren hinterlassen, doch sobald der Ring lockte, spielte all das keine Rolle mehr. Diesmal hielt die Eifel sogar noch ein echtes Ass im Ärmel bereit. Statt Regenwolken begrüßten uns strahlend blauer Himmel und Sonnenschein bis in die Abendstunden. Besser hätte sich ein Festivalfinale kaum ankündigen können.
Wenn Vampire dem Sonnenlicht trotzen
Kaum eine Band hätte an diesem Sonntag einen größeren Kontrast zum Wetter bilden können. Schon die ersten „Andy! Andy!“-Rufe machten deutlich, wem die Aufmerksamkeit gehörte. Black Veil Brides brachten ihren melodischen Mix aus Hard Rock und modernem Metal auf die Utopia Stage. Im hellen Tageslicht entfaltete Andy Biersacks tiefschwarze Goth-Ästhetik eine ganz eigene Wirkung. Sein heller Teint ließ ihn vor dem strahlend blauen Himmel beinahe unwirklich erscheinen. Cargohose, Tanktop über einem enganliegenden Spitzenshirt und Hosenträger verliehen seinem Auftritt einen markanten Look, der sofort alle Blicke auf sich zog. Bereits zu „Knives and Pens“ sang das Publikum vom ersten Ton an lautstark mit, reckte Herzen und Pommesgabeln in die Höhe, während die Gitarristen wieder Rücken an Rücken ihre Riffs zelebrierten. Gerade einmal einen Monat nach Veröffentlichung ihres aktuellen Albums „Vindicate“ bewiesen Black Veil Brides großes Vertrauen in ihr neues Material und platzierten gleich fünf der frischen Songs in ihrer Setlist. Bemerkenswert dabei: Keiner der neuen Titel wirkte wie ein Fremdkörper. Stattdessen reihten sie sich ganz selbstverständlich zwischen die Fanfavoriten ein und wurden ebenso begeistert aufgenommen. Dabei entging Biersack kaum eine Regung vor der Bühne. Trotz der lautstarken Unterstützung registrierte er, dass die Menge zunächst noch zurückhaltend agierte. Mit trockenem Humor kommentierte er die Situation: „Thank you for standing here while we play. Very polite. No movement at all, but everybody’s smiling. It’s not at all awkward to have everybody just look at you the whole time.“ Seine augenzwinkernden Kommentare wirkten weniger wie Kritik als wie der spielerische Versuch, die Menschen aus der Reserve zu locken. Mit Erfolg: Spätestens zu „Revenger“ und „Faithless“ öffneten sich Circle Pits, Crowdsurfer glitten über die Menge und der Frontmann quittierte die neue Dynamik mit einem begeisterten „Fuck yeah!“ Eine kleine Verzögerung am Schlagzeug nahm der Frontmann schließlich ebenfalls mit bissigem Humor. Kurzerhand überbrückte Biersack die Wartezeit mit weiteren lockeren Sprüchen und einer gemeinsamen Winkeaktion bis in die hinteren Reihen. Als schließlich „Perfect Weapon“ und das hymnische „In the End“ erklangen, hatten Black Veil Brides das Publikum endgültig auf ihre Seite gezogen.
Träume aus Neu-Delhi
Dass Musik keine Grenzen kennt, bewiesen Bloodywood eindrucksvoll auf der Mandora Stage. Die Metal-Band aus Indien verbindet harte Gitarren mit traditionellen indischen Instrumenten, landestypischen Gewändern und Texten in ihrer Muttersprache – und wurde vom Rock-am-Ring-Publikum gefeiert, als gehöre sie schon immer dazu. Bereits beim Intro wurde begeistert mitgeklatscht, Bloodywood-Rufe hallten über das Gelände und die Musiker konnten ihre Freude über die überwältigende Resonanz kaum verbergen.„Metal isn’t big in our country. Our hope is the rest of the world. Germany has a big part of it“, erklärte der Sänger sichtlich bewegt. Immer wieder bedankte sich die Band, sprach von Träumen, die es wert seien, verfolgt zu werden, und kostete jeden einzelnen Moment auf dieser Bühne sichtbar aus. Diese Dankbarkeit sprang unmittelbar auf das Publikum über. Die Fans lagen den Indern sprichwörtlich zu Füßen, tanzten ausgelassen zu den orientalischen Rhythmen und ließen sich neugierig auf die für viele ungewohnten Klänge ein. Jegliche Crowdsurfer, die im Graben landeten, strahlten über beide Ohren. „We’re halfway through the set, but we’re not slowing down“, versprach der Frontmann – und hielt Wort. Augenzwinkernd brachte er den Fans den Refrain von „Gaddaar“ auf Hindi bei, woraufhin plötzlich überall vor der Bühne orientalisch angehauchte Tanzbewegungen zu sehen waren. Wenig später forderte er mit „Open up the motherfucking pit!“ die nächsten Circle Pits ein. Mit „Bekhauf“, der gemeinsamen Single mit Babymetal, erinnerte Bloodywood daran, dass Angst entweder lähmen oder antreiben kann. Als schließlich ein Crowdsurfer mit einer Seifenblasenmaschine über die Menge schwebte, wirkte der Moment beinahe sinnbildlich für den Weg der Band: Träume, die einst in den Straßen Neu-Delhis entstanden, schwebten nun mitten über Rock am Ring.
Gemeinsam gegen die Dunkelheit
Catch Your Breath gehören zu jener neuen Generation von Bands, die Härte längst nicht mehr über pure Aggression definieren. Stattdessen stehen Offenheit, Verletzlichkeit und ehrliche Worte im Mittelpunkt – ohne dabei auch nur ein Stück ihrer Wucht einzubüßen. Mit leider zu donnernden Bässen und „Blood Money“ eröffneten die Texaner ihr Set auf der Orbit Stage. Frontmann Josh Mowery trat in cooler Lederjacke mit Cap, Dutt und Sonnenbrille vor das Publikum, ließ einen markerschütternden Scream durch die Eifel hallen und forderte die Menge sofort auf: „Rock am Ring, open it up!“ Zwischendurch unterbrachen kurze Audio-Interludes den Auftritt und nahmen dem Auftritt leider etwas den Flow. Musikalisch tat das der Energie jedoch keinen Abbruch. Selbst der neue Song „Control“ wurde vom Publikum bereits lautstark mitgefeiert und mit einem begeisterten „Fuck yeah!“ quittiert. Doch so kraftvoll Catch Your Breath auch klingen mögen – ihre eigentliche Stärke liegt in den Botschaften zwischen den Songs. Vor „Y.S.K.W.“ wandte sich Josh Mowery an die Menschen vor der Bühne: „If one of you is struggling with addiction, this song is for you.“ Der Song erzählt vom schmerzhaften Loslösen aus einer zerstörerischen Abhängigkeit – von Rückfällen, Entzugserscheinungen und dem Mut, sich aus dem Griff der eigenen Dämonen zu befreien. Was folgte, war keine Durchhalteparole, sondern eine ehrliche Botschaft: „If you’re struggling, you’re not alone. We’re so happy you’re still here. We love each and every one of you“ Für einen Moment rückten Breakdowns und Moshpits in den Hintergrund.. Immer wieder suchte Josh den Kontakt zum Publikum. Bei „Lost“ formte er ein Herz mit den Händen, zu „21 Gun Salute“ wurde es spürbar gefühlvoll, ehe „Dark“ die Energie wieder anzog. Den emotionalen Höhepunkt hob sich die Band jedoch bis zum Schluss auf. „On behalf of every band that played today – thank you for supporting live music. You are the reason that we can stand on this stage and live our dreams“, bedankte sich Josh bevor die ersten Töne von „Dial Tone“ erklangen. Was folgte, war weit mehr als nur der größte Hit der Band. Die Stimmen der Fans verschmolzen mit Josh Mowerys Gesang zu einer berührenden Einheit. Der Song über Entfremdung, Einsamkeit und den Wunsch nach echter Verbindung erhielt plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Von Isolation war in diesem Moment nichts mehr zu spüren. Josh klopfte sich gerührt aufs Herz, und sog den Augenblick lächelnd in sich auf. Auf Instagram veröffentlichte der Sänger ein Video dieses Publikumschors und gestand, dass ihn genau dieser Moment zu Tränen gerührt hatte. Ein schöneres Sinnbild dafür, wie viel dieser Auftritt Catch Your Breath bedeutete, hätte es kaum geben können.
Ungebrochen
Stilwechsel! Auf der Mandora Stage enterte mit Social Distortion eine der prägendsten Punkrock-Bands der USA die Bühne. Seit 1979 steht Frontmann Mike Ness für eine unverkennbare Mischung aus Punkrock, Rockabilly, Blues und Country, mit der die Kalifornier Generationen von Musikern beeinflusst haben. Auf Effekte verzichteten die Amerikaner bewusst. Auf den Leinwänden prangte lediglich das ikonische Social-Distortion-Skelett mit Zigarette und Cocktailglas, ehe „Born to Kill“ das Set eröffnete. Der Titelsong des ersten Albums seit 15 Jahren erhielt dabei eine besondere Bedeutung: Mike Ness schrieb ihn nach seiner überstandenen Krebserkrankung, während der er das Singen und sogar das Schlucken komplett neu erlernen musste. Ohne große Worte entwickelte der Auftakt dadurch eine zusätzliche Symbolkraft. Zwar blieben Pogo und Circle Pits anfangs überschaubar, doch mit Klassikern wie „Mommy’s Little Monster“, „Ball and Chain“ und vor allem „Story of My Life“ taute das Publikum zunehmend auf. Augenzwinkernd kündigte Ness den Song als „old German beer-drinking sing-along“ an – und tatsächlich sangen die Fans den Refrain lautstark mit. Den Schlusspunkt setzte „Don’t Drag Me Down“, eine unmissverständliche Absage an Rassismus, Diskriminierung und Ungerechtigkeit.
Die Freiheit der Maske
Der Sprung bei Rock am Ring zu spielen ist für viele Bands das Ergebnis jahrelanger Arbeit. President schafften ihn in bemerkenswert kurzer Zeit. Erst seit dem vergangenen Jahr sorgt das geheimnisvolle Kollektiv für Aufsehen – und zog trotz namhafter Konkurrenz bereits eine beeindruckende Menschenmenge vor die Orbit Stage. Eine spürbare Spannung lag über dem Platz, ehe das Intro einsetzte. Ein pink-transparentes Drumset, die markanten leuchtenden Kreuze im Hintergrund und eine Kanzel bestimmten das reduzierte Bühnenbild. Langsam und bedächtig betrat der Frontmann die Bühne – im schwarzen Frack mit Fliege, weißen Handschuhen und Reagan-Maske. Er hob die Faust in die Luft, ließ den Blick schweifen und machte sofort deutlich, dass President keiner großen Worte bedürfen würden. Tatsächlich blieb die Band während des gesamten Auftritts stumm. Keine Ansagen, keine Erklärungen – nur Musik, Gesten und Atmosphäre. Schon bei „Fearless“ sang das Publikum lautstark mit. „Dionysus“ wurde von begeistertem Zwischenjubel begleitet, während der Frontmann mit seinen kraftvollen Screams eindrucksvoll unterstrich, weshalb die Engländer derzeit als eine der spannendsten neuen Erscheinungen der modernen Metalszene gelten. Immer wieder kehrte er an sein Rednerpult zurück, hielt inne, ließ den Jubel auf sich wirken und kommunizierte ausschließlich mit kleinen Gesten. Bei „Rage“ ging er mitten im Song auf die Knie, sog die Reaktionen der Menge förmlich auf und schickte den Fans anschließend eine Kusshand entgegen. Als zu „Conclave“ der Drum-and-Bass-Part einsetzte, schwebten Crowdsurfer vor dem Abendhimmel über die Menge – ein ebenso kraftvolles wie beinahe surreal wirkendes Bild. Den Höhepunkt markierte schließlich „In the Name of the Father“, jener Song, mit dem die Reise dieser Formation begann.
Die goldene Stunde
Lauter Feeld-Good-Vibes versprühten die zeitlosen Hard Rocker von Alter Bridge. An der Mandora traf man auf außergewöhnliche Musiker und einen Frontmann, dem die Freude über diesen Abend ins Gesicht geschrieben stand. Schon zu „Silent Divide“ war Myles Kennedy das ansteckende Grinsen kaum aus dem Gesicht zu bekommen. Immer wieder suchte er den Blickkontakt zum Publikum und zog bei einem gemütlichen Circle Pit kurzerhand seine Sonnenbrille herunter, um das Geschehen besser verfolgen zu können. „That’s beautiful“, kommentierte er lachend und klatschte begeistert für die Fans. Überhaupt wirkte Kennedy den gesamten Auftritt über bemerkenswert nahbar und wertschätzend: „I know there’s a lot of things you could be doing and you chose to come hang out with us.“ Das Publikum dankte es ihm mit lautem Mitsingen, Klatschen und immer wieder aufbrandenden „Alter Bridge!“-Rufen. Als bei „Rise Today“ schließlich selbst Gitarrist Mark Tremonti den Gesang übernahm, herrschte vor der Bühne eine ebenso ausgelassene wie entspannte Atmosphäre. Unter der warmen Abendsonne zog sogar ein Heißluftballon gemächlich über das Festivalgelände – ein beinahe sinnbildlicher Moment für diesen rundum entschleunigten Auftritt. Spätestens als Miles bei „Metalingus“ gemeinsam mit dem Publikum in die Hocke ging, vor Lachen aber kurz das Singen unterbrechen musste war klar: Alter Bridge hatten an diesem Abend nicht nur die Menge begeistert – sie genossen jede einzelne Minute selbst mindestens genauso sehr.
Als wäre kein Tag vergangen
Es gibt Bands, die nach Jahrzehnten von ihrer Vergangenheit leben. Und es gibt Iron Maiden. Mit zwei Stunden Spielzeit übernahmen die britischen Heavy-Metal-Legenden den letzten Headliner-Slot. Schon lange vor Konzertbeginn prägten unzählige Maiden-Shirts das Bild vor der Utopia Stage. Bruce Dickinson ließ vom ersten Moment an keinen Zweifel daran, weshalb die Band auch nach fünf Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Mit hochgebundenem Zopf, Lederjacke und grauer Jeans stürmte der 67-Jährige über die Bühne, suchte immer wieder den Blickkontakt zu Steve Harris, Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers. Gemeinsam strahlten die Musiker eine ansteckende Spielfreude aus. Immer wieder grinsten sie sich an und wirkten, als würden sie diesen Abend selbst mindestens genauso genießen wie die Zehntausend Menschen vor der Bühne. Und Iron Maiden erzählten Geschichten. Jeder Song eröffnete ein neues Kapitel. Bruce schlüpfte in immer neue Rollen, absolvierte Outfitwechsel, ohne den Spielfluss zu unterbrechen, und verwandelte sich mal in einen mystischen Erzähler, mal in einen Soldaten, mal in einen geisterhaften Wanderer. Parallel dazu erschien Bandmaskottchen Eddie immer wieder in neuer Gestalt: zunächst als drei Meter große Figur mit leuchtenden Augen, zerfetzter Jeans, Vokuhila und gewaltiger Axt, später als Soldat mit Maschinengewehr auf einer Bergspitze oder als Säbel schwingender Begleiter zu „The Trooper“. Gemeinsam mit den ständig wechselnden Kulissen entstand ein Bühnenbild, das jeden Song wie einen eigenen Kurzfilm wirken ließ. Sichtlich bewegt ließ Dickinson den Blick über das bis zum Horizont gefüllte Infield schweifen. „What a great day. Unbelievable. Das Leben ist schön. Unglaublich.“ Es war einer dieser Momente, in denen selbst ein Weltstar einfach nur den Augenblick genoss. Sekunden später ließ „The Number of the Beast“ den Nürburgring unter gewaltigen Feuerstößen über der Bühne und aus den Videowürfeln erbeben. Maiden-Rufe hallten über das Gelände, während Tausende inbrünstig jede Zeile mitsangen. Zu den charmantesten Momenten gehörte jedoch ausgerechnet ein Moshpit. Während Iron Maiden ihre musikalische Zeitreise fortsetzten, bildete sich mitten im Infield ein Schnecken-Pit. Mit den Händen auf den Schultern des Vordermanns zog die kleine Gruppe lachend im Zeitlupentempo ihre Kreise. Ein herrlich kreativer Einfall, der zeigte, dass Rock am Ring jede Generation auf ihre eigene Weise feiern lässt. Zu „2 Minutes to Midnight“ dominierten martialische Kriegsbilder die Leinwände. Eddie saß mit Maschinengewehr auf einer Bergspitze, die britische Flagge wehte neben ihm. Ausgerechnet in diesem Moment lockerte Dickinson die Szenerie mit trockenem britischem Humor auf, hob als Bergsteiger seine Trinkflasche in die Höhe und grinste: „There is nothing interesting in this bottle. Fucking water, no beer, no Schnaps.“
Ein Jungbrunnen namens Leidenschaft
Mit „Rime of the Ancient Mariner“ erreichte der Auftritt schließlich einen seiner bildgewaltigsten Höhepunkte. Auf den Leinwänden segelte der legendäre Albatros durch die Lüfte, ehe das Schiff dem Untergang geweiht schien und seine Besatzung in den Tiefen des Meeres versank. Dickinson erschien mit zerfleddertem Umhang beinahe wie eine geisterhafte Erscheinung und machte die berühmte Ballade von Samuel Taylor Coleridge zu einem düsteren Bühnenepos. Mit Einbruch der Dunkelheit gewann die Produktion zusätzlich an Wucht. Laser durchzogen den Nachthimmel, Flammen schossen empor und bei „Fear of the Dark“ verschmolzen Zehntausende Stimmen zu einem gewaltigen Chor. Bruce zog mit einer Laterne über die Bühne, während ein riesiger Mond die Leinwände erhellte. Man hielt unweigerlich inne und staunte. Direkt neben uns verfolgte ein Besucher Anfang sechzig jede Bewegung von Bruce Dickinson mit leuchtenden Augen. Immer wieder schüttelte er lachend den Kopf, bis es schließlich aus ihm herausplatzte: „Unfassbar! Ich bin heute kaum aus dem Auto herausgekommen und mich schaut seit zwanzig Jahren niemand mehr an!“ Treffender hätte man diesen Auftritt kaum beschreiben können. Mit 67 Jahren wirkte Dickinson wie ein Jungspund, sprintete unermüdlich über die Bühne und bewies eindrucksvoll, dass Iron Maiden in Sachen Energie, Bühnenpräsenz und Leidenschaft jüngeren Bands noch immer in nichts nachstehen. Mit „Wasted Years“ näherte sich schließlich auch dieser außergewöhnliche Headliner seinem Ende. „Have a great day, a great week, a great year, have a great fucking life – you deserve it! We’ll see you again“, verabschiedete sich Dickinson bewegt vom Publikum. Hinter all den Flammen, Eddie und monumentalen Geschichten blieb am Ende vor allem eines in Erinnerung: die spürbare Leidenschaft einer Band, die noch immer jeden einzelnen Moment auf dieser Bühne auskostet. Trotz aller düsteren Bilder und epischen Geschichten hinterließen die Briten vor allem eines: Hoffnung, Herzlichkeit und das Gefühl, dass Musik Menschen über Generationen hinweg verbindet.
Der Funke erlischt nie
Mit einem farbenprächtigen Feuerwerk verabschiedete sich Rock am Ring 2026 schließlich in die Nacht. Auf den Videowänden erschien die liebevolle Botschaft: „Danke für ein unvergessliches Festival! Ihr seid der Ring!“
Es war der schwerste Moment eines jeden Rock-am-Ring-Wochenendes. Nicht der letzte Song. Nicht das Verlassen des Infields. Sondern der Augenblick, in dem einem bewusst wird, dass diese ganz besondere Zeit nun vorüber ist. Drei Tage, in denen der Alltag in weite Ferne rückte. Tage voller Musik, glücklicher Gesichter, geteilter Freude und unzähliger Begegnungen, die zeigten, weshalb Rock am Ring für so viele Menschen weit mehr ist als nur ein Festival. Für einen kurzen Moment fühlte sich alles ein wenig leichter an. Auch auf dem Heimweg ließ uns dieses Gefühl nicht los. Auch auf dem Heimweg ließ uns dieses Gefühl nicht los. Unweit des Rings gerieten wir in eine Polizeikontrolle. Jedes Auto wurde angehalten, schließlich waren wir an der Reihe. Ich ließ das Fenster herunter, der Polizist leuchtete mir mit seiner Taschenlampe ins Gesicht. Noch immer überwältigt von all den Eindrücken des Wochenendes fragte ich ihn fast schon euphorisch, was wir denn nun tun sollten. Er wirkte irritiert, winkte nur ab und sagte: „Fahren Sie bloß weiter!“ Lachend setzten wir unseren Weg fort. In diesem Moment wurde uns klar, wie sehr uns dieses Wochenende noch immer gefangen hielt.
Vielleicht ist genau das die Magie des Rings. Man verlässt zwar irgendwann den Nürburgring. Das Gefühl, das man dort erlebt hat, bleibt jedoch bestehen. Die Musik klang nach, Bilder zogen noch einmal vor dem inneren Auge vorbei und unzählige neue Erinnerungen fanden einen festen Platz im Ring-Herzen.
Aufgrund von Foto-Restriktionen war es uns leider nicht möglich, Bilder von President für Dich einzufangen.
Text: Nadine Kloppert
Photos: Michael Gamon
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