RIKA BENDER im Interview (2/2)

Zwischen sonnigem Freiburg und düsteren Klängen hat Rika Bender ihren ganz eigenen musikalischen Kosmos geschaffen. Auf „Blut & Beton“ treffen New Wave, Post-Punk und harte Gitarren auf persönliche Geschichten über Zweifel, Selbstbestimmung und das Anderssein. In unserem zweiteiligen Interview erzählt sie, wie das Album gewachsen ist und warum sie heute nicht mehr alles alleine tragen möchte. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.
Wut, Zweifel und ein eigener Sound
Besonders deutlich wird das auf dem Stück „Kreis“. Für Rika beschreibt der Song den Moment, in dem man aufhört, nur zu funktionieren. „Früher dachte ich, ich müsste mich besser anpassen. Heute denke ich eher: Vielleicht muss ich gar nicht überall reinpassen.“ Auch „Zerbricht“ trägt diese Haltung in sich. Die Zeile „Wir holen unsere Seelen zurück“ steht für sie sinnbildlich dafür, Erwartungen abzustreifen und wieder selbst zu entscheiden, was wirklich zu einem gehört. Musikalisch öffnet „Zu hell“ eine neue Tür: Härtere Gitarren treffen auf Synth-lastige Passagen und verleihen dem Album zusätzlichen Druck. „Da habe ich gemerkt, dass mein Sound mehr Spielraum hat, als ich vorher gedacht habe.“ Für sie zählt dabei weniger die Genre-Schublade als das Gefühl: Jeder Song soll genau den Klang bekommen, den seine Geschichte verlangt.
Gemeinsam statt Einzelkämpferin
Ein prägender Moment der vergangenen Jahre war das erste Konzert mit kompletter Band. „Ich muss inzwischen nicht mehr alles alleine tragen“, sagt sie lächelnd. Die gemeinsamen Erlebnisse seien heilsam gewesen. Gleichzeitig blickt sie auch auf die Musikszene: Kreativität entstehe für sie aus echten Emotionen und Menschen, nicht aus bloßem Funktionieren. Auf der kommenden Tour freut sie sich deshalb vor allem auf die Begegnungen. „Besonders verrückt ist es, wenn irgendwo Leute stehen, die die Songs kennen und mitsingen.“
Jan Schütz (Meersein)
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