SEA OF SIN im Interview (2/2)

Sea of Sin

Das neue Album von Sea of Sin trägt den Titel „The Shape of a Lonely Soul“. Wir sprechen mit Frank Zwicker und Klaus Schill in zwei Teilen. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.

Orkus: Zu „Bang Bang Bang“ habt ihr auch ein tolles Video gedreht. Warum war euch gerade dieses Lied ein besonderes Anliegen?
Frank Zwicker: Bei diesem Song springt das Kopfkino natürlich besonders stark an. Da konnten wir uns zusammen mit Daniel Vossen, der das Video gedreht und produziert hat, bestmöglich kreativ austoben. Besonders wichtig ist uns bei dem Song, dass wir in keiner Weise Gewalt verherrlichen oder rechtfertigen wollen. Es geht vielmehr darum aufzuzeigen, von welchen inneren Dämonen wir verfolgt werden. Ein weiteres Plus des Songs sind sicherlich auch die Dynamik und der eher rockige Up-Tempo Stil, was sehr gut zur Bildsprache des Videos passt. 

O: „Renegades“ wirkt besonders hoffnungsvoll. Gibt es eine Geschichte dahinter?
Klaus Schill: Wir alle ertappen uns gelegentlich dabei, wie wir uns als „Gewohnheitstiere“ gedanklich vor bestimmten Dingen oder Entscheidungen versperren bzw. diese nicht zulassen wollen. Mit Blick auf unsere sich praktisch fortlaufend ändernde „Umwelt“ müssen wir immer wieder aufs Neue lernen, auch neue Einflüsse und Veränderungen zuzulassen bzw. für diese bereit zu sein. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema KI, das bei den Menschen einerseits zwar vielfach für Verunsicherung sorgt bzw. Zukunftsängste schürt, uns andererseits aber auch unglaublich viele neue Chancen und Möglichkeiten eröffnen kann, wenn man sich darauf einlässt und diese mit Augenmaß einsetzt.

O: Besonders überraschend ist „Dark Revelations“. Wie ist dieses Stück entstanden?
FZ: „Dark Revelations“ ist aus einer noch relativ jungen Song-Idee entstanden, die uns beiden ziemlich gut gefiel. In der Umsetzung hatten wir den Anspruch, sowohl bei der Produktion als auch bei den Vocals unsere bisherigen Grenzen ein Stück weit zu überschreiten, um diesem düsteren, wuchtigen Song mit einem sich langsam aufbauenden Spannungsbogen den nötigen Impact zu verleihen. Bei den Vocal-Recordings im Studio haben wir intuitiv erstmals auch eine Spoken-Words-Bridge eingebaut, die ursprünglich nicht geplant war. Instrumental ist der Song durch treibende Rhythmen und Synth-Lines geprägt, die auf düstere, eindringliche Soundscapes mit fast schon cineastischen Anleihen treffen, und dadurch die Konfrontation mit der inneren Leere, die Geschichte von Kampf und Trotz angesichts düsterer Offenbarungen, die bevorstehen, widerspiegeln.

O: Wunderbar, aber auch melancholisch endet das Album mit „Neverending“. Abschiede sind immer schwer. Was hat euch zu diesem Song inspiriert?
KS: Wir alle kennen Lebenssituationen bzw. -abschnitte, die von tiefem, scheinbar nicht enden wollendem oder wiederkehrendem Schmerz geprägt sind, beispielsweise nach Verlust eines geliebten Menschen oder bei schwerwiegenden Krankheiten. Man befindet sich gedanklich in einer fortlaufenden Abwärtsspirale, aus der man sich nicht ohne weiteres befreien kann. Genau darum geht es in „Neverending“, diesen scheinbar endlosen Schmerz endlich abzuschütteln und Adieu zu sagen – „Time to say goodbye“.

O: Das Album erscheint auch limitiert als Vinyl. Was schätzt ihr an diesem Format besonders?
FZ: Es war ein langjähriger Wunsch von uns, neben CDs auch einmal Vinyl zu produzieren. Bei den Vorgängeralben hatte das aus zeitlichen und Budget-Gründen dann nicht so hingehauen. Dieses Mal wollten wir das aber unbedingt einmal umsetzen. Vinyl hat einen ganz eigenen und besonderen Charme, vom warmen Klangcharakter bis hin zum haptischen Erlebnis und dem Aufsetzen der Nadel beim Abspielen. Wir wollten unsere Songs endlich auch einmal so erleben und inszenieren, nachdem auch Fans in den letzten Jahren immer wieder danach gefragt hatten. Diesem Wunsch wollten wir damit entsprechen. Der Aufwand und die Kosten einer Vinyl-Produktion sind allerdings immens, gerade wenn man – wie wir – alles selbst machen, ohne Label oder Vertrieb. Der ganze Aufwand hat sich für uns letztlich aber trotzdem total gelohnt, wenn man das fertige Produkt dann in Händen hält und genießen kann.   

O: … Und das Artwork kommt in diesem Format auch sehr viel besser zur Geltung! Wie kam es zu dem stimmungsvollen aber auch irgendwie mystischen Albumcover?
KS: Das Cover-Art sollte die inhaltliche Klammer des Albums abstrakt und stimmungsvoll in Szene setzen; Farbwelt und Ästhetik waren vorher klar, insofern ging es letztlich darum, ein passendes Key-Visual zu finden, das hier bestmöglich funktioniert. Bereits vor dem Release der ersten Single „Faith!“ sind wir auf das Tuch-Motiv gestoßen und haben dies letztlich auch für alle darauffolgenden Auskopplungen verwendet.

O: Wie sehen eure nahen Zukunftspläne aus?
FZ: Wir sind total happy, dass unser neues Album endlich das Licht der Welt erblickt hat. Wir haben im letzten Jahr all unsere Energie und Ressourcen in dessen Produktion gesteckt. Diesen Moment, auf den wir so lange, mit unglaublich viel Herzblut und zahlreichen „Sonderschichten“ hingearbeitet haben, möchten wir mit unseren Fans natürlich ausgiebig feiern und genießen! Im Rahmen der unmittelbar bevorstehenden Festivals Kielectric am 04. April 2026 in Kiel und der Electronic Westbound Night 2026 am 02. Mai 2026 in Krefeld findet sich dafür bestimmt ausreichend Raum … (zwinkert)
KS: Gleichzeitig sind wir gespannt, was das zweite Halbjahr 2026 für uns als 100% Independent-Künstler in einem immer stärker umkämpften Live-Sektor ggf. noch bringen wird. Wir haben natürlich mega Bock darauf, unser neues Album in einem wertigen Rahmen live zu präsentieren und freuen uns über ernstgemeinte Anfragen von Veranstaltern und Bookern.
FZ: Zum Schluss möchten wir noch ein riesengroßes Dankeschön an all unsere treuen Fans da draußen loswerden, ohne deren Unterstützung dies alles gar nicht möglich wäre!!

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Frank Zwicker – Gesang, Texte
Klaus Schill – Synths, Gitarren, Produktion

Sieh Dir das Video zu „Bang Bang Bang“ an:

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