SEA OF SIN im Interview (1/2)

Das neue Album von Sea of Sin trägt den Titel „The Shape of a Lonely Soul“. Wir sprechen mit Frank Zwicker und Klaus Schill in zwei Teilen.

Orkus: Ihr habt ja mal erzählt, dass ihr euch schon seit den Kindertagen kennt. Habt ihr euch in der Schule kennengelernt? Wisst ihr noch, wann das war?

Frank Zwicker: Ja, Klaus und ich kennen uns seit der gemeinsamen Zeit auf dem Gymnasium. Der erste Kontakt ist insofern schon sehr lange her, das muss Anfang/Mitte der Achtzigerjahre gewesen sein. Eine Zeit ohne Handys, Internet und Social Media, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Unsere erste Band haben wir dann glaube ich mit 18 Jahren gegründet, als wir noch auf dem Gymnasium waren, zusammen mit unserem Schulfreund Dirk. Daraus hervorgegangen ist dann später auch die Band Sea of Sin, nachdem wir 1993 mit fertig gepressten CDs und Plattenvertrag leider unseren Namen ändern mussten. Davor hießen wir Covent Garden, leider gab es eine andere Band mit gleichem Namen schon länger – ein Nachteil der Zeit vor dem Internet, da konnte man so etwas halt nicht einfach mal eben googeln.  

O: Aufgrund welcher Alben oder Songs habt ihr damals festgestellt, einen ähnlichen Musikgeschmack zu haben?

Klaus Schill: Wir hatten beide eigentlich immer einen recht breit gefächerten Musikgeschmack, vereint hatte uns damals aber die Liebe zu New Wave, Synthpop und auch Dark Wave. Wir sind halt wie gesagt auch Kinder der Achtzigerjahre. Besonders schlug unser Herz für Bands wie Camouflage, Depeche Mode, OMD, The Cure oder New Order und Ultravox – um nur einige zu nennen. Einzelne Songs haben da eigentlich nicht herausgestochen, diese Bands hatten damals ja schon einen großen musikalischen Fundus an tollen Songs und Alben mit Wiedererkennungswert. Letztlich waren es dann glaube ich die Musik und Ästhetik dieser Bands, die uns dazu inspirierten, eigene Musik zu machen, uns selbst kreativ zu versuchen und eigene Songs zu schreiben. Wir hatten von Anfang an auch immer mal wieder Gitarren integriert, starre Genregrenzen fanden wir schon damals langweilig.

O: Was waren die Gedanken dahinter, das neue Album „The Shape of a Lonely Soul“ zu nennen?
KS: Die Idee für den Albumtitel ergab sich im Fortlauf der Produktion und bei der Selektion der finalen Album-Tracks. Alle Songs und Texte vereinen thematisch eine gewisse Verlorenheit und Überforderung in diesen bewegten Zeiten, in denen wir leben, geprägt von den gegenwärtig vorherrschenden politischen wie gesellschaftlichen Verwerfungen. Die Texte bewegen sich schwerpunktmäßig in den Themenfeldern Ausweg-/Hoffnungslosigkeit, innere Leere, sich aufstauende Wut, in einer sich immer mehr polarisierenden Welt. Der Albumtitel ist insofern eine etwas abstrakte Beschreibung des seelischen Zustandes der Gesellschaft. 

O: Den Auftakt boten bereits die ersten vier Stücke, die den Abstieg der Seele beschreiben. Würdet ihr demnach „The Shape of a Lonely Soul“ (auch) als Konzeptalbum beschreiben?

FZ: Als klassisches Konzeptalbum würde ich „The Shape of a Lonely Soul“ nicht unbedingt einordnen; es ist eher so, dass alle Songs eine gewisse melancholische Grundstimmung miteinander verbindet, welche den musikalischen Bogen des Albums bildet. Die Überforderung und das Gefühl des Verlorenseins kann sich emotional dann in verschiedenen Phasen unterschiedlich äußern, vom langsam schwindenden Glauben („Faith!“) über aufkommende Wut („No Excuse“) bis hin zu gewalttätigen Phantasien („Bang Bang Bang“) und der Suche nach Erlösung („Save Me“). Das war die konzeptionelle Grundidee hinter den ersten vier Single-Releases, die allesamt letztes Jahr veröffentlicht wurden. Die weiteren Albumsongs sind dann bewusst etwas abstrakter gehalten und lassen dadurch etwas mehr Raum für eigene Interpretationen der Hörer.

O: Wie können wir uns die Arbeit an dem Album vorstellen?
KS: Unser Produktions- und Kompositions-Prozess verläuft seit vielen Jahren so, das Frank praktisch fortlaufend neue Song-Ideen und Demos festhält, aus denen wir gemeinsam die besten Tracks auswählen, sofern neue Releases in Planung sind. Nachdem wir unseren Fokus in 2024 auf Live-Konzerte gelegt hatten (im Rahmen des 30-jährigen Band-Jubiläums) haben wir Anfang 2025 verstärkt damit begonnen, die Demos zu sichten und erste Favoriten zu selektieren, die wir dann weiter ausarbeiten und produzieren wollen. Diese produziere ich in meinem Homestudio in Hamburg vor und wir arbeiten iterativ an den Songs weiter, bis wir mit der Rough-Version happy sind. Frank arbeitet in dieser Produktionsphase seine Gesangslinien weiter aus und befasst sich mit den Lyrics der Songs. Im nächsten Schritt gehen wir in ein professionelles Tonstudio und nehmen dort den Gesang und ggf. zusätzliche Gitarren-Lines auf – seit 2019 im Studio B in Stuttgart bei Thomas Banse, der uns dabei als Sound-Engineer unterstützt. Wenn alles aufgenommen ist, begebe ich mich wieder in mein Homestudio und produziere die Titel vollends aus und mische sie.
FZ: Anschließend geht’s zum Mastering zu Calyx Mastering in Berlin, wo wir auch schon das Vorgängeralbum „Tired of Chasing Ghosts“ aus 2023, haben mastern lassen. Unser Produktionsweg hat sich da über viele Jahre eingespielt und funktioniert auch über die weite Distanz Hamburg (Klaus) – Stuttgart (Frank) hinweg. Via File-Sharing kann man Ideen und Produktionsstände heutzutage ja zum Glück kurzfristig teilen und Feedback geben und so iterativ an den Stücken weiterarbeiten.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Frank Zwicker – Gesang, Texte
Klaus Schill – Synths, Gitarren, Produktion

Sieh Dir den Visualizer zu „Dark Revelations“ an:

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