SISTER MAY im Interview (1/2)

Intensiv ziehen Sister May mit ihrem Konzeptalbum „VII“ sofort in ihren Bann. Jeder Song soll einen unterschiedlichen Aspekt des großen Kollapses beschreiben, der uns bevorsteht – oder der vielleicht längst eingetroffen ist? – Darüber sprechen wir in unserem zweiteiligen Interview.

Orkus: Fangen wir ganz am Anfang an. Ihr habt die Band 2017 gegründet. Was hat euch zu dieser Entscheidung bewogen?
Bert Goethals: Sister May entstand eher aus einem Bedürfnis heraus als aus einem Plan. Damals hatte ich das Gefühl, dass es an Musik mangelte, die die Spannungen der Welt, in der wir leben, wirklich widerspiegelte – etwas Rohes, Mechanisches, aber dennoch Emotionales. Wir wollten keine Szene imitieren, sondern etwas schaffen, das sich echt anfühlte. 2017 war einfach der Moment, in dem diese Dringlichkeit nicht mehr zu ignorieren war.

O: Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?
BG: Der Name Sister May birgt eine Dualität: „Sister“ wirkt menschlich, intim, fast zerbrechlich. „May“ ist ungewiss – es suggeriert Möglichkeit, aber auch Instabilität. Zusammen spiegelt es wider, was wir musikalisch versuchen: den Balanceakt zwischen Verbindung und Zerfall.

O: Mit „VII“ habt ihr ein ausgefeiltes Konzeptalbum geschaffen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?
BG: Die Idee zu „VII“ entstand ganz organisch. Uns fiel auf, dass sich alles, was wir schrieben, um Wiederholung, Druck, Systeme und darum drehte, wie Menschen sich langsam darin verlieren. Irgendwann wurde uns klar, dass dies nicht nur eine Sammlung von Songs war. Es war eine Geschichte. Die Zahl Sieben gab ihr eine Struktur, fast wie Kapitel in einem Kreislauf, dem man nicht entkommen kann.

O: Die Zahl sieben symbolisiert alle möglichen Dinge. Was bedeutet sie für euch persönlich? Für uns steht die Sieben für einen Kreislauf.
BG: Nichts Mystisches im romantischen Sinne, sondern etwas Unvermeidliches – Muster, die sich immer wiederholen, bis etwas zerbricht. Es geht um Spannung, die sich mit der Zeit aufbaut. Die Sieben fühlte sich wie die richtige Zahl an, um dieses Gleichgewicht zwischen Ordnung und Zusammenbruch einzufangen.

O: Das Album beginnt mit „The Burning“ auf faszinierende Weise. Gibt es eine Hintergrundgeschichte zu dem Song?
BG: „The Burning“ ist der Zündpunkt des Albums. Es ist dieser Moment, in dem sich etwas in dir zu verändern beginnt, du es aber noch nicht ganz verstehst. Es ist keine Explosion – es ist ein langsames, inneres Feuer. Und wenn es einmal begonnen hat, gibt es kein Zurück mehr.

Im nächsten Teil geht es bald weiter. – Und auch in unserer Mai/Juni-Ausgabe

Claudia Zinn-Zinnenburg

Line-up:
Bert Goethals– Gesang
Carl Vangheluwe– Gitarre
Wannes Desramault – Bass
Stefaan Degryse– Schlagzeug

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