SOMBERWIND im Interview (2/2)

Das chilenische Duo um Marco Cusato und Caterina Nix verbindet atmosphärischen Gothic Rock mit emotionaler Tiefe und einer ausgeprägten Liebe zum Mystischen. Mit „The Labyrinth of Self“ laden Somberwind zu einer introspektiven Reise in die verborgenen Winkel der Seele ein. Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Marco über die Ursprünge seiner musikalischen Laufbahn, die besondere Magie des Windes, weibliche Weisheit und die Hoffnung, Somberwind bald auch live nach Europa zu bringen. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.

Orkus: Das neue Album beginnt mit „After the Dark“, einem energiegeladenen Song. Wie ist er entstanden?
Marco Cusato: „After the Dark“ ist stark autobiografisch geprägt. Wir hatten eine ruhigere Phase durchlebt und uns mit großen persönlichen Herausforderungen auseinandergesetzt, durch die wir uns wie in der Dunkelheit gefangen fühlten. Als wir den Song komponierten, waren wir uns einig, dass unsere Rückkehr ein optimistisches, positives Signal aussenden sollte. Er ist ein Versprechen, eine Erklärung: Selbst nach den dunkelsten Zeiten lebt der Traum weiter, und die Hoffnung gibt einem die Kraft, weiterzukämpfen. Aufgrund dieser Energie und Botschaft war der Song der perfekte Einstieg in das Album.

O: Auch „The Words Unspoken“ hat mich besonders beeindruckt. Steckt eine Geschichte hinter seiner Entstehung?
MC: „The Words Unspoken“ handelt von der stillen Tragödie einer Beziehung, die an mangelnder ehrlicher Kommunikation zerbricht. Es geht um Paare, die nicht mehr in der Lage sind, richtig miteinander zu kommunizieren, und um die Angst, auszusprechen, was man wirklich fühlt und denkt. All diese unausgesprochenen Worte verschwinden nicht einfach. Sie verwandeln sich in ein schweres Gefühl gemeinsamer Schuld und Scham.

O: Wie erlebst du die Gothic-Szene in Santiago?
MC: Die Szene in Santiago ist recht klein, und wir gehören zu den wenigen Bands, die diese spezielle Flamme am Leben halten. Die breiter aufgestellte alternative Szene hier wird stark von Cold Wave, Post-Punk, Dark Wave, Electro-Dark und Industrial geprägt. Doch auch wenn diese Stilrichtungen stärker elektronisch oder punkorientiert sind, bilden wir alle zusammen, als Gemeinschaft verschiedener Subgenres, eine wahrhaft große und vereinte Underground-Bewegung.

O: Welchen besonderen Tipp mit Gothic-Bezug würdest du Menschen geben, die Santiago besuchen?
MC: Ich empfehle unbedingt, lokale Konzerte zu besuchen, denn chilenische Bands liefern unglaubliche Live-Auftritte. Für das Nachtleben sind legendäre Clubs wie „Blondie“ und „Bal Le Duc“ mit ihren hervorragenden spezialisierten DJs eine gute Anlaufstelle.

Wer das wahre kulturelle Herz unserer Szene erleben möchte, sollte nach „Manto Negro“ Ausschau halten – einer Gothic-Kulturveranstaltung, die Livebands, Autoren, Mode, Kino und verschiedene Kunstformen zusammenbringt.

Zum Einkaufen bietet die Innenstadt von Santiago zahlreiche Läden für alternative Kleidung. Außerdem finden das ganze Jahr über verschiedene Gothic-Modenschauen und Ausstellungen statt.

O: Und was liebst du besonders an Chile?
MC: Ich liebe die grenzenlose landschaftliche Vielfalt Chiles – von den schneebedeckten Bergen, die sich hervorragend für Wintersport eignen, über unsere unberührten Seen und tiefen Wälder bis hin zu den wunderschönen Stränden. Neben der Natur haben wir eine beeindruckende Architektur und historische Städte, die unbedingt einen Besuch wert sind, darunter Santiago, Valparaíso, Punta Arenas und La Serena.

O: Warst du schon einmal in Europa? Falls ja, wo warst Du? Falls nicht, welche Orte würdest du gerne besuchen?
MC: Ja, ich war schon oft in Europa. Seine geschichtsträchtigen und kulturell bereichernden Städte beeindrucken mich jedes Mal aufs Neue. Obwohl ich viele Orte liebe, zählen Italien, Frankreich und Deutschland zu meinen persönlichen Favoriten. Was Konzertreisen betrifft, befinden sich die Pläne, Somberwind nach Europa zu bringen, derzeit noch in der Besprechungsphase. Wir hoffen, diese Pläne schon sehr bald konkretisieren zu können, damit wir unsere Musik endlich auch dem europäischen Publikum live präsentieren können.

O: Sind in naher Zukunft Live-Auftritte geplant?
MC: Unsere nächsten Live-Auftritte finden erst im Januar 2027 statt. Die Termine direkt nach dem Jahreswechsel stehen bereits fest. Unser Hauptaugenmerk wird darauf liegen, „The Labyrinth of Self“ zum allerersten Mal in seiner Gesamtheit live aufzuführen.

O: Gothic ist …?
MC: Gothic ist eine Art zu leben, zu denken und dem Leben zu begegnen. Es ist etwas zutiefst Zeremonielles, das weit über Mode, Musik oder einen vorübergehenden Trend hinausgeht. Dahinter steckt eine tiefgreifende Substanz, die einen dazu bringt, sich mit den persönlichsten und emotionalsten Tiefen des eigenen Selbst auseinanderzusetzen. Es ist eine Kultur, die auf Ehre, Ehrfurcht und einem tiefen Gefühl der Transzendenz beruht.

O: Und Somberwind ist …?
MC: Ganz konkret ist Somberwind ein düsteres Musikprojekt mit zwei Alben. Auf einer tieferen Ebene ist es jedoch ein Spiegel und ein Zufluchtsort für all jene, die die verborgenen Winkel ihrer Seele erkunden möchten – jene Seiten, die wir nur selten zu zeigen wagen oder denen wir uns nicht mutig genug stellen. Bei Somberwind ist kein Platz für oberflächliche Themen oder oberflächliche Musik. Alles, was wir erschaffen, entspringt absoluter Ehrlichkeit.

Annabelle Reiter

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