SUSURRATION im Interview (2/2)

Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Jessy Bäsecke-Beltrametti – Mastermind hinter Susurration – über die aktuelle EP „Dominance“. Und dabei geht es durchaus heiß her, dreht sich die Hauptthematik doch um BDSM. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, Du kannst ihn hier nachlesen.
Orkus: Weiter gedacht geht es natürlich auch um die Selbstbestimmtheit von Sexualität. Warum ist dir das ein besonderes Anliegen?
Jessy Bäsecke-Beltrametti: Ich glaube Selbstbestimmtheit und Kenntnis der eigenen Bedürfnisse und Grenzen – und damit einhergehend die empathisch respektvolle Annahme des Gegenübers, mit seinen Bedürfnissen und Grenzen – ist die Grundlage sowohl von erfüllender Sexualität als auch von funktionalen Beziehungen und letztendlich einer lebenswerten und diskriminierungsfreien Gesellschaft. Ich sehe also in der bewussten Gestaltung unserer Lebens- und Liebenswerten einen wesentlichen Grundstein gesellschaftlicher Veränderung.
O: Über die Remixe haben wir noch nicht gesprochen. Wie kam es zu der Wahl von Anna Soares‘ „Fuck My Brain“?
JBB: Anna ist eine Art „Insta-Freundin“, die ich vor Jahren gefunden habe, weil wir sehr ähnliche Dinge tun. Auch sie macht Musik, die ein vielfältiges Bild von BDSM zeichnet, gibt Workshops, organisiert Events in diesem Bereich und engagiert sich für Aufklärung und klischeearme Sichtbarkeit. Getroffen haben wir uns bis heute nicht, aber es gibt über diese Parallelen eine Verbundenheit, die wir schon lange mit einem Remix zelebrieren wollten. Die EP war der perfekte Moment dafür.
O: Und „Escalate“ von Dunkelsucht? Welche Beziehung hast du zu der Band?
JBB: Wir mögen gegenseitig die Musik der jeweils anderen Band sehr. Die persönliche Verbindung begann 2024, als Tim von Dunkelsucht am Schwarzen Ball in Zürich unseren Track „All Fuchs Given“ auf dem Electro-Floor gespielt hat. Es war das erste Mal, dass wir einen eigenen Track auf der Tanzfläche gehört haben. Ein magischer Moment und der Beginn einer musikalischen Freundschaft.
O: Warum war es dir auch wichtig, „Boibitch“ noch einmal aufzugreifen?
JBB: Meine beiden Produzenten Michael Hirst und Hannes Bachofner sind unglaublich kreative Musiker, die voller Ideen und Energie stecken. Das macht unser Songwriting so vielseitig und inspirierend. Für die EPs wollte ich beide einmal ganz explizit featuren und sie ohne irgendwelche Vorgaben auf einen unserer alten Songs loslassen. Michael hat sich sofort auf „Boibitch“ gestürzt, was inhaltlich und musikalisch perfekt auf die erste EP passte.
O: Geplant ist auch eine weitere EP, die den Titel „Submission“ tragen wird …
JBB: Genau. Diese zweite EP beinhaltet weitere Songs zum Thema, Remixe und Kollaborationen. Allerdings sind sie etwas weicher und wärmer im Tonfall. Die zwei EPs sollen so verschiedene Perspektiven auf ähnliche Themen repräsentieren.
O: Und das alles gipfelt dann nächstes Jahr in das nächste Album? Dürfen wir den Titel „Trauma Ties“ schon verraten? – Und was kannst du uns darüber jetzt schon erzählen?
JBB: Ja sehr gern. Es wird ein großes Konzeptalbum zum Thema Trauma werden. In drei Abschnitten werden wir uns mit den Themen Körperdysphorie, Bindungsstörung und sexueller Missbrauch beschäftigen. Verbunden werden die Kapitel mit kurzen Hörspielsequenzen zum jeweiligen Thema. Die visuelle Gestaltung wird von zwei sehr verschiedenen Künstlerinnen gemeinsam gezeichnet werden. Musikalisch wird es noch etwas finsterer werden als bisher.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Line-up:
Jessy Bäsecke-Beltrametti – Gesang
Dave Wieser – Schlagzeug
Hannes Bachofner – Keyboard
Michael Hirst – Studio-Gitarren
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