SUSURRATION im Interview (1/2)

Photo: Melumnia Photography Melissa Mangold

Wir sprechen in unserem zweiteiligen Interview mit Jessy Bäsecke-Beltrametti – Mastermind hinter Susurration – über die aktuelle EP „Dominance“. Und dabei geht es durchaus heiß her, dreht sich die Hauptthematik doch um BDSM.

Orkus: Das Cover zu „Dominance“ sieht ja ziemlich abgefahren aus. Wie kam es zu dieser Idee? Und was hat es mit diesen Symbolen auf sich?
Jessy Bäsecke-Beltrametti: Das Logo ist ein antipatriarchales Statement mit der Metapher weiblicher Dominanz im BDSM-Kontext und natürlich gleichzeitig auch eine liebevolle Referenz zu dieser Liebensweise. Es besteht aus einer Vulva als Symbol für Weiblichkeit* und Feminismus. Die kleinen Symbole repräsentieren die verschiedenen Bereiche von BDSM: Die Spinne steht für Bondage, der Schlüssel für Kontrolle bzw. Ds und die Klinge für das Spiel mit dem Schmerz.
Für die EPs „Dominance“ and „Submission“ wollten wir mit verfremdeten Fotos von uns arbeiten. So kamen die Augen ins Spiel, die aus einem Konzertfoto von mir stammen. Das Ganze hat die Tattoo-Künstlerin Lea Rabenschwarz dann zu diesem Artwork weiterentwickelt.

O: Erbarmungslos beginnt die EP mit „Break Me Down“. Wie kam dieser Song zustande?
JBB: Ich wollte das Thema BDSM möglichst umfassend beleuchten, um typische Klischees und Bilder zu vermeiden. Deshalb stehen sich „Break Me Down“ mit der submissiven Perspektive und „Consensual Noise Content“ als dominantes Gegenstück gegenüber. Für „Break Me Down“ war mir wichtig, dass der Song sehr selbstbewusst und kraftvoll wird, damit der Aspekt der Selbstbestimmung und inneren Stärke, der für mich bei dieser Form der Unterordnung wesentlich ist, spürbar wird. Es ist ein selbstbewusster Pride Song für alle Subs und Bottoms.

O: Dazu gibt es auch ein heißes Video. Wie hast du den Dreh erlebt?
JBB: Das war ziemlich wild. Mit so vielen tollen und kreativen Menschen diese funkelnde Fantasie entstehen zu lassen, hat riesigen Spaß gemacht. Die Hingabe und spielerische Freude aller Beteiligten hat diesem Dreh etwas Magisches gegeben. Es war unser Ziel queerer sexueller Freude und Selbstverwirklichung, ohne „Male Gaze“ Sichtbarkeit zu geben. So haben wir mit einer reinen Finta-Crew gearbeitet. Das heißt vor und hinter der Kamera waren außer Hannes und Dave keine Cis-Männer am Dreh beteiligt. Das hat einen spürbaren Unterschied gemacht und eine sehr experimentierfreudige und konspirativ konzentrierte Atmosphäre erzeugt. Bei den Playscenes hat zudem Sarah Horst als Intimacy-Coordinator einen wahnsinnig guten Job gemacht und unaufdringlich auf die Einhaltung aller Grenzen und das Wohlbefinden aller geachtet. Das hat extrem viel Sicherheit und Ruhe gegeben. Genau diese Atmosphäre schätze ich an der queren Kink-Szene und genau diese Mischung von Freiheit und Sicherheit wollte ich mit dem Video transportieren.

O: „Consensual Noise Content“ sticht besonders heraus. Gibt es eine Geschichte dahinter?
JBB: Dominanz, wie sie in diesem Song besungen wird, beinhaltet neben dem Naheliegenden auch sehr viel Wärme, Achtsamkeit, Care und Liebe. Das geht in vielen popkulturellen Darstellungen leider unter. Um echte Dominanz künstlerisch ganz klar von Übergriffigkeit abzugrenzen, war es mir extrem wichtig diesen Aspekt neben der Härte und Kraft spürbar zu machen. So kam es zur Idee die Parts mit den Cello-Spuren als Ausgangspunkt zu nehmen und daraus einen erbarmungslosen Track zu entwickeln, der dann sehr vielschichtig geworden ist und sowohl rohe Härte als auch ein Gefühl von Geborgenheit und Zärtlichkeit transportiert, das die Härte umschließt und uns auffängt. Ich bin damit sehr glücklich.

O: Was sind deine Berührungspunkte mit der BDSM-Szene? Und welchen Part nimmst du darin ein?
JBB: Meiner Erfahrung nach gibt es in der BDSM-Szene ein enormes Wissen über Kommunikation, Selbstverantwortung und Achtsamkeit im Umgang mit einander, da diese Art der Intimität ohne ständige Reflexion und Kommunikation gefährlich werden kann. In Workshops, auf Events und in Begegnungen in dieser Welt habe ich so vieles Wertvolles gelernt, das ich in anderen Kontexten anwenden konnte. Ich finde es wichtig dieses Wissen und diese Kommunikationspraktiken anzuwenden und weiterzugeben. Sei es durch Workshops, zwischenmenschliche Beziehungen oder Musik, die diese Welt repräsentiert und sichtbar macht. Zu einem großen Teil geht es mir darum, wenn ich diese Ästhetik und Inhalte künstlerisch verarbeite. Und natürlich gefällt mir auch das dramatisch Theatralische, das überraschend Verspielte und die abgründige Metaphorik des BDSM, die sich so wunderbar mit der Gothic-Welt verbinden lässt. Nicht zuletzt sind diese Songs auch eine Liebeserklärung an die wundervollen Menschen, die diese Szene bilden.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Wir setzen unser Interview in Kürze fort.

Line-up:
Jessy Bäsecke-Beltrametti – Gesang
Dave Wieser – Schlagzeug
Hannes Bachofner – Keyboard
Michael Hirst – Studio-Gitarren

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