So war es bei THE AWAKENING

04. November 2025, Hamburg, Nochtspeicher
Support: The Last Decade
Gothic Rock stirbt nicht – er wandert, und heute kam er aus Südafrika
Es gibt Bands, bei denen man schon beim ersten Ton spürt, dass sie nicht einfach spielen – sie beschwören. Die südafrikanische Gothic-Rock-Ikone The Awakening, gegründet von Ashton Nyte, gehört in genau dieses seltene Feld. Eine Band, die seit den Neunzigern die dunklen Pfade zwischen Wave, Gothic Rock und melancholischem Alternative mit einer Intensität beleuchtet, die nicht poliert, sondern ehrlich ist. Musik, die flackert wie Kerzenlicht in verregneten Nächten. Musik, die hält. Für ihre „Haunting Tour 2025“ verschlug es The Awakening erneut nach Europa – und am 04. November 2025 in den Hamburger Nochtspeicher, jenen Backsteinraum am Hafen mitten auf St. Pauli, der wirkt, als hätte man ihn extra für intime, schwarz glühende Abende entworfen. Gut gefüllt, warm, bereit. Ein Publikum, das wusste, was kommt – und trotzdem überrascht wurde.
Düsternis in Bewegung
Bevor die Hauptakteure die Bühne betraten, eröffnete The Last Decade den Abend: modern, kantig, energiegeladen. Ein Atemzug frischer Szene-Luft, der das Publikum sofort packte. The Last Decade traten nicht auf die Bühne – sie platzten hinein. Die ersten Töne vom U2-Cover „Comfortably Numb“ ließen den Raum sofort enger wirken, als hätte man die Luft ein wenig dunkler gedreht. Danach folgten „Dragons“, „Vigilance“ und „Face“, jeder Song ein Treffer, jeder Schlag ein Statement. Später rissen „Big Black Car“ und „Shadowman“ den Raum weiter auf, bevor „Candle“ und „War“ den letzten Funken ernst in die Gesichter malten. Es folgten „Destination Unknown“ und „Wasteland“, zwei Songs, die das Publikum nicht nur aufwärmten, sondern in den Zustand versetzten, den man für The Awakening braucht: aufmerksam, wach, innerlich gespannt. Ein Set wie ein dunkler Sog – und der perfekte Auftakt.
Eine Rückkehr wie ein warmer Schatten
Wenn Ashton Nyte die Bühne betritt, verändert sich die Raumtemperatur. Nicht abrupt. Nicht laut. Sondern wie das langsame Öffnen eines Fensters in der Nacht. Seine Präsenz ist kein Akt – sie ist ein Zustand. Schwarze Eleganz, ruhige Bewegungen, eine Stimme, die gleichzeitig tröstet und brennt. Der Abend startete mit „Shimmer“, einem atmosphärischen Intro, das den Raum in ein funkelndes Dunkel tauchte. Plötzlich folgte „Mirror Midnight“, kühl und direkt, ein Song wie eine alte Fotografie mit frischen Kratzern. Danach zogen „Vampyre Girl“ und „Through the Veil“ das Publikum tiefer in diesen Sound, der nach Vergangenheit schmeckt, aber im Jetzt lebt. Später öffnete „Upon the Water“ einen warmen, fast sehnsüchtigen Moment, bevor „Shadow Call“ und „Fault“ wieder dunklere Konturen zeichneten. „Indian Summer Rain“ wirkte wie ein melancholisches Zwinkern, ein kurzer Lichtschein im Herbstnebel. Es folgte „The Carriage“, schwer und erzählerisch, und kurz darauf „Before I Leap“ in einer intimen Akustikversion – ein stiller Höhepunkt. Dann kam der Titelsong der Tour: „Haunting“. Kein Lied, sondern ein Zustand. Zum Finale rissen „Back to Wonderland“, „Nothing Like the Rain“ und „Cabaret“ das Publikum noch einmal nach oben – düster, pulsierend, lebendig.
Wenn der Abend nachglüht
Die Rückkehr auf die Bühne fühlte sich nicht wie eine zweite Runde an, sondern wie ein Nachhall. Etwas, das noch gesagt werden wollte. „Maree“ kam zuerst – weich, dunkel, mit jener verletzlichen Eleganz, die Ashton Nyte so unverwechselbar macht. Danach verwandelte „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel den Raum in etwas Größeres: Ein Cover, das nicht nachahmte, sondern neu atmete. Kein Versuch, das Original zu überstrahlen – eher ein liebevolles Weitertragen durch die Nacht. Zum Abschluss folgte „The Dark Romantics“ – ein Song wie eine Selbstbeschreibung. Düster, warm, voller Gesten, die man eher fühlt als sieht. Perfekt für einen Abend, der sich nicht verabschiedete, sondern liegen blieb.
Fazit
The Awakening im Nochtspeicher gaben kein einfaches Konzert. Es war eine Rückkehr zu dem, was Gothic-Rock im Kern ausmacht: Ehrlichkeit, Atmosphäre, Präsenz. Ashton Nyteund seine Band spielten nicht – sie erzählten. Sie führten durch Dunkelheit ohne Dramatik, durch Melancholie ohne Kitsch. Der Abend fühlte sich an wie ein Gespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Szene und Seele. Ein warmer Schatten, der bleibt.
Text & Photos: Thomas Friedel Fuhrmann – findet Worte zwischen Nebel, Licht und Dunkelheit.
Setlist:
„Shimmer“ (Intro)• „Mirror Midnight“ • „Vampyre Girl“ • „Through the Veil“ • „Upon the Water“ • „Shadow Call“ • „Fault“ • „Indian Summer Rain“ • „The Carriage“ • „Before I Leap“ (Acoustic) • „Haunting“ • „Back to Wonderland“ • „Nothing Like the Rain“ • „Cabaret“ ••• „Maree“ • „The Sound of Silence“ (Simon & Garfunkel Cover) • „The Dark Romantics“
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