So war es bei UNIVERSUM25

19. Februar 2026, Hamburg, Knust

Support: SOAB

Tourstart

Es gibt Abende, an denen eine Bühne nicht einfach eine Bühne ist, sondern ein Startschuss. Der 19. Februar 2026 ist so einer: Universum25 eröffnen ihre Tour im ausverkauften Hamburger Knust – und der Laden wirkt vom ersten Moment an zu klein für das, was da gleich losbricht.

Universum25 sind keine „Band“ im klassischen Sinn. Sie sind ein Zusammenprall, ein Crossover aus Rock, Synth-Rock, Neuer Deutscher Härte, Metal und Punk – und dazu eine Besetzung, die in der Szene sofort Gewicht hat: Michael Robert Rhein (In Extremo), Rupert Keplinger (Eisbrecher, Antitype), Pat Prziwara (Fiddler’s Green), Gunnar Schroeder (Dritte Wahl) und Alex Schwers (Slime). Fünf Namen, fünf Biografien, fünf Bands mit Gewicht und ein Sound, der nicht fragt, ob du bereit bist. Das Publikum ist von Anfang an elektrisiert. In ihren Gesichtern spiegelt sich dieses erwartungsvolle „Jetzt!“, wie kurz vorm ersten Schlag in den Magen – nur dass man ihn hier freiwillig nimmt. Keine verschränkten Arme, denn hier will niemand beobachten. Hier will man spüren.

Rostock, Dreck, Druck

SOAB aus Rostock machen klar, dass dieser Abend kein lauer Einstieg wird, dass Support kein Synonym für „Vorprogramm“ ist. Mit „Hausverbot“ und „Beiß ab“ legen sie sofort los – roh, direkt, mit dieser Punk-Attitüde, die nicht diskutiert, sondern mit der sie einfach ihr Ding durchziehen. „Alles was mal war“ und „Maulmisch“ drücken weiter nach vorne, während der Bass trocken in die Magengrube arbeitet und die ersten Reihen bereits merklich dichter zusammenrücken. Später nehmen „Gib mir Zeit“ und „Mit jedem Kilometer“ kurz Tempo raus, ohne Energie zu verlieren – eher wie ein Anlauf, bevor mit „Dinos aus dem All“ und „How We Know“ wieder ordentlich geschoben wird. Mit „Get the Fuck up“ wird die Ansage dann endgültig wörtlich genommen, und spätestens bei „Ich hass dich“ ist klar: Das hier ist kein dekorativer Support, sondern ein selbstbewusster Auftakt mit Dreck unter den Fingernägeln.

Abriss mit Ansage

Licht aus. Kein Intro-Geflüster. Ein Schlag – und „Wenn Roboter träumen“ fährt rein wie ein Presslufthammer. Live-Debüt? Klingt nicht wie Premiere. Klingt wie Angriff. Die Gitarren drücken, die Synths legen Kälte drüber, die Stimme Michaels schneidet durch alles. „Irgendwann“ kommt danach nicht als sentimentaler Moment, sondern als umgebaute Kampfansage. Kein Folk-Charme – hier gibt’s Stahl im Refrain. Mit „Ich geb dir mehr“ wird endgültig klar: Diese Band hält nichts zurück. Der Song wirkt wie ein Faustschlag mit Melodie, und die erste Reihe nimmt ihn dankend an. „Die neue Zeit“ und „Harte Kost“ drehen den Druck weiter hoch. „Wir warten“ schiebt unerbittlich, während „Einsamkeit“ plötzlich eine andere Seite zeigt – roh, ehrlich, ohne Pathos. Kein sentimentales Gejammer, eher dieses offene, wütende Alleinsein, das viele kennen. Dann „Ebbe und Flut“. Slime im NDH-Gewand, mit Dreck im Sound.

Das Publikum hebt Fäuste, singt, schwitzt. „Manchmal frag ich mich“ und „Genug“ wirken wie Ventile – Druck rauslassen, Druck neu aufbauen. Und mit „Zu deiner eigenen Sicherheit“ eskaliert der Abend endgültig. „Lichtgeschwindigkeit“ macht seinem Namen alle Ehre. Kein Leerlauf, kein Durchatmen. „Vor deiner Tür“ wird kollektiv gebrüllt. Dann „Nur wegen dir“, das wie eine Faust auf den Tisch mit Herz dahinter wirkt. „Horizont in Flammen“ ist einer dieser Stücke, die alles größer wirken lassen. Der Refrain hebt an – und für einen Moment scheint das Knust zu brennen, nicht im Chaos, sondern im Gleichklang. Das ist kein Konzert mehr. Das ist eine Ansage. Und „Gardinen zu“? Live-Debüt, ja. Aber eher wie eine Abrissbirne mit Taktgefühl. Der Song schlägt ein, lässt keinen Zentimeter Raum übrig, zwingt dich, dich zu bewegen. Was für ein Brett!

„Der Traum ist aus“ kommt nicht als nostalgische Verbeugung. Er kommt wie ein Spiegel. Unbequem. Aktuell. Laut. Das Knust singt nicht einfach mit – es trägt den Song. „Am Morgen danach“ beendet den Abend nicht sanft. Er schließt ihn mit diesem rauen Gefühl ab, das bleibt, wenn der Lärm abklingt und man merkt, wie sehr es gebraucht wurde.

Fazit: Tourstart mit Wucht – und mit Zukunft. Universum25 liefern zum Tourstart keinen Testlauf. Sie liefern einen Schlag ins Gesicht – im besten Sinne. Mehrere Songs feiern ihre Live-Premiere, und keiner wirkt unsicher oder vorsichtig. Alles sitzt. Alles brennt. Ausverkauft. Verdammt gut. Und wenn das erst der Anfang war, dann wird diese Tour keine Spazierfahrt.


Text & Photos: Thomas Friedel Fuhrmann

Setlist Universum25:
„Wenn Roboter träumen“ • „Irgendwann“ (Fiddler’s Green Cover) • „Ich geb dir mehr“ • „Die neue Zeit“ • „Harte Kost“ • „Wir warten“ • „Einsamkeit“ • „Ebbe und Flut” (Slime cover) • „Manchmal frag ich mich“ (Nr. 13 Cover) • „Genug“ • „Zu deiner eigenen Sicherheit“ • „Lichtgeschwindigkeit“ • „Vor deiner Tür“ • „Nur wegen dir“ • „Horizont in Flammen“ • „Gardinen zu“ ••• „Der Traum ist aus“ (Ton Steine Scherben Cover) • „Am Morgen danach“

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