YELLO im Interview (2/2)

Photo: Helen Sobiralski

Seit über 45 Jahren basteln Yello an ihrem ganz eigenen Verständnis von Zeit: Sounds werden archiviert, neu zusammengesetzt, verworfen und Jahre später wiederentdeckt. Auf „Time Lab“ wird Vergangenheit dabei nicht einfach wiederbelebt, sondern zum Ausgangspunkt für etwas Neues. Im Vordergrund steht aber vor allem die Zukunftsgewandtheit: „Die Frischheit der letzten Alben beruhen immer auf Errungenschaften des Neuen“, erklärt Boris Blank. Wir sprechen mit ihm in zwei Teilen über alte Bänder, vergessene Songs und die besondere Zeitlosigkeit eines Projekts, das nie müde wird, nach neuen Klängen zu jagen. Den ersten Teil kannst Du hier nachlesen.

Naturnarr

Drängend fühlt sich „About Time“ an. „Ursprünglich entstand der Song für Greenpeace, wurde damals aber nicht verwendet. So lag er jahrelang brach. Es ist ein echtes Anliegen, dass wir für die Erde Sorge tragen, obwohl ich denke, dass unsere Zivilisation nur ein kleiner Punkt in der Geschichte dieses Planeten ist. In 10.000 Jahren ist der Homo sapiens wahrscheinlich gar nicht mehr vorhanden.“ Während Boris’ Hund langsam unruhig wird, erklärt der Künstler: „Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und gehe jeden Tag im Wald spazieren, wo ich jede Pflanze kenne. Ich bin ein Naturnarr, wenn man so will, und schöpfe meine Fantasie aus der Natur. Deshalb dachte ich, ist es auch eine Verpflichtung, dass wir dazu Stellung nehmen.“ Außer der Natur liebt Boris an der Schweiz das Schwimmen im Zürichsee. „Ich bin auch oft in den Bergen und wandere gerne. Ich liebe vielleicht auch ein bisschen die Langeweile hier. Wenn ich in Paris oder New York leben würde, wäre ich wahrscheinlich weniger an die Musik gebunden und würde jeden Abend unterwegs sein.“ Zürich ist für ihn der beste Ort, um kreativ zu sein. „Es ist eine kleine, überschaubare Stadt. Da, wo ich wohne, bin ich in zehn Minuten zu Fuß im Wald mit meinem Hund. Zürich ist auch sehr international und multikulturell.“

Ein alter Hippie am Mikrofon

Für „Burning Dream“ steht Boris hinter dem Mikrofon: „Ich bin ja ein alter Hippie“, lacht er und ergänzt: „Ich war ja lange Zeit mit langen Haaren unterwegs, in den Siebzigerjahren, oft auch auf Ibiza. Da ist noch immer die Fantasie dieser Zeit im Hinterkopf.“ Wenn er die Musik von damals von der amerikanischen Westküste höre, habe das für ihn eine besondere Kraft. „Dort wurde ja die Hippie-Welle erfunden und diese psychedelischen Welten. Ich glaube, auf den letzten drei Platten habe ich mich immer bei einem Song an diese Hippie-Psychedelik herangemacht.“ Ein Grund mehr, warum „Time Lab“ so ein facettenreiches Album ist, das auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig wird.

Claudia Zinn-Zinnenburg

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