ROCK AM RING 2026 mit LIMP BIZKIT, LINKIN PARK, WITHIN TEMPTATION u.v.m. (Teil 1/3)

Rock am Ring
05.–07. Juni 2026, Nürburgring
Freitag: Wenn aus Vorfreude Wirklichkeit wird
Rock am Ring 2026 stand schon lange vor dem ersten Gitarrenriff unter einem besonderen Stern. Als im vergangenen Jahr die Rückkehr von Linkin Park angekündigt wurde, brachen die Ticketverkäufe sämtliche Rekorde. Bereits im Oktober war das Festival restlos ausverkauft. Doch so sehr die Rückkehr der Band die Schlagzeilen bestimmte, zeigte dieser Ansturm vor allem eines: Die Menschen sehnen sich nach dem Gefühl, das nur Rock am Ring erzeugen kann. Und dieses Gefühl beginnt jedes Jahr aufs Neue mit derselben Frage: Was hat die Eifel diesmal vor? Zwischen Sonnenbrille, Sonnencreme und Wintermantel gehört am Ring schließlich alles zur Grundausstattung. Die Prognosen schwankten bis zuletzt. Würde uns die Sonne begleiten oder der Nürburgring erneut seine berüchtigte Wetter-Lotterie eröffnen?
Der Ring erwacht
Mit einem lauten Knall an der Hauptbühne erklang „Killing in theName“ von Rage Against the Machine über das Infield. Feuer schoss aus den stattlichen Videowürfeln, die sich über das Gelände erhoben und dunkle Rauchschwaden stiegen auf. Für einen Moment erinnerte der Nürburgring eher an Mordor. Die Magie von Rock am Ring nahm ihren Lauf. Und Ingo von den Donots begegnete den düsteren Bildern mit einem Grinsen: „Ich steh zu meinem Wort, die Sonne kommt raus.“
Das erste Wir-Gefühl
An der zweiten Bühne fiel sofort eine Veränderung ins Auge: Die Mandora Stage hatte ein gewaltiges Upgrade erhalten und präsentierte sich nun mit riesigen Videowänden. We Came As Romans machten vom ersten Moment an klar, dass sie gekommen waren, um die Ringrocker in Bewegung zu versetzen. „Get the fucking pit started“, forderte Frontmann David Stephens, während „Bad Luck“ und „Red Smoke“ bereits die ersten Circle Pits und Crowdsurfer hervorbrachten. Immer wieder suchte Stephens die Nähe zum Publikum, klopfte sich auf das Herz und zeigte sich sichtlich bewegt: „It’s amazing to be with you.“ Für die US-Amerikaner ging nicht nur um Breakdowns und Moshpits, sondern auch um Gemeinschaft. Zu „Cold Like War“ stellte der Sänger die Menge vor eine einfache Wahl: Mitsingen oder Circle Pit – Hauptsache, gemeinsam. Besonders emotional wurde es bei „Lost in the Moment“. Der Song war ihrem 2018 verstorbenen Sänger Kyle Pavone gewidmet, der an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte. „Rest in power, Kyle“, sagte Stephens, bevor tausende Hände klatschend den Track begleiteten. Für einen Moment wich die pure Energie einer spürbaren Verbundenheit. Mit ihrem aktuellen Hit „Where Did You Go?“ verwandelte die Band die Emotionen schließlich wieder in pure Festival-Euphorie. Unzählige Pommelsgabeln reckten sich in die Höhe, ehe We Came As Romans mit „Daggers“ unter lautem Jubel die Bühne verließen.
Auf Tuchfühlung
Auf der Utopia Stage bewiesen Bush eindrucksvoll, dass sie auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben. Bereits zum Auftakt von „Machinehead“ zeigte sich das Infield überraschend voll. Frontmann Gavin Rossdale ließ sich davon mitreißen. „Incredible. You’re fucking awesome. Jesus Christ“, staunte er, während er über den langen Steg der Hauptbühne fegte und immer wieder den direkten Kontakt zu den Fans suchte. Dass Rossdale seine Auftritte nicht bloß absolviert, sondern lebt, zeigte sich besonders bei „Flowers on a Grave“. Hierzu zog es ihn dorthin, wo er sich am liebsten befand: mitten zu den Menschen. Immer weiter entfernte er sich von der Bühne, schüttelte Hände, posierte für Selfies, nahm Fans in den Arm und schien sich gar nicht mehr von ihnen lösen zu wollen. Während der Sänger immer tiefer im Infield verschwand, verlängerte die Band kurzerhand die Songpassage. Rossdale genoss sein Bad in der Menge sichtlich – und das Publikum jede einzelne Sekunde mit ihm. Ein herrlicher Moment voller Nähe und Spontanität. Zurück auf der Bühne folgte mit „Swallowed“ einer der großen Klassiker. Zunächst ganz reduziert vorgetragen, stand Rossdale allein vor tausenden Menschen und breitete die Arme aus. „I’m so happy to be here. There‘s so many fucking people. I guess it’s the most beautiful thing I’ve ever seen“, schwärmte er. Dabei wirkte er durchaus bewegt von dem, was sich vor ihm abspielte. Auch das aktuelle Material fügte sich nahtlos ins Set ein. Gerade „I Beat Loneliness“ entfaltete mit seiner Botschaft von Hoffnung und dem Durchhaltewillen Einsamkeit zu überwinden eine besondere Wirkung, in der man den Moment festhalten wollte. Zu „Glycerine“ ging ein Raunen durch die Reihen. Erinnerungen an unbeschwerte Jahre wurden wach, tausende Stimmen sangen mit und für einen Augenblick schien die Zeit stillzustehen.
Zwischen Härte und Gefühl
Bevor The Plot In You die Mandora Stage betraten, brachten sich die Securities vor dem Graben in Stellung. Bereits „Divide“ zog mit starken Visuals und der außergewöhnlichen Stimme von Frontmann Landon Tewers die Aufmerksamkeit auf sich. Auch die neue Single „You Get One“ zündete sofort. Zwischen Feuerfontänen entfaltete sich ein ebenso kraftvoller wie emotionaler Song, der dazu aufruft, das Leben bewusst zu leben und keinen Moment als selbstverständlich zu betrachten. Bei „Pretend“ sangen die Fans aus voller Kehle mit, während Crowdsurfer über die Menge glitten und selbst Superhelden sowie Bananen durch die Pits wirbelten. „I need you on your worst behavior“, forderte Landon vor „Don’t Look Away“, ehe massive Gitarrenwände über das Infield rollten. Das von Vogelgezwitscher eingeleitete „Spare Me“ und das gefühlvolle „Face Me“ zeigten eindrucksvoll, wie mühelos The Plot In You zwischen brachialer Härte und emotionaler Tiefe wechseln. Mit „The One You Loved“ folgte der bewegendste Moment des Sets. Der Song erzählt von Verlust, Erinnerungen und der Bedeutung jener Menschen, die uns prägen. „Feel Nothing“ bildete den frenetisch gefeierten Abschluss, „You all were incredible, so worth the long flight“, lautete das Fazit des Sängers. Am Himmel brauten sich tiefschwarze Wolken zusammen, doch während sich bereits bange Blicke gen Himmel richteten, zeigte sich der Ring-Gott gnädig.
Die junge Zukunft
Auch die dritte Bühne hatte ihre Highlights zu bieten. Mit TX2 betrat einer der spannendsten Newcomer des Line-ups die Orbit Stage. Timothy Evan Thomas verbindet Emo, Pop-Punk und moderne Alternative-Einflüsse zu einem Sound, der vor allem bei einer jüngeren Generation einen Nerv trifft. Seine Songs handeln von mentaler Gesundheit, Selbstzweifeln und Identitätsfindung. Vom ersten Moment an warf sich der Sänger mit voller Energie in die Show. Im kurzen Rock, mit Knieschonern und kurzer Weste fegte er über die Bühne, ließ sich auf den Boden fallen und schien jede Zeile mit seinem ganzen Körper zu leben. Gemeinsam sangen Band und Fans Zeilen aus Songs wie „I Would Hate Me Too“ oder „So Numb“. Zu „Confession“ verließen Timothy Evan Thomas und Gitarrist Cameron Rostami kurzerhand die Bühne und begaben sich Rücken an Rücken mitten in einen Circle Pit, während um sie herum die Menge rotierte. Ein Bild, das den gesamten Auftritt auf den Punkt brachte: Hier ging es nicht um große Inszenierung, sondern um Nähe, Ehrlichkeit und eine Band, die ihre Emotionen gemeinsam mit dem Publikum auslebte.
Ein Traum wird wahr
Erstmals in ihrer Karriere standen Architects auf der Utopia Stage – und Frontmann Sam Carter schien jeden einzelnen Augenblick aufsaugen zu wollen. Bereits „Elegy“ und „Whiplash“ ließen die ersten Pits über das Infield rollen, doch schnell wurde deutlich, dass an diesem Abend mehr als nur ein weiterer Festivalauftritt stattfand. „This right here is one of the best festivals in the fucking world“, stellte Sam mit Blick auf die Menschenmassen fest. Immer wieder sprang er über den Laufsteg, hockte sich an den Bühnenrand oder blickte ungläubig über das Gelände. Als zu „Black Hole“ ein Moshpit nach dem nächsten entstand und bei „Impermanence“ zahllose Crowdsurfer über die Menge schwebten, wirkte der Sänger beinahe wie ein Kind im Süßwarenladen. Besonders eindringlich wurde es zwischen den Songs. „You are the battery. You are the energy that keeps this scene alive“, erklärte Carter sichtlich bewegt. Worte, die an diesem Wochenende kaum treffender hätten gewählt werden können. Mit „Curse“ folgte einer der Höhepunkte des Sets. Die Zeile „As free as a bird“ schien sinnbildlich für den Frontmann selbst zu stehen. Als Carter später gestand, dass es sich anfühle, auf dieser Bühne zu stehen wie ein wahr gewordener Traum, schüttelte er ungläubig den Kopf und klopfte sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „This is a dream and this is a fucking job.“ Bei „Seeing Red“ folgte schließlich die völlige Eskalation. Sirenen heulten, vor und auf der Bühne brach das Chaos aus und der Song stellte die alles entscheidende Frage: „Are you happy now?“ Die Antwort lag förmlich in der Luft. Überall strahlende Gesichter, fliegende Crowdsurfer und dieses ganz besondere Gefühl, das einen für einen Moment alles andere vergessen lässt. Mit „Animals“ setzten Architects den Schlusspunkt unter einen Auftritt, der eindrucksvoll zeigte, warum die Briten längst zu den wichtigsten Bands ihres Genres gehören. Vor allem aber machte Sam Carter deutlich, wie viel Rock am Ring selbst für Künstler bedeutet, die eigentlich schon alles erlebt haben.
Haltung mit Eleganz
Mit Within Temptation zog symphonische Wucht auf die Mandora Stage. Zum Auftakt von „We Go to War“ erschien Sharon den Adel zunächst mit einer filigranen goldenen Gesichtsmaske auf der Bühne. Gemeinsam mit ihrem weißen Kleid und den gleichfarbigen Turnschuhen verlieh sie dem Beginn des Auftritts eine beinahe mystische, fast engelsgleiche Ausstrahlung. Mit „Bleed Out“ und „Faster“ spannten die Niederländer mühelos den Bogen zwischen ihrem aktuellen, deutlich politischeren Material und den hymnischen Qualitäten, die Within Temptation seit Jahrzehnten auszeichnen. Vor allem Sharon den Adels Ausnahmestimme zog das Publikum in ihren Bann. Mühelos bewegte sie sich zwischen kraftvollen und gefühlvollen Passagen, während Nebelsäulen und eindrucksvolle Visuals für die passende Atmosphäre sorgten. Besonders „Stand My Ground“ entfaltete mit den schwenkenden Armen der Menge vor der Bühne eine beeindruckende Wirkung. Einer der schönsten Momente des Auftritts ereignete sich während „Faster“. Sharon wurde eine Ukraine-Flagge aus dem Publikum angereicht. Sichtlich gerührt hielt sie diese in die Höhe, ehe sie darauf achtete, dass sie sicher zu ihrer Besitzerin oder ihrem Besitzer zurückkehrte. Eine kleine Geste mit großer Wirkung, die hervorragend zu den aktuellen Songs der Band passte, in denen Within Temptation immer wieder Haltung gegen Krieg und Unterdrückung beziehen. Mit Klassikern wie „The Howling“, „What Have You Done“ und dem majestätischen „Mother Earth“ verwandelte die Band das Infield schließlich in einen riesigen Chor. Die per Video eingebundenen Gaststimmen fügten sich dabei überaus stimmig in die Show ein. Vor allem aber bewies Sharon den Adel einmal mehr, weshalb sie zu den beeindruckendsten Sängerinnen der Rock- und Metalwelt zählt.
Alle Augen auf Linkin Park
An der Utopia Stage startete ein Countdown, der begleitet von einem Feuerwerk für einer Überraschung sorgte: Rock am Ring kündigte mit Blink-182 einen Allerersten Headliner an, der 2027 erstmals überhaupt am Nürburgring auftreten wird.
Mit Linkin Park betrat schließlich jene Band die Utopia Stage, auf die dieses Wochenende seit einem Jahr hingefiebert worden war. Entsprechend groß war die Spannung, als Joe Hahn zunächst allein die Bühne betrat. Genau wie vor 25 Jahren eröffnete der Keyboarder den Ring-Auftritt mit dem Intro zu „With You“ – eine Hommage an den ersten Besuch der Band am Ring. Schon bei den ersten Songs wurde deutlich, weshalb Linkin Park auch in ihrer neuen Besetzung so viele Menschen begeistern. Emily Armstrong präsentierte sich stimmlich in Höchstform. Zu „Up from the Bottom“ griff sie selbst zur Gitarre, ehe sie mit „The Emptiness Machine“, dem Song, der sie der Welt erstmals als neue Stimme der Band vorgestellt hatte, früh ein Ausrufezeichen setzte. „The Catalyst“ tauchte das Infield in einen glitzernden Flitterregen, während die Fans bei „Burn It Down“ gleichzeitig in die Höhe sprangen und den Nürburgring in eine pulsierende Menschenwelle verwandelten. Beeindruckend war, wie selbstverständlich sich die neuen Songs zwischen all den Klassikern behaupteten. Vor allem aber war es dieses gewaltige Stimmenmeer aus Zehntausenden Kehlen, das selbst vertrauten Liedern noch einmal eine ganz eigene Kraft verlieh. Emilys kraftvolle Screams verliehen „Two Faced“ die nötige Wucht, während Mike Shinoda mit vorsichtigen Handzeichen eine Wall of Death initiieren wollte. Anders als bei vielen anderen Festivals wirkte seine Aufforderung beinahe zurückhaltend – vielleicht auch, weil sich hier eine Menschenmenge versammelt hatte, wie sie selbst für Rock am Ring außergewöhnlich war. Der Moment wollte zunächst nicht recht zünden, ehe sich schließlich doch erste Circle Pits öffneten. Kurz darauf nahmen Tonprobleme der Show den Fluss. Zeitweise fielen Lautsprecher aus, auf den Videowürfeln erschien versehentlich ein Countdown und bei „One Step Closer“ überließ die Band große Teile des Gesangs den Fans.
Fans in der Hauptrolle
Doch genau diese Fans trugen den Auftritt immer wieder. Die berührende Piano-Version von „Lost“ sorgte für einen der emotionalsten Momente des Sets, bevor „Heavy Is the Crown“ zeigte, wie sehr Emily Armstrong inzwischen in dieser Band angekommen ist. Unter gleißenden Lasern ließ sie sich für einen kurzen Moment crowdsurfend über die Menge tragen. „Deutschland, Rock am Ring. Wir sind so dankbar, wieder hier zu sein. Wir lieben Deutschland und wir lieben euch alle“, richtete Mike Shinoda an die Ringrocker. Zu „Bleed It Out“ nutzten Mike und Emily gemeinsam den langen Laufsteg, ehe nach und nach auch die übrigen Bandmitglieder bis an die Spitze der Bühne kamen und sich feiern ließen. Musikalisch präsentierten sich Linkin Park auf gewohnt hohem Niveau. Zwischen den Songs blieb jedoch der Eindruck, dass die Band an diesem Abend ungewöhnlich zurückhaltend agierte. Gerade Mike Shinoda wirkte in seinen Ansagen eher bedacht als antreibend, wodurch dem Auftritt stellenweise jene spielerische Leichtigkeit fehlte, die viele Konzerte der Tour prägt. Vielleicht lag es am Respekt vor der gewaltigen Kulisse, vielleicht an der besonderen Erwartungshaltung – der Funke sprang dennoch vor allem über die Musik und das Publikum über.
Dass nahezu jeder diesen Headliner erleben wollte, machte sich allerdings auch abseits der Bühne bemerkbar. Als sich die Ringrocker anschließend auf den Weg zur Mandora Stage machten, wo Limp Bizkit den Freitag beschlossen, kam es stellenweise zu dicht gedrängten Wegen und einem spürbaren Engegefühl. Die Besucherlenkung dürfte für die Veranstalter daher ein Thema sein, das sie für kommende Ausgaben noch einmal anpacken werden.
Party des Tages
Auf der zweiten Bühne erwartete die Ringrocker um 1:00 Uhr das eigentliche Partyfinale. Limp Bizkit bewiesen, weshalb sie auch nach Jahrzehnten noch zu den unterhaltsamsten Livebands der Rockwelt gehören. Eine riesige eingeblendete Stereoanlage, flankiert von überdimensionalen Musikkassetten mit Aufschriften wie Metallica, Kraftwerk oder Beastie Boys, versprühte pures Neunzigerjahre-Flair. Bevor der erste Live-Song erklang, schallte „Wake Me Up Before You Go-Go“ von Wham! über das Gelände. Sekunden später folgte Fred Dursts Begrüßung: „Limp Bizkit is in the fucking house!“ Die Marschrichtung war klar – hier sollte gefeiert werden. Mit „Show Me What You Got“ eröffneten die US-Amerikaner eine riesige Karaoke-Party mit Zehntausenden Gästen. Sämtliche Songtexte liefen über die Videoleinwand, Fred Durst scherzte ununterbrochen mit dem Publikum und ließ zwischen den Songs kaum eine Gelegenheit für einen spontanen Gag aus. „If this is your first time ever seeing Limp Bizkit live… you’re in for a treat“, versprach er grinsend. Dazu erschienen augenzwinkernde Einblendungen wie „We came here to party like it’s 1999“, „Please calm the fuck down“ oder – passend zu „Hot Dog“ – „Exposure to Hot Dogs may or may not be hazardous to your health“. Man wusste nie, was als Nächstes passieren würde. Dazu passte auch Wes Borland, der einmal mehr sämtliche Blicke auf sich zog. Mit seinem aus schwarzen Lamellen, Federn und goldenen Schuppen zusammengesetzten Look erinnerte er an eine mystische Gestalt zwischen Schamane, Endzeitkrieger und futuristischer Kunstfigur. „My Generation“, „Rollin’“, „Gold Cobra“, „Nookie“ oder „Take a Look Around“ verwandelten die Mandora Stage endgültig in ein Tollhaus. Immer wieder fragte Fred: „Is everybody happy?“ – und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Tausende Stimmen, hüpfende Menschenmassen und eine Band, die jede Minute sichtlich genoss. Selbst kleine Albernheiten wurden zu denkwürdigen Momenten. Fred tanzte ausgelassen zu Nenas „99 Luftballons“, behauptete augenzwinkernd, Kanye West sei Deutscher, versprach scherzhaft kostenloses Papa-Roach-Merchandise und schloss den plötzlich auftauchenden Jacoby Shaddix herzlich in die Arme. Genau diese unvorhersehbaren Augenblicke machten den Auftritt so besonders.
Ein Moment für Sam Rivers
Zwischen all der Ausgelassenheit wurde es jedoch auch still. Vor „Re-Arranged“ erinnerte Fred Durst an den kürzlich verstorbenen Bassisten Sam Rivers. „I know his spirit’s here tonight“, sagte er bewegt und machte damit deutlich, dass Sam an diesem Abend für die Band noch immer präsent war. Er sprach über seinen langjährigen Freund, dessen ikonische Basslinie den Song einst geprägt hatte, und bedankte sich bei Richie Buxton von Ecca Vandal, der dessen Platz auf dieser Tour übernommen hatte. Auf den Leinwänden erschienen später die Worte „Sam Rivers Forever“ – einer jener Momente, in denen die Party für einen Augenblick innehielt und spürbar wurde, wie viel Geschichte in dieser Band steckt. Besonders „Behind Blue Eyes“ entwickelte sich zu einem riesigen Mitsingmoment, ehe „Faith“ und „Take a Look Around“ den Druck wieder erhöhten. Als Fred schließlich den Mond suchte und gemeinsam mit den Ringrockern anbellen wollte, war endgültig klar: Diese Show folgte ihren ganz eigenen Regeln. Zum Finale versammelte sich die Band Slay Squad um den auf dem Bühnenboden hockenden Fred Durst. Für einen kurzen Moment wurde es ungewöhnlich ruhig. Dann sprang der Frontmann auf, „Break Stuff“ explodierte ein letztes Mal und gemeinsam stürmten alle Musiker über die Bühne. „Everybody get back to your tent safely. We’ll see you next time.“ Nach einem Auftritt voller Humor, Nostalgie, Überraschungen und ehrlicher Emotionen verließ man die Mandora Stage mit einem Hochgefühl. Limp Bizkit hatten den Freitag auf der zweiten Bühne nicht nur beendet – sie hatten ihn zu einer einzigen, herrlich verrückten Party gemacht.
Aufgrund von Foto-Restriktionen war es uns leider nicht möglich, Bilder von Linkin Park für Dich einzufangen. Hier kannst Du einen Bericht zur regulären Tour von Linkin Park mit zahlreichen Bildern sehen.
Text: Nadine Kloppert
Photos: Michael Gamon
Photos Architects: Markus Hillgärtner
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