MASSIV IN MENSCH im Interview (2/2)

30 Jahre Massiv in Mensch: Zum Jubiläum blickt die Band mit „Reminiszenzen und Sequenzen“ zurück und schlägt mit „Hands on Massiv Vol. IV“ zugleich ein neues Remix-Kapitel auf. Daniel Logemann spricht in unserem zweiteiligen Interview über musikalische Grenzgänge, besondere Wegbegleiter und die Geschichten hinter Songs wie „Procrastination“ und „A Night in Freezing Rain“. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, Du kannst ihn hier nachlesen.
Orkus: „Nach 30 Jahren sind sie so laut wie am ersten Tag.“ – Wenn du an die Anfangszeiten zurückblickst: Was hat sich in den 30 Jahren am meisten verändert?
Daniel Logemann: Enorm viel. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Allein die technischen Möglichkeiten oder die Produktionsbedingungen . Wir haben damals noch Songs mit einem Trackerprogramm namens „Fasttracker II“ erschaffen. Die Band hat sich natürlich auch „menschlich“ verändert. Mit Mirco Osterthun gründete ich einst das Projekt. Er verließ die Band schon vor über 15 Jahren und mittlerweile haben wir beide ein Nebenprojekt namens „Altlast“ erschaffen. Es ist auch mittlerweile viel einfacher, einen Song oder ein Album zu produzieren und zu veröffentlichen. Was jedoch die generelle Herangehensweise an einen Song angeht, hat sich gar nicht so viel verändert. Da sind wir immer noch unkonventionell, laut und sicherlich auch ein wenig unangepasst mit einem Hang zum Humor, den wir uns bewahrt haben.
O: Mit „Procrastination“ können sich sicherlich viele Menschen identifizieren. Wie kam der Song zustande?
DL: Ich wollte das Thema schon immer mal in einem Song verewigen, jedoch fehlte mir die Initialzündung.
Dann fand ich ein Demo von 2023 auf meiner Festplatte und habe weiter daran „herumgeschraubt“. Erst dann entstand der Text. Ja prokrastinieren ist ein zutiefst menschliches Verhaltensmuster und irgendwie findet sich fast jeder darin wieder. Mir war wichtig zu zeigen, dass hinter dem Aufschieben keine Willensschwäche oder gar Faulheit steckt. Es ist kein Mangel an Disziplin, sondern oft eine emotionale Blockade – angetrieben von der Angst, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Am Ende befreit sich die Protagonistin ja von diesem Schatten, der auf ihr liegt.
O: Und was schiebst du am liebsten auf die lange Bank, und wie prokrastinierst du am liebsten?
DL: Ich selbst erledige tatsächlich die Dinge gerne schnell. Nach dem Motto „Das muss vom Tisch“. Allerdings wenn es um irgendwelche Anträge oder bürokratischen Schreibkram geht, kann es auch schon mal ein paar Tage länger dauern. Ich pflege neben meiner fantastischen Beziehung zu meiner Freundin noch eine weitere zu meinem großen Sofa. Hier kann man wunderbar prokrastinieren.
O: Besondere Gänsehaut bekommt man bei „A Night in Freezing Rain“. Gibt es eine Entstehungsgeschichte?
DL: In der Tat. Ich bin seit einigen Jahren ein großer „Fan“ von True-Crime-Podcasts und die Geschichten von vermissten Personen berühren mich oft besonders. In diesem Fall geht um einen Vermisstenfall aus dem Jahr 2001. Ein Mädchen aus Bergen an der Dumme wurde zuletzt im Eisregen an einer Bushaltestelle gesehen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden.
Claudia Zinn-Zinnenburg
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