So war es bei AMARANTHE & EPICA

06. März 2026, Hamburg, Inselpark Arena
Support: Charlotte Wessels
Laut, episch, gnadenlos: Die Inselpark Arena im Ausnahmezustand
Schwarze Shirts, erwartungsvolle Gespräche und dieser typische Moment kurz vor dem ersten Ton. Die Inselpark Arena vibrierte bereits, lange bevor überhaupt ein Gitarrenriff erklang – diese besondere Mischung aus Vorfreude und Spannung, die nur große Konzertabende erzeugen. Einer jener Abende war der 6. März 2026 ohne klassisches Line-up mit klarer Hierarchie, sondern ein seltenes Konzept: zwei Headliner, zwei Klangwelten und zwei Bands, die sich die Bühne vollkommen gleichberechtigt teilten. Und wenn zwei Metal-Welten aufeinandertreffen, entsteht manchmal Reibung. Manchmal Konkurrenz. Doch an diesem Abend passierte etwas anderes: zwei Stilrichtungen – und eine gemeinsame Explosion aus Energie, Melodie und brachialer Livepower.
Epica – Symphonischer Metal in seiner brachialsten Form
Auf der einen Seite Epica – die niederländischen Meister des symphonischen Metal. Seit ihrer Gründung im Jahr 2002 verbinden sie orchestrale Monumentalität mit progressiver Härte und haben sich über die Jahre zu einer der prägendsten Größen des Genres entwickelt. Orchestrale Arrangements und brachiale Riffs verschmelzen zu monumentalen Klangbildern. Doch trotz aller epischen Breite verlieren Epica nie die Härte aus den Augen. Zarte, beinahe sakrale Gesangspassagen prallen auf aggressive Growls und druckvolle Gitarren – ein Kontrastspiel, das längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Gerade live entfalten diese Kompositionen ihre ganze Wucht. Sobald Simone Simons die Bühne betritt, entsteht sofort eine magnetische Präsenz. Ihre Stimme trägt mühelos über jede Gitarrenwand hinweg, während die Band darunter eine massive Klangbasis errichtet.
Amaranthe – Moderne Metalenergie mit futuristischem Druck
Auf der anderen Seite Amaranthe aus Schweden – eine Band, die seit ihrer Gründung im Jahr 2008 ihren ganz eigenen Hybrid erschaffen hat. Modern, digital, futuristisch. Während Epica für orchestrale Monumentalität stehen, liefern Amaranthe die andere Seite der Medaille: einen Sound, der melodischen Metal, elektronische Elemente und hymnische Popstrukturen zu einem energiegeladenen Cocktail verschmelzen lässt. Ein zentrales Markenzeichen der Band ist das Zusammenspiel von drei Stimmen. Frontfrau Elize Ryd bringt die melodische Kraft, Nils Molin liefert klassischen Metalgesang, während Mikael Sehlin mit brutalen Growls für den nötigen Druck sorgt. Amaranthe verstehen es perfekt, ein Publikum mitzunehmen und eine Halle innerhalb weniger Minuten in Bewegung zu bringen.
Charlotte Wessels – The Obsession
Bevor dieser Doppelsturm losbrechen konnte, gehörte die Bühne jedoch zunächst einer Künstlerin, die vielen Fans bestens bekannt ist. Charlotte Wessels, lange Zeit Frontfrau der Symphonic-Metal-Band Delain, hat sich mit ihrem aktuellen Projekt The Obsession eine eigene musikalische Welt erschaffen. Ihre Songs bewegen sich zwischen dunklem Pop, atmosphärischem Rock und cineastischem Metal. Persönlich, emotional, manchmal zerbrechlich und oft mit einer leisen Melancholie versehen – dann wieder überraschend kraftvoll.
Charlotte Wessels – Der Auftakt
Mit „Chasing Sunsets“ und „Dopamine“ begann der Abend zunächst noch vergleichsweise ruhig, doch die Atmosphäre im Saal verdichtete sich schnell. Während sich die Inselpark Arena langsam füllte, führte Charlotte Wessels das Publikum mit ihrer warmen Stimme durch die ersten Songs. „The Crying Room“ und „Soft Revolution“ folgten danach und bauten eine dunkle, fast hypnotische Stimmung auf. Viele Zuschauer lauschten aufmerksam – ein seltener Moment der Ruhe, bevor der Abend deutlich lauter werden sollte. Zum Abschluss steigerten „After Us, The Flood“ und „The Exorcism“ noch einmal die emotionale Wucht des Sets. Besonders der finale Song entfaltete eine düstere Dramatik, die perfekt zu diesem Abend passte.
Epica – Orchestraler Metal als Abrissbirne
Als das Licht erneut erlosch, lag plötzlich eine spürbare Spannung im Raum. Nebel kroch über die Bühne, orchestrale Klänge waberten durch die Halle – dann brach mit „Apparition“ der erste Soundsturm los. Ein wuchtiger Einstieg, der sofort klarmachte: Epica waren heute gekommen, um die Arena zu übernehmen. Direkt danach folgte „Cross the Divide“, dessen treibende Gitarren und hymnischer Refrain die Menge sofort mitrissen. Und im Fotograben wurde es plötzlich eng, als Simone Simons an den Bühnenrand trat und die ersten Reihen komplett ausrasteten. Mit „Martyr of the Free Word“ folgte dann der erste echte Nackenschlag des Abends. Die Riffs fraßen sich durch die Halle, während Simone Simons scheinbar mühelos über der Gitarrenwand schwebte. Danach drückte „Eye of the Storm“ das Tempo weiter nach vorn – eine brachiale Mischung aus orchestraler Größe und metallischer Wucht. Später sorgten „Unleashed“ und „Never Enough“ für den ersten großen Mitsingmoment. Das Publikum ging sofort mit, Arme in der Luft, Stimmen im Chor. Ein besonderer Moment folgte mit „Sirens – Of Blood and Water“, bei dem Charlotte Wessels noch einmal auf die Bühne zurückkehrte. Zwei Stimmen, die sich perfekt ergänzten, während darunter eine massive Klangwand aufgezogen wurde. Mit „Tides of Time“ wurde es kurz atmosphärischer, bevor sich das Set mit „The Grand Saga of Existence“ wieder in monumentale Klangdimensionen aufschwang.
Dann kam der Moment, auf den viele gewartet hatten. Als die ersten Töne von „Cry for the Moon“ erklangen, ging ein hörbares Raunen durch die Halle. Sekunden später sang die Inselpark Arena jede Zeile mit. Die Gitarren walzten durch die Arena, während Simone Simons im weißen Bühnenlicht die Bühne mit beeindruckender Präsenz dominierte und die ersten Reihen jede Zeile mitsangen. Mit „The Last Crusade“ wurde es noch einmal episch. Orchestrale Wucht und ein Publikum, das komplett im Bann dieser Klangkathedrale stand. Den Abschluss bildete schließlich „Beyond the Matrix“ – ein Finale, das noch einmal alles vereinte: Druck, Melodie und epische Dramatik. Ein orchestraler Metal-Sturm, der die Inselpark Arena komplett im Griff hatte. Doch der Abend war noch nicht vorbei.
Amaranthe – Futuristische Metalparty
Kaum hatten Epica die Bühne verlassen, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig. Die orchestrale Dunkelheit wich grellen Lichtern, elektronischen Beats und einer Energie, die sofort nach vorne ging. Mit „Fearless“ eröffneten Amaranthe ihr Set – ein Song, der wie ein Energieschock durch die Arena fuhr. Danach folgte „Viral“, dessen moderner Metal-Sound sofort Bewegung in die Menge brachte. „Digital World“ und „Damnation Flame“ legten anschließend eine massive Gitarrenwalze nach. Mit „Maximize“ und „Strong“ schaltete die Band endgültig auf Party-Modus. Die Refrains wurden lautstark mitgesungen, während Elize Ryd die Bühne mit einer Mischung aus Energie und Charisma dominierte. „Crystalline“ ließ die Halle kurz durchatmen, bevor „Chaos Theory“ wieder ordentlich Druck machte.
Als „Amaranthine“ erklang, ging ein hörbares Raunen durch die Menge. Der Song gehört längst zu den Klassikern der Band – und wurde vom Hamburger Publikum begeistert gefeiert. Mit „The Nexus“ wurde es danach wieder hymnisch und gewaltig. „Call Out My Name“ und „Archangel“ steigerten die Energie noch einmal deutlich. Besonders letzterer entfaltete live eine enorme Wucht. Dann kam der finale Sprint. Mit „That Song“ brachte die Band die Halle noch einmal zum Tanzen, bevor „Drop Dead Cynical“ den Abend endgültig zum Kochen brachte. Eine futuristische Metal-Party – laut, grell und gnadenlos energiegeladen.
Fazit – Symphonic Metal kollidiert mit Future Metal
Epica und Amaranthe lieferten keinen klassischen Support-Headliner-Abend, sondern ein echtes Doppel-Headliner-Spektakel. Zwei völlig unterschiedliche Klangwelten, zwei komplett verschiedene Bühnenkonzepte.
Und doch zwei Bands, die genau wissen, wie man eine Halle zum Kochen bringt. Epica beeindruckten mit orchestraler Größe, monumentalen Arrangements und einer Stimme, die mühelos über jede Gitarrenwand hinwegschwebte. Amaranthe hingegen lieferten eine moderne Metal-Party mit futuristischem Druck, elektronischen Beats und einem permanenten Energieschub. Am Ende blieb ein Abend, der zeigte, wie vielseitig moderner Metal sein kann. Oder einfacher gesagt: Was für ein geiler Abriss!
Text & Fotos: Thomas Friedel Fuhrmann
Setlist Charlotte Wessels:
„Chasing Sunsets“ • „Dopamine“ • „The Crying Room“ • „Soft Revolution“ • „After Us, The Flood“ • „The Exorcism“
Setlist Epica:
„Apparition“ • „Cross the Divide“ • „Martyr of the Free Word“ • „Eye of the Storm“ • „Unleashed“ • „Never Enough“ • „Sirens – Of Blood and Water“ • „Tides of Time“ • „The Grand Saga of Existence“ • „Cry for the Moon“ • „Fight to Survive“ • „The Last Crusade“ • „Beyond the Matrix”
Setlist Amaranthe:
„Fearless“ • „Viral“ • „Digital World“ • „Damnation Flame“ • „Maximize“ • „Strong“ • „Crystalline“ • „Chaos Theory“ • „Amaranthine“ • „The Nexus“ • „Call Out My Name“ • „Archangel“ • „That Song“ • „Drop Dead“ • „Cynical“
Höre Amaranthe und Epica in unserer „Female Metal Voices in Darkness“-Playlist auf Spotify:
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