Orkus!-Videopremiere: ALLY STORCH feat. CHAMELEON WALK

„Für mich ist Kunst ohne KI immer ein Staunen“

Eine ungewohnte Melange hat sich mit Chameleon Walk und Ally The Fiddle zu einem aromatischen Stück Musik vereint: Einfach mal einen Song zusammen schreiben, auch wenn die beiden musikalisch andere Sprachen sprechen. Entstanden ist ein gefühlvoller, aber zugleich rockiger Song. Er besitzt nicht die Härte ihrer Prog-Band Ally The Fiddle, wenig Mittalterrock, aber dennoch etwas, was sich wunderbar eignet, um die Gehörgänge mit Melodien zu fluten, die dort nicht wieder heraus wollen. Wir sprachen mit Ally Storch über das neue Stück namens „Violin Girl“, das ein bisschen auch etwas über sie erzählt.

Orkus: Du bist fest verhaftet in deiner Band Subway To Sally, dennoch leihst du deine musikalische Handschrift immer wieder auch anderen Projekten. Wie ist deine Vorgehensweise?
Ally Storch:
Ich schaue mir zunächst immer an, mit wem ich arbeite. Also, wie stellen sich KünstlerInnen und Ensembles nach außen dar, welche Botschaft ist ihnen wichtig. Anschließend versuche ich, das Genre näher einzugrenzen, in dem wir uns bewegen. Und aus alledem entsteht ein Eindruck, wie sich meine Auftraggeber wahrscheinlich das Endergebnis vorstellen könnten und ich versuche, genau den Nerv zu treffen, den man von mir erwartet. Meistens biete ich dann mehrere Varianten an, woraus man sich seinen Favoriten heraussuchen kann, gerade dann, wenn mir viel freie Hand gelassen wird.

O: Die Geige ist Dein Instrument, was magst du am Klang und an der Spielweise am meisten?
AS: Die Geige ist für mich ein unfassbar komplexer Klangkörper. Sie hat in ihrer Tiefe eine wunderschöne Wärme, aber auch Kraft und strahlt gleichzeitig in der Höhe mit ihrer Brillanz. Zur selben Zeit ist sie sehr wandelbar und kann rauchig im Jazz werden oder die verrücktesten Sounds für experimentelle Ansätze bieten. Ich empfinde ihre Klangwelt in jeder Hinsicht als elegant, selbst wenn sie harte Metal-Sounds anpackt.

O: Der neueste Song ist nicht nur mit dir entstanden, sondern könnte auch ein bisschen deine Geschichte erzählen. Wie findest du das?
AS: Ich war erst ziemlich überrascht davon. Aber ich glaube, eine Geschichte in dieser Weise zu erzählen, ist eine charmante Art zu zeigen, was es eigentlich bedeutet, eines Tages so richtig Musik machen zu können. Wie man mit den ersten Schritten kämpft, aber nicht aufgibt.  Wie man viel Liebe in etwas steckt, das trotz Widrigkeiten auf dem Weg eines Tages zu einem wunderschönen Ziel führen wird. Je mehr wir uns von KI und Medien aus der Hand nehmen lassen, umso mehr verschwindet das Bewusstsein dafür, was es eigentlich kostet, kreativ arbeiten zu dürfen. Wie viel Schweiß und Tränen das Material bedeutet hat, womit KI gefüttert wird und was nun mit einem Knopfdruck für beinahe jeden verfügbar ist.

O: Heute, wo schier alles mit KI erzeugt werden kann, ist bei „Violin Girl“ von der Aufnahme der Musik bis zum Video alles analog und ohne KI entstanden. Was macht das für einen Unterschied für dich?
AS: Abgesehen davon, dass ich moralisch gesehen viel lieber ohne KI arbeiten möchte, weil wir hier von einem legalen Kunstraub sprechen, macht es für mich aber auch von der Ästhetik her einen großen Unterschied. Das nicht bis zum Ende glatt geschliffene, die Momente, die aus dem Zufall entstanden sind, die Erinnerungen an den Entstehungsprozess … Für mich ist Kunst ohne KI immer ein Staunen. Ein Staunen darüber, was der menschliche Geist zu leisten imstande ist. Und sie spricht immer die konkrete Sprache des Künstlers, nicht eines Produkts.

O: Die menschliche Komponente sorgt ja eventuell auch dafür, dass es eben nicht perfekt ist. Macht das etwas mit uns?
AS: Ich glaube, dass wir mental eher darauf zugreifen können, wenn es etwas ungenau ist. Wir spüren so viel eher eine Verbundenheit mit dem Kunstwerk, weil wir eben als Menschen genauso unperfekt sind. 

O: In all deinen Veröffentlichungen, Videos und auf der Bühne sieht man dennoch immer eine 100-Prozent-Ally. Wie schwer ist es, zumindest diesen Eindruck entstehen zu lassen? Sicher hast du auch mal einen schlechten Tag?
AS: Ich finde das tatsächlich nicht immer so einfach. Da gibt es zwar einen Schalter, der auf „Show must go on“ stellt an schwierigeren Tagen, aber ich bin mir sicher, dass man es in den Nuancen dennoch spürt, wenn man mal nicht so gut drauf ist. Letztlich weiß man, dass an einem Konzerttag alle extra gekommen sind, um gemeinsam ein paar richtig gute Stunden zu feiern. Das macht mit mir, dass ich alle Kräfte mobilisiere und oft damit auch den Schalter wieder vollständig auf „Full Power“ stellen kann.

O: In diesem bisher einzigen Song mit Chameleon Walk wirkt alles sehr vertraut und harmonisch, wie glingt euch das?
AS: Ich bin mit Axel, dem Sänger, Gitarristen und Gründer der Band, seit einigen Jahren befreundet, wir haben schon manches zusammen erlebt und wir konnten das eine oder andere wunderschöne tiefergehende Gespräch führen. Das hinterlässt natürlich seine schönen Spuren. (lächelt)

Line-up:
Axel Heyder (Chameleon Walk) – Gesang, Gitarre
Ally Storch (Ally The Fiddle) – alle Streichinstrumente
Stefan Kerth – Bass, Produktion

Aber siehe Dir am besten das gelungene Video an:

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