END OF GREEN im Interview (1/3)

Neun Jahre nach „Void Estate“ melden sich end of green mit „Ashes & Gold“ zurück – und bringen nicht nur ihr zehntes Studioalbum, sondern auch drei Jahrzehnte Bandgeschichte mit. Zwischen Verlust und Zuversicht, Wut und Melancholie blicken sie auf eine Welt, die ihnen reichlich Stoff für neue Songs liefert. In unserem dreiteiligen Interview geht es um die Entstehung des neuen Albums, die Schatten der Vergangenheit, persönliche Verluste und die Kraft, trotz allem weiterzumachen.
Orkus: Mit „Ashes & Gold“ veröffentlicht ihr euer zehntes Studioalbum nach einer doch etwas längeren Veröffentlichungspause. Was musste passieren, dass ihr nun tatsächlich wieder etwas zu sagen habt?
Kirk Kerker: Ein Labelwechsel, eine Pandemie, einige Kriege, eine Menschheit, die kurz davor ist, aus dem Rahmen zu fallen. Aber auch große Momente, Liebe und Freundschaft, die dem Ganzen entgegenstehen und die keiner einfach mal ausradieren kann.
O: Wie kam es, dass „Ashes & Gold“ der Titelsong wurde?
KK: „Ashes & Gold“ spricht direkt aus unserer alten end-of-green-Seele. Wir sind unglaublich dankbar für unsere treuen und geduldigen Fans. Und dieser Song ist dafür prädestiniert, mit Gleichgesinnten wieder in Kontakt zu treten, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln. Ein deutliches Lebenszeichen und ein großes Dankeschön von end of green sozusagen.
O: Der Song ist bedrückend, gleichzeitig aber auch sehr kraftvoll. Gibt es eine Entstehungsgeschichte dazu?
KK: Ja, die Realität ist manchmal bedrückend. Es steckt aber auch viel Schönheit und Unberührtheit in ihr – das kann man so oder so sehen. Wirklich bedrückend finde ich Albumtitel wie z. B. „Freigeistin“. Denn darin verstecken sich die verzerrten Fratzen der heutigen Zeit. Den Freigeist – also einem von allen Zwängen befreiten Geist – in ein Gender-Jäckchen zu stecken, ist für mich schon sehr übergriffig. Besonders Spitzfindige würde vielleicht sogar fragen, ob das Gender-Sternchen absichtlich weggelassen wurde. Ich will nichts schlecht reden, was andere vielleicht mögen. Aber für mich ist das ein Zeichen für den leisen Zerfall von Moral und Demut. Aber zurück zum Titelsong … Die Entstehungsgeschichte ist reine Chaostheorie: Ein kleiner Funke ist ganz plötzlich zur Feuerwalze geworden, von der wir uns haben treiben lassen. Die Basis war eine hohe Frequenz, die sich durch den Song „quält“, begleitet von einem dunklen Grollen ganz tief unten. Der Gesang erdet beides und setzt einem damit die nackte Wahrheit direkt vors Gesicht. Genau so ist „Ashes & Gold“ auch auf einmal vor uns selbst gestanden – als ob der Song selbst so hat sein wollen.
O: Es gibt auch ein schönes Video dazu. Wie können wir uns den Dreh vorstellen?
KK: Nenne es Fügung, logische Schlussfolgerung oder wie auch immer – am Ende ist das Video in Eigenregie entstanden. Während der längsten Hitzeperiode seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Aber nicht nur deshalb haben wir uns dagegen entschieden, an unseren Instrumenten auszuflippen. Wir wollten dem Song genug Raum lassen und ihn nur ganz gezielt mit Bildern untermalen. Und nicht zuletzt, weil der Song für uns persönlich eine tiefe Bedeutung hat. Den Krawall haben wir dann fürs zweite Video aufgehoben.
Claudia Zinn-Zinnenburg
In Kürze setzen wir unser Interview fort.
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