ESCAPE WITH ROMEO im Interview

Wir sprechen mit Escape-with-Romeo-Mastermind Thomas Elbern über das neue Album „Night After Night“, das am 07. August 2026 erscheint. In dem gleichnamigen Song geht es „auch um Rastlosigkeit, das ewige Weiterziehen und eine Zeit, die scheinbar nie aufhört zu existieren“, was ihn zum perfekten Titellied macht. Über den Stellenwert von Wahrheit, den Zen-Rebellen, Angst als ständiges Lebensgefühl und Dämonen in der Flasche.
Orkus: „Night After Night“ ist euer 13. Studioalbum. Würdest du dich als abergläubisch bezeichnen? Was symbolisiert die Zahl 13 für dich?
Thomas Elbern: 13 ist einfach eine Zahl für mich. Jetzt wo du es erwähnst, finde ich es auch interessant. Aber bei der Entstehung des Albums hat das alles keine Rolle gespielt. „Night After Night“ ist recht spontan entstanden. Niemand hatte nach einem neuen Album gefragt, unsere Fans waren noch mit dem Vorgänger „Suspicious Bliss“ beschäftigt und normalerweise brauchen wir auch viel länger. Aber dieses Mal ging‘s früher, obwohl das Ganze von den ersten Songs bis zum finalen Produkt dann auch 1,5 Jahre gedauert hat.
O: Das Album beginnt mit „Edit Me Out“. Wann war klar, dass dies der Opener sein würde und wie entstand das Stück?
TE: Die Idee kam uns in München, als wir den Song fertig abgemischt hatten. Eben weil er so anders ist, haben wir ihn direkt an die erste Stelle gesetzt. Der Song ist um ein Vocal-Sample entstanden und hat erst nach und nach diesen darken Trip-Hop-Vibe bekommen. Ich sitze sehr lange an der Vorproduktion und lass mich in alle Richtungen treiben, bis sich langsam Gänsehautfeeling einschleicht. Dann weiß ich, dass ich richtig liege.
Und textlich hatte ich das lange auf dem Schirm: Schreib mich raus, ich möchte mit deiner Realität nichts zu tun haben!
O: In „Sound and the Fury“ heißt es: „Truth is a journey, and it’s hard to find“. Welchen Stellenwert hat „Wahrheit“ heutzutage, auch im Zusammenhang mit Fake-News, Social Media und Co?
TE: Die sogenannte Wahrheit ist ein heutzutage ein viel umkämpftes Gut, da sie von allen beansprucht wird.
Gerade in Verbindung mit dem WWW und den KI Tools ist sie ein sehr dehnbares Ding geworden. In „Sound and the Fury“ geht es um deine persönlich erlebte Wahrheit, um Parameter, die in deinem Laben immer wieder zurückkommen und denen du dich stellen musst. Und, um „Sound and the Fury“ weiter zu zitieren, der „One eyed king in the valley of the blind“ ist der Sehende! Es ist der Zen-Rebell, der die Stille als Rückzugsort sucht und selbst wenn Panik um ihn herum ausbricht, noch zurechnungsfähig bleibt.
O: Gibt es eine Entstehungsgeschichte hinter dem Song?
TE: „Sound and the Fury“ war einer der ersten Songs, die für „Night After Night“ fertig wurden. Für mich war das auch die Rückkehr zu diesem Jangle Gitarrensound, der durch tiefe Hallräume gejagt wird und am Ende so shoegazig im Vordergrund steht.
O: Besonders atmosphärisch ist „Fear’s a Ghost“. Gibt es eine Entstehungsgeschichte dazu?
TE: Ich wollte einen Song über Angst schreiben. Aber über diese Angst, die nicht so offensichtlich ist und immer irgendwie mitschwingt. Ich wollte das enttarnen, was für viele ständiges Lebensgefühl ist. Die ständige Angst irgendwas zu verlieren und langsam auch die Kontrolle über das eigene Leben. Diese Angst lässt einen zurück wie einen Zombie. Nur durch die Symbolik, die Angst als Geist zu bezeichnen, kann man sie sichtbar machen. Musikalisch hatte ich dieses Pianothema am Anfang, das war der Ausgangspunkt.
O: Mit „I’m My Own Worst Enemy“ können sich bestimmt viele identifizieren. Inwiefern trifft das auch auf dich zu?
TE: „I’m my own worst enemy“ war so ein First-Take-Ding. Normalerweise arbeite ich sehr lange an meinen Gesängen, aber hier wollte ich genau dieses Gefühl, diese Ungereimtheiten, drin lassen. Sehr oft bringt man sich selbst in Situationen, die dann als ausweglos erlebt werden. Das kann alles Mögliche sein, wichtig ist, dass man oft selbst die Schuld daran hat und niemanden anderen dafür verantwortlich machen kann, auch wenn man das so sehr möchte. Darum geht es in dem Song, den ich bewusst auch wieder so triphop-lastig arrangiert habe.
O: Mit „You Need the Drugs“ habt ihr einen Coversong von Westbam feat. Richard Butler (Psychedelic Furs) kreiert. Wie kam es zu dieser Idee und deren Umsetzung?
TE: Tatsächlich ist die Idee, „You Need the Drugs“ zu covern an einem Silvesterabend entstanden, wo unsere Gastgeber das Original gespielt haben und mir sofort klar wurde, das ich eine EWR-Version davon machen möchte. Damals war auch noch gar nicht die Rede von einem neuen Album.
O: Die Themen des Albums schlagen mit dem Puls der Zeit, haben einen starken dystopischen Touch. Wie ist das „passiert“?
TE: Das war die tatsächlich die Stimmung. Es gibt diese Textzeile im Song „Little Did I Know“: „You just need the pain, just to know it‘s real. Die Texte sind nah dran an dem, was ich fühlte und (mal wieder) in einer sehr schwierigen Zeit entstanden. Eine Art Gelähmtheit stand am Anfang. Als daraus Songs wurden, ging es mir viel besser. Der Dämon war in der Flasche gefangen! Auf der Flasche steht „Night After Night“. Und aufpassen: Holt den Geist am Ende wieder in die Flasche zurück!
O: Gab es besondere Herausforderungen während der Entstehung des Albums? Wie habt ihr sie gemeistert?
TE: Wir hatten zwei längere Mix- und Produktionssessions in München, die wirklich sehr anstrengend waren. Du musst dann irgendwie aufhören, sonst kommst du nie zu einem Ende. „Night After Night“ ist als Reise konzipiert. Ein Album, das die Kunstform des Albums feiert. Du fängst mit dem ersten Track an und die Reise beginnt. Wir haben sehr viel Zeit damit verbracht, die richtige Reihenfolge zu finden. Ich persönlich sehe wieder Trip-Hop-, ja sogar Metalcore-Momente auf dem Album, es ist eher New Wave als Post-Punk, der hier zelebriert wird. Trotzdem sehe ich keinen nostalgischen Aspekt, weil wir hier nichts Altbekanntes heraufbeschwören, sondern uns einzelner Klangfarben bedienen, um uns musikalisch und textlich auszudrücken.
O: Demnächst seid ihr auch wieder auf Tour. Worauf freut ihr euch besonders?
TE: Ich freue mich besonders, einige der neuen Songs live zu spielen, aber auch darauf, für diese Tour Songs aus unserem Katalog zu performen, die wir entweder noch nie oder länger nicht mehr gespielt haben. In EWR zu sein ist eine musikalische Reise, in die ich mich immer wieder neu reinfinden muss, sonst macht es keinen Spaß! Was von Anfang an großgeschrieben wurde, war eine Atmosphäre zu schaffen, die den Hörer fesselt und mitnimmt.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Line-up (live):
Thomas Elbern – Gesang, Gitarre
Tobias Schwartz – Gesang, Bass
Frenzy Erl – Schlagzeug
Escape with Romeo – Tourdates:
19. September 2026 DE-München, Live Evil
02. Oktober 2026 DE-Köln, Yard Club
03. Oktober 2026 DE-Essen, Grend
04. Oktober 2026 DE-Essen, Grend
10. Oktober 2026 DE-Karlsruhe, Stadtmitte
11. Oktober 2026 DE-Bielefeld, Movie
23. Oktober 2026 DE-Nürnberg, Club Stereo
24. Oktober 2026 DE-Rüsselsheim, Das Rind
29. Oktober 2026 DE-Hamburg, Hafenklang
30. Oktober 2026 DE-Berlin, Urban Spree
31. Oktober 2026 PL-Poznan, Pod Minoga, Shadow Dance Party
27. Dezember 2026 DE-Rhede, Rheder Ei
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