FALLING YOU im Interview (1/2)

Falling You wurde 1995 in San Francisco von Komponist und Produzent John Michael Zorko gegründet. Da ist natürlich ein leicht verspäteter herzlicher Glückwunsch angebracht. Für Mastermind John Michael Zorko hat das 30-jährige Jubiläum wenig Gewicht: „Das ist interessant – ich habe die Zeit in Bezug auf das Projekt nie so gemessen. Ich denke: „Wir haben acht Alben veröffentlicht“ und schaue auf das nächste. Die menschliche Natur bietet noch viel fruchtbaren Boden, den es zu erkunden gilt!“ – Wir sprechen über das neue Album „Metanoia“ und vieles mehr.
Veränderungen – ein Resümee
Orkus: Wie hat sich die Arbeit mit Musik/das Schreiben von Songs für dich im Laufe dieser 30 Jahre verändert?
John Michael Zorko: Sie hat sich in einigen wesentlichen Punkten verändert. Natürlich haben sich die Technologie und die Werkzeuge enorm verbessert. Ich benutze immer noch überwiegend Hardware – denselben alten Roland, den ich schon seit Ewigkeiten habe, denselben alten Virus (von dem ich mir nicht vorstellen kann, mich jemals zu trennen), denselben alten DX7 und einige andere –, aber Software-Synthesizer haben sich stark weiterentwickelt, und ich benutze sie manchmal.
Eine weitere große Veränderung für mich war die Umstellung auf die Zusammenarbeit über große Entfernungen hinweg. Am Anfang waren es nur Jen (Jennifer McPeak – Anm.d.Verf.) und ich – zwei enge Freunde, von denen einer (sie) weitaus talentierter war als der andere (ich). Sie kam ein paar Mal pro Woche vorbei, und wir arbeiteten gemeinsam an der Musik. Heute leben wir an verschiedenen Enden der USA, aber wir kommunizieren immer noch regelmäßig miteinander und sind uns weiterhin sehr nah. Sie in meinem Leben zu haben – in welchem Ausmaß auch immer – hat mich zu einem besseren Menschen gemacht, und obwohl wir Unterschiede haben, haben wir diese immer als Gelegenheit genutzt, mehr übereinander zu lernen.
Selbst in den 2000er Jahren kamen die Sänger normalerweise zu mir (oder ich ging zu ihnen) und wir nahmen gemeinsam auf. Ich mochte diese 1:1-Interaktion sehr, wir hörten uns gegenseitig unsere Geschichten an, wurden bessere Freunde usw. Heutzutage trennt jedoch die Entfernung die meisten Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Es kommt nur noch selten vor, dass wir die Musik im selben Raum entwickeln können. Das ist in Ordnung, wir sind alle Individuen, und das Leben zieht und drängt uns alle in verschiedene Richtungen. Unsere Umlaufbahnen ändern sich, aber wenn sie sich überschneiden, entsteht immer noch Musik. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Magie, die sie mit sich bringen, auch wenn das heutzutage meist aus der Ferne geschieht.
Wachstum
O: In „Metanoia“ geht es um aufgezwungene Veränderungen. Hat sich das Thema während der Arbeit langsam herauskristallisiert oder war es von Anfang an klar?
JMZ: Zunächst war die Idee, diese Mythen aus der Antike, die mit Veränderung zu tun haben, neu zu interpretieren, aber auf eine Weise, die besser zu der Welt passt, in der wir heute leben. Als jedoch die Pandemie ausbrach und sich die ganze Welt innerhalb kürzester Zeit anpassen musste, dachte ich an so viele Menschen, deren Vorstellungen/Überzeugungen über die Welt (und sich selbst) durch diese Ereignisse zutiefst erschüttert wurden. Mir wurde klar, dass dies mit dem ursprünglichen Thema zusammenhing, aber die oben erwähnte Welt, in der wir leben, hatte sich auf verwirrende und beunruhigende Weise verändert.
Wir alle entwickeln im Laufe unseres Lebens unser eigenes Glaubens- und Wertesystem, aber diese Überzeugungen können uns manchmal eher einschränken als leiten. Die Außenwelt passt jedoch oft nicht zu unseren Überzeugungen. Viel eher wirft sie uns zu Boden, bringt uns vom Kurs ab, stürzt uns in eine Krise, und das wiederholt sich immer wieder. So sehr wir auch glauben möchten, dass wir das Ergebnis unseres persönlichen „Wachstums” sind, Tatsache ist, dass diese äußeren Herausforderungen oft einen größeren Einfluss auf die Person haben, die wir werden, indem sie uns zwingen, uns mit Überzeugungen auseinanderzusetzen, die für uns nicht funktioniert haben und diese Herausforderungen viel schmerzhafter gemacht haben, als sie es sonst gewesen wären. Wir wachsen nicht einfach zu der Person heran, die wir sein wollen, manchmal müssen wir uns verändern, um sie zu werden. Daher das Konzept der Metanoia – eine Veränderung des Geistes/Herzens, oft durch Widrigkeiten.
Daher auch die Szene auf der Vorder- und Rückseite des Albums. Die Frau, die sich von Überzeugungen befreit hat, die ihr Leben nur unglücklich gemacht haben (Religion und Reichtum als Identität), wirft diese über Bord und geht in eine ungewisse (aber hoffentlich bessere) Zukunft, in der sie neue schaffen kann.
Überstrahlt
O: Gut, dass du es ansprichst. Wie ist das Albumcover entstanden?
JMZ: Ich habe mit den Fotografen zusammengearbeitet, um die Albumbilder zu entwickeln. Ich hatte das allgemeine Thema und den Inhalt (die weggehende Frau, die weggeworfenen Münzen und das Kruzifix, das durchtrennte Seil), aber sie haben die Stimmung, die ich gesucht habe, wirklich gut herausgearbeitet. Es ist lustig – sie empfahlen einen bestimmten Ort für das Fotoshooting, und ich erinnere mich, dass ich mir nicht sicher war, ob der von ihnen gewählte Ort die Atmosphäre bieten würde, die ich mir wünschte, aber – wie immer – sind die kreativen Menschen, mit denen ich das Privileg habe, zusammenzuarbeiten, wirklich auf derselben Wellenlänge wie ich. Sie hörten sich die Musik an, verstanden sie sofort, und der von ihnen gewählte Ort passte am Ende perfekt.
Das Model, Skylar, war eine echte Kämpfernatur. Es war ein kühler Morgen, aber sie hat meine Erwartungen weit übertroffen, indem sie sogar in die Brandung ging und sich fast vollständig von den Wellen umhüllen ließ, was eiskalt gewesen sein muss. Ein weiteres Beispiel dafür, wie das Talent der Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf, mein eigenes ergänzt und gleichzeitig in den Schatten stellt.
Im nächsten Teil wird es besonders emotional.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Höre das neue Album „Metanoia“ auf Spotify: