GHOST REFLECTIONS im Interview (2/2)

Nach den ersten Einblicken in die Gründung von Ghost Reflections geht es in unserem zweiten Interview-Teil nun um die Musik ihrer Debüt-EP „I Am I“ selbst. Mir und Murmur erzählen, wie „Dawn“ und „Grey“ entstanden sind, welche Rolle Instrumentalmusik für sie spielt und welche Einflüsse aus Italien und darüber hinaus ihren Sound geprägt haben. Du hast den ersten Teil verpasst? Kein Problem, Du kannst ihn hier nachlesen.
Orkus: Die EP beginnt mit dem eindringlichen „Dawn“. Wie ist dieser Song entstanden?
Murmur: Mir hatte einen sehr interessanten Text über dieses Gefühl geschrieben, hineingezogen zu werden, als würde man dazu aufgerufen, zuzuhören. Ich nahm den Text und versuchte, ihn zu vertonen. Dieses Mal wollte ich dem Song eine deutlichere Metal-Note geben – mit schwereren Gitarren und einem Sound, wie man ihn eher aus Gothic und Industrial Metal kennt. Einen solchen treibenden Rhythmus zu erschaffen, war nicht ganz einfach. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, eine melodische Phrasierung zu finden, die mit den Worten funktionierte. Am Ende war das Ergebnis jedoch äußerst zufriedenstellend.
O: Gibt es eine Geschichte hinter dem emotionalen Song „Grey“?
Mir: Murmur bat mich, etwas zu erschaffen, und so begann ich, über die Ruhe nachzudenken, die ich in dem leeren Raum zwischen einer Aufgabe und der nächsten empfinde. Wenn ich diesem Gefühl eine Farbe geben müsste, wäre es Grau – meine Lieblingsfarbe nach Schwarz. Grau ist eine Farbe, die das gesamte Spektrum des sichtbaren Lichts absorbiert und sich im Gleichgewicht zwischen Schwarz und Weiß befindet. Oft steht sie für das menschliche Bedürfnis, eine Pause von den Reizen des Lebens einzulegen.
O: „Eternal Dance“ und „Cold Case: Chiara“ sind beide instrumental und ausgesprochen atmosphärisch. Wie geht ihr beim Erschaffen von Instrumentalstücken vor?
Murmur: Instrumentalmusik habe ich schon immer gemacht und geliebt. Damit habe ich bereits als Teenager angefangen. Mein musikalischer Hintergrund umfasst zahlreiche Genres, die häufig eine strukturelle und kompositorische Herangehensweise mit der klassischen Musik teilen – darunter Progressive Rock, Psychedelic und progressivere sowie experimentellere Formen des Metal. Auch klassische Musik selbst ist ein großer Einfluss. Während meiner Collegezeit habe ich mich damit beschäftigt und schätze sie bis heute sehr. Ich konzipiere meine Instrumentalstücke wie Filmmusiken. Ich neige nicht dazu, Ideen durch Passagen im Stil von Jam-Sessions oder ausgedehnte instrumentale Ausschweifungen zu sehr in die Länge zu ziehen. Stattdessen konzentriere ich mich lieber auf das zentrale Thema und entwickle es weiter, wobei ich dem Kern des Stücks stets treu bleibe.
O: Ihr kommt aus Italien. Inwiefern hat eure Heimat euern Klang geprägt?
Murmur: Wir wurden stark von den Soundtracks italienischer Horrorfilme der 1970er-Jahre beeinflusst, von der dunkleren und verstörenderen Seite des Progressive Rock sowie von der klassischen Musik der legendären Komponisten unseres Landes aus vergangenen Zeiten. Was unsere Leidenschaft für Gothic Rock, Post-Punk, Metal und verwandte Genres betrifft, müssen wir allerdings zugeben, dass wir trotz der starken Underground-Szene, die in unserer Heimat noch immer existiert und überlebt, den größten Teil unserer Inspiration von ausländischen Bands bezogen haben – insbesondere von britischen.
Claudia Zinn-Zinnenburg
Line-up:
Murmur –Musik, Produktion, Instrumente
Mir – Texte und künstlerische Leitung
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