NATURE OF WIRES + MACHINA X im Interview (1/2)

Photo: Claire-Stephenson

Ein Klassiker der Achtzigerjahre in neuem, dunklerem Gewand: Mit ihrer Interpretation von Icehouses „Hey Little Girl“ verleihen Gary Watts (Nature of Wires) und Annie James (Machina X) dem bekannten Song eine ganz eigene, intensive Note. Lies unser zweiteiliges Interview hier.

Orkus: Was hat euch dazu bewogen, Icehouses „Hey Little Girl“ neu zu interpretieren?
Annie James: Ich liebe es, auf ein Konzert zu gehen, bei dem ein Künstler plötzlich und unerwartet eine Coverversion spielt – und, noch wichtiger, den Song wirklich zu seinem eigenen macht. Natürlich hat man bei einem Klassiker seiner Zeit wie „Hey Little Girl“ den zusätzlichen Vorteil, dass er sofort dieses Gefühl der Vertrautheit vermittelt. Außerdem passte er gut in unsere Setlist mit eigenen Songs. Ein gutes Cover ist immer etwas Positives – die Leute hören schließlich gerne Songs, die sie kennen. Ich denke allerdings, dass wir beide einen Song mögen müssen, damit er für uns gut funktioniert. Tatsächlich gibt es noch einen anderen Coversong, den ich gerne mit Gary machen würde, aber darüber wird vorerst noch nichts verraten.
Gary Watts: Das war Annies Idee, ich bin einfach mitgezogen. (lächelt)

O: Wie seid ihr an den Song herangegangen? Coverversionen können schwierig sein, denn man möchte den Charakter des Originals bewahren und gleichzeitig etwas Neues und Eigenes daraus machen …
A: Absolut. Keiner von uns sieht einen Sinn darin, einen Song zu covern, wenn wir nicht das Gefühl haben, genau das tun zu können – ansonsten ist es doch einfach Karaoke, oder? Bei Coverversionen kann es manchmal etwas dauern, Gary zu überzeugen, aber bei diesem Song fühlte es sich einfach richtig an. Durch den weiblichen Gesang bekommt er außerdem eine andere, düsterere Perspektive: Die Dynamik verändert sich von einer Begegnung zwischen zwei Personen hin zu einer eher introspektiven, ja, fast selbstanklagenden Art. In meinem Kopf ist es wie ein Gespräch mit sich selbst – als würde das Mädchen sich selbst im Spiegel betrachten.

Wenn ich eine andere Version eines Songs quasi schon in meinem Kopf „hören“ kann, stehen die Chancen gut, dass es funktioniert – ein bisschen wie bei „Feeling Good“. Dann geht es nur noch darum, Mr. Watts zu überzeugen. „Hey Little Girl“ eignete sich wunderbar für einen dunkleren, langsameren, eindringlicheren und minimalistischen Stil. Das unterschied sich deutlich genug vom melancholischen Pop des Originals und passte gleichzeitig zu unserem aktuellen Sound.
G: Bei Remixen und Coverversionen versuche ich immer, sie so zu gestalten, wie ich es getan hätte, wenn ich den Song ursprünglich selbst geschrieben hätte. Wie Annie schon sagt, bin ich nicht immer ein großer Fan davon, Covers zu machen, aber bei diesem hier fühlte es sich schon recht früh im Prozess richtig an. Ich hatte zunächst die „Hey Hey“-Rufe aus dem Original gesampelt, aber das klang irgendwie ziemlich kitschig. Der Song ist auch ohne sie eindeutig genug wiederzuerkennen, und so konnten wir ihn noch stärker zu unserem eigenen machen.

O: Was bedeutet euch dieser Song persönlich?
A: Es ist ein Song, den ich schon immer geliebt habe. Wenn man die Angewohnheit hat, seine Lektionen im Leben auf die harte Tour zu lernen, können Texte wie diese durchaus etwas in einem auslösen, haha! Ich denke da auch an den Song „Messy“ von Lola Young, der vor kurzem erschienen ist. Abgesehen von seinem sehr eigenen Sound und diesen fesselnden Bossa-Nova-Beats ist es für eine Sängerin essenziell, dass die Lyrics von „Hey Little Girl“ nachvollziehbar und greifbar sind. Nur so kann man die richtigen Emotionen transportieren und seine eigene Version des Songs anders genug gestalten, um sie sich gewissermaßen zu Eigen zu machen. Und noch wichtiger: Eine gut gemachte Coverversion kann den Hörer in diesen gemeinsamen Raum zwischen Künstler und Publikum hineinziehen und stärker einbinden – und dadurch möglicherweise auch das Interesse an unbekannteren Songs wecken.
G: Ich erinnere mich noch an den Song von damals. Die Lyrics sind nichts, womit ich mich direkt identifizieren kann, aber ich habe mich ohnehin immer stärker auf die instrumentale Seite der Musik konzentriert.

Claudia Zinn-Zinnenburg

In Kürze setzen wir das Interview fort.

Höre „Hey Little Girl“ auf Bandcamp.

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