GLORIA DE OLIVEIRA im Interview (1/2)

Zwischen urbanem Berlin, brasilianischen Einflüssen und der Stille der Natur hat Gloria de Oliveira ihre ganz eigene Klangwelt gefunden. „The Lying Swans“ erzählt von Befreiung, Heilung und Vertrauen – atmosphärisch, intensiv und zutiefst persönlich. In unserem zweiteiligen Interview spricht die deutsch-brasilianische Musikerin über die Entstehung ihres Albums und die Kraft echter, menschlicher Musik.
Zwischen Berlin und der Stille
Berlin ist für Gloria de Oliveira weit mehr als eine Adresse. Die Stadt mit ihren Programmkinos, Museen und ihrer lebendigen Subkultur inspiriert sie ebenso wie die regelmäßige Flucht ins Grüne. „Gleichzeitig brauche ich die Natur, um mich zu erden und zu inspirieren“, sagt die deutsch-brasilianische Musikerin. Zwischen diesen beiden Welten entsteht ihre Musik: Dream Pop, Dark Folk und Ambient treffen auf brasilianische Einflüsse, ohne sich je in Genres einengen zu lassen.
Der Moment, der alles veränderte
Der Ausgangspunkt von „The Lying Swans“ ist erschütternd persönlich. „Ich fühlte mich wie die Frau auf dem Albumcover“, erinnert sie sich an eine Winternacht, in der sie barfuß aus einer Wohnung floh, in der sie sich lange gefangen fühlte. Aus diesem Schlüsselmoment entstand kein reines Trennungsalbum, sondern eine Geschichte über Befreiung, Heilung und den schwierigen Weg zurück ins Vertrauen. Auch die Texte spiegeln diesen Prozess wider. Der Mythos von Leda (die von Zeus in Gestalt eines Schwans verführt wurde) wird nicht romantisiert, er wird als vielschichtige Erzählung über Macht, Verführung und Gewalt gelesen. Für Gloria war die Ambivalenz die passende Metapher für das, was sie verarbeitet hat.
Jan Schütz (Meersein)
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