GOTHMINISTER im Interview (1/2)

Bjørn Alexander Brem alias Gothminister trägt eine Netflix-Kappe, als er sich in unserem Zoom-Call einwählt, damit wir über das neue Album „We Are All Demons“ sprechen können. Ein kleiner Hinweis auf seine zweite berufliche Karriere als Jurist, der sich vor allem in der Film- und Fernsehbranche einen Namen gemacht hat. Brems Alter Ego ist im Hintergrund des Zoom-Fensters zu sehen: Passend zum vorab veröffentlichten Song „Salsa“ im schwarz-roten Charro-Outfit samt Sombrero. Ein Mann der Gegensätze. Und ein Album, das in einer Phase entstanden ist, in der sich Brems Leben grundlegend verändert hat … Lies unser Interview in zwei Teilen.
Werwolfbaby
Das Cover von „We Are All Demons“ zeigt Gothminister, der eine werwolfartige Kreatur wie ein Baby in seinen Armen wiegt. Der Gedanke liegt nahe, dass diese Assoziation bewusst gewählt ist, immerhin hat Brem erstmals ein Album vollständig selbst aufgenommen, produziert, gemischt und gemastert. Ganz so war es aber nicht, wie er erzählt: „Vielleicht war es etwas Unterbewusstes. Aber dieses Werwolfbaby stammt aus der „Utopia“-Show von 2013. Es hat auch eine Mama, einen großen Werwolf, den man im Video zum Titeltrack sehen kann. Wir haben sehr viel über das Cover diskutiert.“ Bewusst war aber die Entscheidung für den Zylinder. „Ich wollte den alten Zylinder-Look zurückbringen, weil es den seit dem ersten Album nicht mehr auf einem Cover gab“, erklärt Bjørn. „Ich fand, dass das ursprüngliche Cover etwas zu ähnlich zu dem war, was wir zuvor veröffentlicht hatten. Deshalb wollte ich den Zylinder zurückholen, diesen ursprünglichen, alten Gothminister-Stil. Und das Werwolfbaby kam hinzu, um die Dämonen zu symbolisieren.“
Wir-Gefühl
Die Texte des Albums suchen immer wieder die Gemeinschaft, ein Wir-Gefühl. Für Brem ist das kein Zufall. „Dieses ‚Wir‘ ist für Gothminister wichtig, weil wir eine Gemeinschaft sind.“ Der Song „My Revenge“ basiert auf seinen eigenen Erfahrungen mit Mobbing. „Bei diesem ‚Wir‘ geht es darum, dass wir zusammenstehen und gemeinsam stärker sind als allein.“ Gothminister selbst begreift er dabei beinahe als Predigerfigur: „Für einen Gothminister, der ja vielleicht so etwas wie ein Gothic-Priester sein soll, ist es deshalb ganz natürlich, diese Botschaft zu predigen: Glück in der Dunkelheit zu finden, zusammenzustehen und Kraft im eigenen Inneren zu entdecken.“
Eine lange Reise
Bereits 2022 erklärte Bjørn im Gespräch mit uns, man müsse die eigenen Dämonen nicht nur bekämpfen, sondern irgendwann vielleicht sogar ein Bündnis mit ihnen schließen. Vier Jahre später wirkt der Albumtitel wie die konsequente Fortsetzung. „Ja, ich denke, es ist derselbe Gedanke. Es ist eine lange Reise.“ Vor allem Weglaufen hält er für keine Lösung: „Ich glaube, zu viele Menschen versuchen einfach, vor ihren Dämonen davonzulaufen. Sie sperren sie in den Schrank oder schieben sie unters Bett – aber das hilft nicht.“
Grundlegende Veränderung
Diesmal wird das Thema besonders persönlich. Im vergangenen Jahr gab es grundlegende Änderungen in seinem Leben. Brem gab sein festes Arbeitsverhältnis nach 17 Jahren auf, seine Ehe beziehungsweise Beziehung endete, gleichzeitig wurde er krank. „In so einer Situation lernt man zu kämpfen. Und ich habe gelernt, Altes loszulassen und etwas Neues zu finden.“ Rückblickend erkennt er, wie lange er in vertrauten Mustern geblieben war. „Man traut sich nicht, sie zu verlassen, und entwickelt sich dadurch nicht weiter. Genau das habe ich jetzt getan, und auch das hat für mich mit der Idee der Dämonen zu tun.“
Workaholic
Als Jurist in der norwegischen Film- und Fernsehbranche verhandelte Bjørn unter anderem Vereinbarungen mit Netflix, Sendern und Streamingdiensten. Der Preis? Eine hohe Arbeitslast, bei der die Musik immer wieder warten musste. „Ich habe jedes Jahr mehr als 2.000 Stunden gearbeitet.“ Er hat daraus eine klare Konsequenz gezogen, blickt aber nicht verbittert auf seine Zeit als angestellter Anwalt zurück: „Ich bereue nichts. Aber jetzt ist es an der Zeit, mich mit der Musik weiterzuentwickeln.“
Katrin Hemmerling
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