GRAVE DANCE COMPANY im Interview (1/2)

Grace Dance Company
Photo: Robert Maybach

Aus den „Ruins“ der österreichischen Band Jack Frost ist etwas völlig Neues entstanden: Grave Dance Company. Was als emotionaler Abschlussabend begann, entwickelte sich zur neuen musikalischen Verbindung mit Michelle Darkness (end of green). In unserem zweiteiligen Interview erzählt Mournful Morales von der ungewöhnlichen Entstehung des Debüts, seinen düsteren Themen und der Frage, warum GDC trotz ihrer Wurzeln keine Fortsetzung von Jack Frost ist.

Orkus: Grave Dance Company ist quasi aus den Ruinen von Jack Frost gebaut worden? Wie kam es dazu?
Mournful Morales: Nun, Jack Frost haben nach fast 30 Jahren ihres Bestehens durch eine Krebserkrankung ihre Stimme verloren. Als es darum ging, darüber nachzudenken, wie es weitergehen sollte, beschlossen wir, unser 30jähriges Bandjubiläum zum Anlass zu nehmen, uns aufzulösen. Nach langer Freundschaft mit End Of Green und auch vereinzelten Kooperationen in der Vergangenheit lag es nahe, Michelle zu bitten, für die geplante Abschluss-Show in Linz den Gesang zu übernehmen. Nach diesem sehr emotionalen Abend war eigentlich klar, dass in dieser Konstellation weiter etwas passieren muss. Und noch in derselben Nacht haben wir mit Michelle und Kirk Kerker diese Band gegründet.

O: Ihr betont, dass Grave Dance Company keine Fortsetzung von Jack Frost ist. Was musste sich verändern, damit daraus etwas Eigenständiges werden konnte?
MM:  GDC wird viel zu stark von Michelles Gesang geprägt, als dass die Band eine Fortsetzung von Jack Frost sein könnte. Das war auch nie unsere Absicht. Vielmehr wollten wir durch diesen traurigen Anlass endlich umsetzen, was uns bereits jahrzehntelang umtrieb – nämlich uns nicht nur gemeinsam die Nächte in Göppingen oder Linz um die Ohren zu schlagen, wenn wir uns denn mal trafen, sondern gemeinsam Musik zu machen. Wir hatten oft davon gesprochen, es hatte sich aber nie ernsthaft ergeben. Und klar: die Musik entsteht in Linz aus dem Rest von Jack Frost, die Gesangsmelodien in Göppingen. Insofern sind stilistisch die Wurzeln nahe an Jack Frost, aber allein der Prozess, in dem die Songs entstehen, ist so unterschiedlich und ungewöhnlich, dass etwas völlig Neues daraus entsteht.

O: Was hat es mit dem Namen Grave Dance Company auf sich?

MM: Das hat tatsächlich einen langen historischen Hintergrund. Jack Frost hatten sich Anfang der 2000er Jahre mal kurz aufgelöst, in Wahrheit war das nur eine alberne Kinderei. Jedenfalls spielten end of green ein Konzert in der Röhre Stuttgart und baten uns, als Support zu spielen – wenn nicht als Jack Frost, dann eben inkognito. Es war Micha Setzer von EOG, der den Namen The Gloom Ballet Grave Dancers vorgeschlagen hat, unter dem wir dann auch aufgetreten sind. Jack Frost gab es ab diesem Abend wieder und der Inkognito-Bandname schwebte seither als Name für ein gemeinsames Projekt im Raum. Als es mehr als 20 Jahre später dann dazu kam, war er uns zu lange, weil er ja kaum auf ein T-Shirt passt, und so haben wir Grave Dance Company daraus gemacht.

O: Dann wären wir auch schon beim Albumtitel „Ruins“, der (auch) eure Entstehungsgeschichte einschließt. Wann war klar, dass es perfekt als Titel funktioniert?
MM: Das war alles andere als klar und keine einfache Entscheidung. Ich finde das immer recht schwierig, acht oder neun Song unter einem Titel zusammenzufassen. Wir dachten lange darüber nach, wie der Titel lauten sollte und schließlich entschieden wir uns für den Titel eines Songs auf dem Album, weil er tatsächlich sinnbildlich dafür stand, dass diese Band auf den Ruinen einer anderen entstand. In dem Song, den wir dann deshalb in „These Are The Ruins“ umbenannten, geht es aber um etwas ganz anders. Aber erst als wir den Titel „Ruins“ dann auf dem Cover Artwork gesehen haben, wussten wir, dass er funktioniert.

O: Das Albumcover zeigt bewusst nichts, was man auf Anhieb mit „Ruins“ in Verbindung bringen würde, sondern frische Tulpen in Schwarz/Weiß. Was symbolisieren sie?
MM: Es war uns immer klar, dass auf dem Cover nichts sein durfte, das nach Ruinen aussieht. Wir sind durch Zufall auf die Arbeiten eines österreichischen Künstlers gestoßen, der in New York City lebt – Martin Koch. Und dieses Motiv hat uns sofort gecatcht. Es ist unsagbar schön, ästhetisch und düster zugleich. Es ist ohne auch symbolhafte Zuschreibungen die perfekte visuelle Umsetzung der Musik auf dem Album.

O: „Ruins“ beginnt mit dem stimmungsvollen „Wild Ones“. Gibt es eine Entstehungsgeschichte?
MM: Alle unsere Songs haben einen starken Bezug zu unserem Leben, und das ist das Leben mittlerweile über 50 Jahre alter Männer. Man kommt nicht an den Gedanken, Ängsten, Sehnsüchten und Beziehungen vorbei, die einem im mittleren Lebensalter beschäftigen. Und so ist auch „Wild Ones“ das Fazit einer langen Beziehung und was daraus wurde.

In Kürze setzen wir unser Gespräch fort.

Claudia Zinn-Zinnenburg

Auch in unserer Oktober/November-Ausgabe kannst Du mehr über Grave Dance Company erfahren.

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